MARIO BAVA: BIOGRAFIE, FILMOGRAFIE UND BILDERGALERIE

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Seit den späten ’50ern hat das schöne Italien eine ziemlich reichhaltige Historie im Horror- und Giallo-Genre, und viele Regisseure haben sich mit teils visuell beeindruckenden, teils trashigen und vor allem auch blutigen Filmen einen großen Namen gemacht, die besonders bei den Kultfilmfans sehr beliebt sind. Zu den wirklich großen Europloitation-Regisseuren gehören unter anderem Dario Argento, Lucio Fulci, Sergio Martino, Riccardo Freda (und vielleicht auch noch Ruggero Deodato), doch ohne Mario Bava wäre das italienische Giallo-, Horror- und vor allem das Gotik-Genre nie zu dem geworden, was es in den ’60ern und ’70ern einmal war: spannendes Genrekino vom Feinsten!
Mario Bava war ein Poet des Makabren, ein Maler, Kamera- und Spezialeffektegenie, ein Mann voller Fantasie, Ideenreichtum und Intelligenz. Er rief Genreformeln mit wirklich originellen Einfällen ins (Film-)Leben und erschuf märchenhafte, bunte Traumwelten für Erwachsene – moderne Mythen, Schreckensfabeln und stark sexualisierte Phantasma-gorien wie in seinem Giallo BLUTIGE SEIDE von 1964. Sein Stil ist dabei unverkennbar: die grandiose Farbgestaltung, seine Vorliebe für die Malerei und das enorme Talent für die Fotografie – ein Geschichtenerzähler, wie er im Filmbuche steht.
Zusammen mit Riccardo Freda inszenierte er den ersten echten italienischen Gruselfilm namens DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1956), und den Giallo, nun, den rief Mario Bava genauso ins blutige Leben wie das eigentliche Slasher-Genre. BLUTIGE SEIDE (1964) und IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971) ebneten den Weg für viele Kultfilme – zum Beispiel die Giallo- und Horrorwerke von Dario Argento, Lucio Fulci und vielen anderen.

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Und im Gegensatz zu vergleichbaren Regisseuren, hatten selbst seine schwächeren Werke nämlich vor allem eines: Stil (Ausnahmen sind seine wenigen Western, die jedoch auch kaum mit echtem Herzblut inszeniert wurden, sondern aus rein kommerziellen Zwecken). Andere Regisseure wie Umberto Lenzi und seit vielen Jahren auch Dario Argento haben dagegen viele wirklich miserable Streifen gedreht, während Mario Bavas Werke nahezu komplett etwas Fantastisches haben.
Sie sind meist metaphorisch und extrem stylisch – und das vor allem aus zwei wichtigen Gründen: zum einen hatte Mario Bava in den ’30ern Malerei studiert, und zum anderen war er nicht nur ein genialer Regisseur, sondern eben auch ein exzellenter Kameramann. Was bei seinem Gesamtwerk ebenfalls auffällt, ist, daß er selbst mit kleinsten Budgets nicht nur auskam, sondern am Schluß eines Drehs noch viel Geld übrig hatte. Sein Kultfilm DIA-BOLIK hatte mit 3 Millionen Dollar ein relativ hohes Budget, von denen Bava jedoch nur 400.000 ausgab. Der Traum eines jeden Produzenten (im Falle von DIABOLIK: Dino de Laurentis). Und obwohl er so sparsam war, sehen seine Filme wie PLANET DER VAMPIRE deutlich nach mehr aus – trotz Pappfelsen, Plastikkulissen, Studioatmosphäre und wackligen Wänden. Zu seinem originellen Stil gehörte vor allem auch seine Farbgestaltung – VAMPIRE GEGEN HERAKLES, DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA, PLANET DER VAMPIRE und DIABOLIK und Dario Argentos INFERNO sind dafür schönste Belege…
Mario Bava wurde 1914 in San Remo, Italien, geboren. Sein Vater Eugenio Bava war nicht nur Maler und Bildhauer, sondern er machte sich auch in der Welt des italienischen Films einen guten Namen als Kamera- und Spezialeffektemann. Außerdem erstellte er Skulpturen für katholische Kirchen, was ebenfalls ein Einfluss für seinen Sohn Mario gewesen sein dürfte, denn besonders sein Debüt DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT von 1960 ist extrem malerisch, symbolbeladen und das größte Gotik-Horrormeisterwerk des italienischen Kinos.
Durch finanzielle Schwierigkeiten musste Mario Bava die Malereistudien aufgeben, was ihn schließlich zum Arbeitsplatz seines Vaters führte, der beim Film für die optischen Effekte und die Fotografie zuständig war. Dort begann also die große Karriere des Mario Bava. Interessant dabei ist, das Mario Bavas Sohn Lamberto (geboren 1940) eben nicht das Talent seines Vaters Mario erbte, obwohl er ihn über zwanzig Jahre bei seiner Arbeit als Regisseur begleitete.
Nachdem Mario Bava in den frühen ’50ern schließlich an vielen Dokumentarfilmen beteiligt war, fragte ihn sein Freund Riccardo Freda, ob er für ihn einspringen und den Film DER VAMPIR VON NOTRE DAME beenden könne (es gibt verschiedene Legenden, wie sich die ganze Geschichte abgespielt haben soll, und ich bilde mir nicht ein, zu wissen, was damals tatsächlich geschah). Vielleicht wollte Freda ganz einfach, daß Mario Bava einen weiteren wichtigen Schritt ins Filmgeschäft hinein machte. Wer weiß das schon? Jedenfalls gilt DER VAMPIR VON NOTRE DAME von 1956 ganz offiziell als der erste echte Horrorfilm Italiens – denn bis zu diesem Zeitpunkt waren solche Streifen schlicht und einfach verboten…
Auch Riccardo Fredas ein Jahr danach entstandener CALTIKI wurde angeblich von Mario Bava beendet, und die Experten streiten, wie und warum sich das so zugetragen haben soll. Manche glauben auch, das Freda damals ganz einfach die Schnauze voll hatte von den Einmischungen des damaligen Produzenten, und die beiden besagten Filmprojekte schließlich einfach fallen ließ. Beide Streifen haben in meinen Augen definitiv noch nicht den berühmten Bava-Stil, doch das könnte man stundenlang ausdiskutieren. Bei dem THE-BLOB-Verschnitt namens CALTIKI sollen satte 70% auf Bavas Konto gehen – kaum zu glauben!

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Eine weitere Legende ist, daß Mario Bava 1960 für sein Debüt DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT so etwas wie einen Freibrief hatte, einfach das zu drehen, was ihm gerade in den Sinn kam. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß die damalige Produktionsfirma GALATEA FILM wirklich so ein hohes Risiko eingehen wollte, denn noch konnte man ja nicht ahnen, daß Bavas Debüt die Kinokassen klingeln ließ! Und um es vorwegzunehmen: 1971 hatte Mario Bava tatsächlich drehen können, was ihm in den Sinn kam – IM BLUTRAUSCH DES SATANS entstand ohne festes Drehbuch und basierte lediglich auf einem lockeren Skript von Dardano Sacchetti. Doch dazu mehr in den Reviews…
Sei es wie es sei, DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT ist nicht nur ein Meilenstein im Bereich des italienischen Gotik-Horror-Genres, sondern des Kinos weltweit! Die Geschichte, die auf einem Roman von Nikolai Gogol basierte, ist nicht wirklich ungewöhnlich, doch besonders der visuelle Look und der Stil des Films sind einfach wundervoll anzuschauen. Es ist auch für einen Kunstlaien wie mich – :oops: – deutlich zu erkennen, daß Mario Bava Malerei studiert hatte (bzw. sich zumindest mit der Malerei beschäftigte), denn viele Einstellungen von DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT könnte man sich auch als Gemälde an die Wand hängen. Ähnliches gilt natürlich auch für Dario Argentos Kultgiallo PROFONDO ROSSO, bei dem auch die Architektur eine wichtige Rolle spielte. Seltsam, daß manche Mainstream-kritiker Filme wie DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT oberflächlich kritisieren – ganz so, als müsste einfach alles was in den ’60ern und ’70ern aus Italien kam, automatisch billig und schlecht sein…

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Trotz des Erfolgs von DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT hatten die italienischen Produzenten wohl noch nicht das totale Vertrauen in Horrorfilme gefasst, denn schon 1961 übergab man Mario Bava das Projekt ERIK, DER WIKINGER – dabei muß man wissen, das Wikingerfilme in den ’60ern genauso beliebt waren wie die berühmten Peplums (Sandalenfilme). Und einen echten Peplumklassiker inszenierte Mario Bava mit dem knallbunten Fantasy/Trashepos HERAKLES GEGEN VAMPIRE – mit Christopher Lee in der Rolle des Bösewichts.
Jedenfalls kenne ich keinen so enorm unterhaltsamen Trash- und Sandalenstreifen wie Bavas fantasievollen Klassiker dieses ulkigen Genres. Und zum ersten Mal fällt mehr als deutlich auf, daß Bava das EASTMANCOLOR voll ausreizt, denn die Farbgestaltung ist unglaublich stylisch, bunt wie 1000 Luftballons und einfach pures Vergnügen. Ich denke auch, daß es bis zum Jahre 1961 noch keinen vergleichbaren Streifen gab, der so einen irrwitzigen Comicstil hatte. Und durch die „Vampire“ und Christopher Lee kommt am Schluß des Films auch noch richtig schöne, altmodische Gruselstimmung in die Bude. Fantastisch!

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Doch schon 1962 kehrte Mario Bava zu edlen Schwarzweiß-Bildern zurück, und zwar für den ersten Giallo, der jemals gedreht wurde: THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH mit dem jungen John Saxon in der Hauptrolle. Ich kann mir beim Ansehen dieses spannenden Werkes durchaus vorstellen, daß Bava sich damals mit den deutschen Wallace-Verfilmungen ausgiebig beschäftigt hatte, die seit 1959 (DER FROSCH MIT DER MASKE) die Kinos bevölkerten. Diese Wallace-Adaptionen haben einen unbestreitbaren starken Einfluß auf die spätere Entwicklung des Giallo-Genres gehabt – die Maskierungen, die Frage nach dem WHO-DUN-IT, die schönen Ladies wie Karin Dor und die strahlenden Helden der Marke Blacky Fuchsberger, der ja schließlich 1971 sogar den Kommissar in Massimo Dallamanos spannenden Schulmädchen-Giallo DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL mimte, sind dafür beste „Beweise“. Und Harald Reinls Rasierklingenschlitzereien in ZIMMER 13 – beim Mord an der Stripteasetänzerin spritzt das Blut meterweit – dürfte auch einen enormen Einfluß auf viele Gialli-Regisseure gehabt haben. Auch Dario Argentos Debüt DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE wurde in Deutschland ebenfalls offiziell als Wallacestreifen vermarktet.
Jedenfalls ist THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH der erste Giallo – auch wenn Bava dem Film noch nicht alle typischen Krimi-Italiana-Zutaten beifügte, ist es dennoch ein berauschendes Beispiel für echtes Suspensekino mit einer Prise schwarzen Humors im Stile Alfred Hitchcocks. In den USA lief der Film unter dem Titel THE EVIL EYE in den Kinos – mit veränderten Dialogen, die den Film letztendlich fast wie eine Komödie wirken ließen.
Im Jahre 1963 kehrte Mario Bava dann endlich zum Gotik-Grusel-Genre zurück – seine brillante Horroranthologie DIE DREI GESICHTER DER FURCHT ist jedenfalls ein weiteres Meisterwerk in seinem Schaffen. In meinen Augen beinhalten die drei Kurzgeschichten die spannendsten Gruselepisoden, die jemals gedreht wurden – und das trotz der großen Konkurrenz in Form der AMICUS-Anthologien, die ja teilweise auch fabelhaft gelungen sind (zum Beispiel DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK mit Peter Cushing und Christopher Lee in den Hauptrollen). Jedenfalls standen mir in meinem gesamten Leben noch niemals so die Haare zu Berge wie bei der extrem unheimlichen Episode DER WASSERTROPFEN…
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Durch die Rahmenhandlung begleitet den Zuschauer Horrorikone Boris Karloff, der in DIE DREI GESICHTER DER FURCHT eine einmalige Spielfreude versprüht… Berühmt wurde Karloff mit den jeweiligen Hauptrollen in DIE MUMIE und natürlich FRANKENSTEIN.
Ebenfalls 1963 inszenierte Mario Bava den nahezu genauso spannenden und unheimlichen Gotik-Grusel mit dem schönem Titel DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU. Wirklich auffällig – neben Bavas originellem Stil – sind die heftigen S/M-Szenen (jedenfalls für damalige Zeiten), die im Jahre 1963 doch viele Zuschauer tief geschockt aus den Kinos vertrieben haben dürfte. Diese Sequenzen brachten natürlich auch die Zensoren auf die Palme, die diese besagten Szenen aus dem Kameranegativ entfernen ließen. Zum Glück kann man den Film dank des Mediums DVD/BD heutzutage auch komplett ungeschnitten sehen! Doch vor allem die schaurig-schönen Gruselszenen lassen diesen Gotik-Streifen zu einem echten Erlebnis werden…

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Und nachdem Mario Bava in DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU im wahrsten Sinne des Wortes die gotische Peitsche ausgepackt hatte, drehte er mit BLUTIGE SEIDE schließlich den absoluten Prototypen des gesamten Giallo-Genres. Ein Hoch auf Mario Bava, ohne den es den Krimi Italiana mit all seinen Facetten so niemals gegeben hätte! Viele andere Regisseure nahmen sich für ihre ihre eigenen Gialli und Slasherfilme ein deutliches Beispiel an BLUTIGE SEIDE – das kann man zum Beispiel sehr schön an SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL von Roberto Bianchi Montero nachvollziehen, der seinem Schlitzer einfach exakt dieselbe Optik verpasste wie Mario Bavas Sensenmann in besagtem BLUTIGE SEIDE – und nicht nur das, denn selbst der jazzig-schräge Score von Giorgio Gaslini ähnelt dem von Carlo Rustichelli sehr. Der gigantische Einfluß von BLUTIGE SEIDE reichte bis in die USA – MANIAC, dessen Farbgestaltung sich auffällig an Bavas Werk orientiert, ist dafür ein gutes Beispiel. Auch die Schaufensterpuppen in MANIAC scheinen aus BLUTIGE SEIDE und HATCHET FOR THE HONEYMOON – der ebenfalls von Mario Bava stammt – entsprungen zu sein.
Mit BLUTIGE SEIDE gab Mario Bava auch sämtliche Formeln des Giallogenres vor: der Sensenmann ist nicht nur komplett maskiert, sondern misogyn und psychisch krank (was seinem Mitmenschen im Alltag jedoch nicht bewußt ist). Sigmund Freud hätte jedenfalls seine helle Freude an einem Giallo wie diesen gehabt. Interessant ist, daß Mario Bavas Krimi Italiana keinesfalls misogyn wirkt, denn gerade die Männer sind in dem Film die kaputten Charaktere, die Kranken, die Süchtigen, die Vollirren. Die Frauen werden zwar teilweise auf ihre Schönheit reduziert, doch die Handlung von BLUTIGE SEIDE spielt ja nun mal auch in einem Modesalon! Davon abgesehen sind die Frauen des Films intelligent und den Männern eindeutig überlegen. Zu Beginn der ’80er Jahre rundeten Dario Argentos TENEBRE und Lucio Fulcis DER NEW YORK RIPPER das Giallogenre ab – und diesmal wirklich mit misogynen Tendenzen!

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Nach seinem Krimi BLUTIGE SEIDE inszenierte Mario Bava noch im selben Jahr (1964) den Western DER RITT NACH ALAMO, bei dem man deutlich spürt, daß dieses Genre einfach nicht sein Fall gewesen sein kann. Doch auch italienisches Kino ist damals Kommerzkino gewesen, und nachdem Sergio Leones FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR die Kinokassen klingeln ließ, reagierten die Produzenten natürlich sehr schnell (aber niemand so schnell wie die Italiener!) und wollten weitere Western auf die große Leinwand zaubern. Aber selbst ein Magier wie Mario Bava musste seine Miete bezahlen, und man merkt seinem insgesamt drei Western an, daß sein echtes Herzblut nicht mit im Spiel gewesen sein kann – auch sein Erotikkrimi VIER MAL HEUTE NACHT von 1972 wirkt so, als wäre Bava beim Dreh fast schon gelangweilt gewesen. Doch dazu gleich mehr…
Im folgenden Jahr (1965) versuchte sich Bava mit PLANET DER VAMPIRE im Science-Fiction-Genre und zauberte ein Jahrhundertwerk aus den Ärmeln – bis zum heutigen Tag ist sein PLANET DER VAMPIRE für viele Regisseure ein großes Vorbild in Sachen Suspense, Stil und Ideenreichtum. Ridley Scotts ALIEN ist ein berühmtes Beispiel für die unzähligen Einflüsse, die PLANET DER VAMPIRE ausstrahlt. Auch Norman J. Warrens  amüsantes Trashwerk INSEMINOID mit der süßen Judy Geeson wirkt teilweise wie eine dreiste Kopie von Bavas Film – besonders die Farbgestaltung und die klaustrophobische Atmosphäre von PLANET DER VAMPIRE schienen es ihm angetan zu haben. Bavas Werk hatte jedenfalls ein extrem niedriges Budget, und die Plastiksets machen dies auch deutlich, doch wie, zum Teufel nochmal, konnte Mario Bava dann so eine intensive Atmosphäre des Grauens inszenieren? Der Film ist ein virtuelles Lehrbuchbeispiel dafür, wie man dem Kinopublikum auch ohne viel Kohle echte Spannung und Nervenkitzel bieten kann. Besonders die Zeitlupensequenz mit den Untoten, die sich aus ihren Leichenplastiksäcken befreien, ist wirklich einmalig gruselig und für alle Zeiten unsterblich…

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Nach einem weiteren Wikingerwerk (EINE HANDVOLL BLANKER MESSER von 1965 mit Cameron Mitchell aus BLUTIGE SEIDE in der Hauptrolle), inszenierte Mario Bava 1966 den nächsten ganz großen Gruselklassiker namens DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA mit der wundervollen Erika Blanc und Giacomo Rossi-Stuart aus dem Kultfilm DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN und ORION 3000. Wobei es wie in DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT natürlich keinen Dracula gibt – diese deutschen Titel sind leider ziemlich daneben! Man wollte dem Kinopublikum weißmachen, daß sie es mit Gruselstreifen aus den be-rühmten HAMMER-Studios zu tun hatten. Diese Vorgehensweise ist eine Schande, denn Bavas Film war originell genug um auf eigenen Füssen zu stehen!

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Noch im selben Jahr drehte Mario Bava mit Vincent Price in der Hauptrolle die leicht durchgeknallte Komödie DR. GOLDFOOT AND THE GIRL BOMBS, der eine Fortsetzung für DR. GOLDFOOT UND DIE BIKINIMASCHINE sein sollte. Eigentlich ist der Streifen schon etwas sehr trashig, doch die knallbunte Optik und Horrorikone Vincent Price retten DR. GOLDFOOT AND THE GIRL BOMBS, bevor echte Langeweile entstehen kann.
Dafür inszenierte Bava im Jahr darauf die beste Comicadoption, die es jemals ins Kino schaffte: GEFAHR: DIABOLIK. In Italien und besonders in der Türkei (!) waren diese ganz speziellen Comics mit den irren Bösewichtern und Helden unglaublich beliebt, und ein Jahr vor GEFAHR: DIABOLIK gab es schon den ebenfalls ziemlich unterhaltsamen KRIMINAL von Umberto Lenzi, der damals einiges auf dem Kasten hatte – im Gegensatz zu seinen Trashgurken der ’80er Jahre…

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Nachdem Dario Argentos (Giallo-)Debüt DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE 1970 die Kassen füllte, wurde das Giallo-Genre, das Mario Bava ja „erfunden“ hatte, erst richtig groß – und auf einmal waren statt Western und Sandalenschinken diese ganz speziellen Krimi Italiana hip. Und damit wurde der Giallo natürlich auch sehr kommerziell und die ersten Plagiate erreichten die Kinos, worauf auch Mario Bava nochmal zwei Krimis nachlegte: zum einen den etwas langweiligen (trotz Edwige Fenech!) 5 DOLLS FOR AN AUGUST MOON und zum anderen den deutlich besseren und inspirierteren HATCHET FOR THE HONEYMOON, in dem ein impotenter Psychopath mit schizophrenen Tendenzen junge Bräute mit dem Hackebeil ins Jenseits befördert (wirklich blutig ist dieses humorvolle Werk jedoch nicht). Diese zwei Gialli sind fast wie Tag und Nacht – scheint Mario Bava beim Dreh von 5 DOLLS FOR AN AUGUST MOON mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein, wirkt seine Regie bei HATCHET FOR THE HONEYMOON umso motovierter! In diesem Fall ist der Kontrast, was die Qualität der beiden Filme betrifft, fast schon als paradox zu bezeichnen, wenn man bedenkt, daß sie im selben Jahr entstanden sind… Was war da los???

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1971 schuf Mario Bava schließlich nochmals ein neues Genre: mit IM BLUTRAUSCH DES SATANS war der Slasherfilm geboren. Doch dazu mehr im Review unten!

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Mario Bavas Stammproduzent Alfred Leone (nicht verwandt mit Sergio Leone) war jedoch mit den Einspielergebnissen von 5 DOLLS FOR AN AUGUST MOON und HATCHET FOR THE HONEYMOON zufrieden und spendierte dem folgenden BARON BLOOD ein ordentliches Budget, doch vor allem Leones Geschick, Mario Bava aus seinem geliebten Italien rauszulocken, muß erwähnt werden. Mario Bava hasste es nämlich, Italien zu verlassen – doch man wollte unbedingt in einem österreichischen Schloß drehen. Geografisch ist Italien – Österreich ja auch nur ein Katzensprung. Die Locations rund um das Schloss sind jednefalls exzellent ausgewählt worden von Leone und Bava, denn sie verbreiten besonders in der ersten Hälfte des Streifens eine sehr unheimliche Atmosphäre, die wohlige Gänsehaut versprüht.

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Auch Mario Bavas LISA UND DER TEUFEL (wie schon in BARON BLOOD mit sexy Elke Sommer in der Hauptrolle) von 1973 ist eine weitere Rückkehr zum Gotikgruselgenre der frühen ’60er Jahre. Und auch wenn LISA UND DER TEUFEL Bavas persönlichstes Werk gewesen sein soll, halte ich Telly Savallas für eine absolute Fehlbesetzung, die dem ansonsten grossartigen Film eher schadet (nein, ich habe nichts gegen Telly Savallas)! Doch nach dem Dreh und dem unglaublichen Welterfolg von DER EXORZIST, liess Alfred Leone neue Szenen mit Elke Sommer drehen, die sich deutlich an dem grossen Vorbild von William Friedkins Exorzistenmeisterwerk orientieren. Hmmm, mir gefällt die Fassung OHNE diese Sequenzen weitaus mehr! Zum Glück gibt es beide Versionen (LISA UND DER TEUFEL und DER TEUFLISCHE) auf DVD zu bestaunen, kann ich da nur sagen…

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Ein Totalflop wurde 1974 RABID DOGS mit Luigi Montifiori (der MANEATER!) in der Hauptrolle – ein Flop vor allem deshalb, weil er niemals die Kinos erreichte! Erst mit dem Medium DVD wurde dieses fiese Rape-and-Revenge/Roadmovie den Bavafans zugänglich gemacht – und obwohl dieses Genre nun wirklich nicht mein Fall ist, kann RABID DOGS voll und ganz überzeugen…
Schon 1977 inszenierte Mario Bava dann seinen letzten Kinofilm: SHOCK ist ein Gruselstreifen, in dem Bava auf altmodische Spukhausatmosphäre setzt – doch dazu kommt eine starke Prise DAS OMEN, denn dämonische Kinder waren in den ’70ern ziemlich angesagt beim Kinopublikum.

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1980 sorgte Mario Bava dann schließlich noch für die Spezialeffekte und die brilliante Farbgestaltung in Dario Argentos Horrormeisterwerk INFERNO – und zeigt damit noch ein letztes Mal, was für ein Genie Bava gewesen sein muß, denn die Farbfotografie ist reine Magie…
Mario Bava starb 1980 nach den Dreharbeiten zu INFERNO an einem Herzinfarkt und wurde nur 65 Jahre alt…

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DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT

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Moldawien im sechzehnten Jahrhundert: die Hexe Asa (Barbara Steele) und ihr Geliebter Javutich (Arturo Dominici) werden mit dem Zeichen Satans gebrandmarkt und bekommen anschließend mit einem Hammer Bronzemasken, die im innern mit langen Nägeln ausgestattet sind, auf das Gesicht gedonnert. Doch Asa spricht vor ihrem Tode einen Fluch aus und schwört ihren Henkern und deren Enkeln und Urenkeln, sich eines Tages auf schreckliche Weise zu rächen…
200 Jahre danach: der angesehene Arzt Krujavan (Andrea Checchi) und sein Assistent Andrej (John Richardsen lange vor TORSO und vielen anderen Gialli) fahren mit einer Kutsche durch einen finsteren Wald Moldawiens – bis sich schließlich ein Rad löst und sie anhalten müssen, aussteigen und eine geheimnisvolle Krypta entdecken. Mit der typischen Mischung aus Neugierde und Unwissenheit öffnen sie den Sarg der Hexe Asa und entfernen prompt die Bronzemaske aus ihrem Gesicht. Krujavan verletzt sich dabei an einem Finger und einige Blutstropfen fallen auf Asas Totenschädel, was sie tatsächlich zu neuem Leben erweckt…
Als sich Krujavan und Andrej wieder mit der reparierten Kutsche auf den Weg gemacht haben, ruft Asa ihren Geliebten Javutich (deutsche Fassung: Dracula), der sich darauf aus seinem Grabe erhebt. Für ihren gemeinsamen Rachefeldzug benötigen sie jedoch kein Blut wie Vampire, sondern Lebensenergie, die sie ihren Opfern direkt aus ihren Körpern saugen…
Trotz des nicht leicht zu durchschauenden Drehbuchs (das auf einem Roman von Nikolai Gogol basierte) ist DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT ein grandioses Paradebeispiel für echten Gotik-Horror, wie ihn zum Beispiel die britischen HAMMER-Studios so schön auf die Leinwand zaubern konnten. Schon in den ersten Minuten des Films gelingt es Mario Bava, eine finstere und intensive Atmosphäre zu inszenieren, die es bis dahin – 1960 – so noch in keinem italienischen Horrorfilm gegeben hatte. Auch Bavas Fotografie ist exzellent und seine große Vorliebe für die Malerei ist deutlich zu erkennen. DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT ist für viele andere Filmemacher das Vorbild gewesen – ein Beispiel ist die Kutschfahrt in Zeitlupe, die Armando Ossorio zu seinem DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN inspirierte. Auch Regisseure wie Joe Dante, Quentin Tarantino und Dario Argento haben sich im Laufe der Jahre offen dazu bekannt, stark von Mario Bavas Gesamtwerk beeinflußt worden zu sein. Warum auch nicht? Jedenfalls zählt DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT zu den schönsten Gruselmärchen der Schauerromantik und des Gotikhorrors…
Unter den Darstellern fällt natürlich besonders Barbara Steele auf, die mit ihrer Doppelrolle Asa/Katia zur Ikone des Italohorrors avancierte. Dieses seltsame, sinnliche, unheimliche und dennoch wunderschöne Gesicht und ihre langen rabenschwarzen Haare sind gleichzeitig anziehend, erotisch und ein klein wenig abstoßend zugleich. Schon ein Jahr nach Bavas Film spielte sie in DAS PENDEL DES TODES von Roger Corman an der Seite des Grössten: Vincent Price.
Ein Dracula existiert im Original nicht, und Javutich und Asa sind auch keine typischen Bram-Stoker-Vampire, denn statt Blut saugen sie ihren Opfern die Lebensenergie aus. Und sie können sich unsichtbar machen, was Mario Bava in einer sehr gruseligen Sequenz mit Javutich, der sich ins Schloß des Adligen Vajda (Ivo Garrani) schleicht, auch brilliant in Szene setzte. Eine wirklich fantastische Gänsehautsequenz!
Empfehlen kann ich die deutsche DVD von e-m-s und die Blu-Rays von ARROW VIDEO und KINO LORBER:

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VAMPIRE GEGEN HERAKLES

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Als Herakles (eigentlich Herkules = Reg Park) von einem Abenteuer in das Königreich Ikalia zurückkehrt, muß er erfahren, daß sich Bösewicht Lykos (brilliant = Christopher Lee) eigenmächtig zum König erhoben hat, während Herakles‘ Geliebte (Leonora Ruffo) in eine bizarre Trance verfallen ist. Um sie von dem bösen Zauber zu befreien, muß Herakles mit seinem treuen Weggefährten Theseus (Georgio Ardisson aus THE LONG HAIR OF DEATH und HUMAN COBRAS) in die Unterwelt – Hades – hinabsteigen, um dort einen magischen Stein zu finden, der seine Geliebte vom bösen Zauber befreien könnte.
VAMPIRE GEGEN HERAKLES ist Mario Bavas zweite komplett eigenhändige Filmproduktion nach DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT – und der erste Farbfilm unter seiner Regie. Auch das Skript schrieb Bava, doch vor allem die brilliante, knallbunte Fotografie ist die reinste Magie! Herrlichstes Breitwandformat, schöne Ladies, einfallsreiche Effekte wie selbst gemalte Plastikwände und beleuchtete Pappfelsen, die das Studio in eine mystische Wunderlandschaft verwandeln. Grandios auch der damals noch immens unterschätzte Christopher Lee, dessen Verwandlungsfähigkeiten man einfach als genial bezeichnen muß. Lee hatte eindeutig mehr auf dem Kasten als nur Dracula zu mimen. Selbst heute mit schlappen 92 Jahren arbeitet er noch: teils als Darsteller, teils als Operntenor (zum Beispiel für die begnadete italienische Fantasy-Metal-Band RHAPSODY OF FIRE – nein, kein Scherz). Einfach cool, der Mann!

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DIE DREI GESICHTER DER FURCHT

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Kannte man 1962 eigentlich nur das alte Gut/Böse-Konzept, so fügte Mario Bava mit seinem DIE DREI GESICHTER DER FURCHT noch eine interessante Komponente hinzu: das Böse besteht nicht nur aus Monstern und Dämonen, sondern auch aus eigentlich freundlichen Mitmenschen, die dir jederzeit den Hals umdrehen, sobald du ihnen den Rücken zuwendest – oder dich beklauen, wenn du tot bist! Durch die Rahmenhandlung dieses horriblen Episodenfilms führte Horrorikone Boris Karloff, der trotz seines damaligen Alters (72) geradezu vor Spiellaune sprühte!
Geschichte 1: DAS TELEFON
Die Konkubine Rosie, gemimt von Michele Mercier, kommt eines abends nach Hause und ihr Telefon bimmelt. Doch als sie abhebt, meldet sich niemand. Beim nächsten Anruf teilt ihr eine sinistre Stimme mit, daß sie noch diese Nacht sterben muß. In Panik verständigt sie per Telefon ihre ehemalige Freundin Maria (Lidia Alfonsi), doch diese klingt eiskalt, denn die beiden hatten vor kurzem einen heftigen Streit. Rosie überredet Maria, die schließlich auch vorbeikommt, doch dann…
Geschichte 2: WURDELAK
Vladimir (Mark Damon, bekannt aus SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL und DIE VERFLUCHTEN mit Vincent Price) entdeckt im Rumänien des neunzehnten Jahrhunderts die Leiche eines geköpften Mannes. Er reitet samt Leiche zum nächst gelegenen Haus, in dem eine sonderbare Familie wohnt, die ungeduldig auf die Rückkehr des Vaters (Boris Karloff) wartet, denn der machte sich vor fünf Tagen auf die Suche nach einem türkischen Banditen und gefährlichen Wurdelak. Und wenn der Vater nicht vor Mitternacht zu Hause erscheint, soll die Familie auf keinen Fall mehr die Haustüre öffnen, denn das hieße, daß der Hausherr ebenfalls zu einem Wurdelak (Vampir) geworden wäre…
Geschichte 3: DER WASSERTROPFEN
Die Leichenwäscherin Helen (Jaqueline Pierreux) stiehlt einer verstorbenen alten Dame einen Ring vom Finger. Als sie nach Hause kommt, geschehen seltsame Dinge – bis schließlich die Verstorbene selbst erscheint. Eine Halluzination???

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Die Geschichte DER WASSERTROPFEN ist die unheimlichste Horrorepisode, die jemals gedreht wurde! Mario Bava gelingt in knapp fünfundzwanzig Minuten eine unglaublich intensive Atmosphäre des Grauens, die andere Regisseure in ihrem ganzen Leben niemals so hinbekommen würden. Allein die Maske der Verstorbenen ist ein Spezialeffekt, der mir jedesmal wieder vor Schreck die Schuhe samt Socken auszieht…
Und die WURDELAK-Geschichte kann man sich als Hörspielfreak (wie ich zum Beispiel) ebenfalls ins Regal stellen – den Machern der Gruselkabinett-Serie gelang ein fantastisches, klaustrophobisches Schauerstück mit genialen Sprechern wie Peer Augustinski…
Empfehlen kann ich die Blu-Ray von ARROW VIDEO, die mit viel Bonusmaterial und toller Bildqualität glänzt:

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DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU

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Nach dem gigantischen Erfolg von Mario Bavas DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT im Jahre 1960, dauerte es insgesamt ungefähr drei Jahre, bis das nächste große Gotik-Horrormeisterwerk vom Maestro des Makabren inszeniert wurde – und DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU ist mindestens genauso fantastisch!
Wenn man Drehbuchautor Ernesto LIBIDO Gastaldi glauben mag, war die Entstehungsgeschichte dieses Films sehr simpel gestrickt (wie bei so vielen italienischen Genre-Werken), denn nachdem Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen die Kinokassen klingeln ließen, wollten auch italienische Produzenten einfach etwas „Edgar-Allan-Poe-mäßiges“ drehen lassen und auf die Kinoleinwand bringen. Exploitation pur! Und so soll es ja auch sein, oder?!
Doch Gialloskriptgenie Ernesto Gastaldi schrieb nicht irgendeinen Murks, sondern eine ziemlich anspruchsvolle und leicht vertrackte Geschichte, denn simpel ist DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU mit Sicherheit nicht – und zwar weder die Story selbst, noch Mario Bavas Regie und Ubaldo Terzanos Fotografie. Im Mittelpunkt des Films steht vor allem die Frage, ob der Mörder von Schloß Menliff nun ein Gespenst oder eine menschliche Person ist. Doch gerade auch die sadomasochistische Beziehung von Kurt Menliff (C. Lee) und Nevenka (Sängerin Daliah Levi) ist nicht ohne für einen Film aus dem Jahre 1963. Da kann man sich bildhaft vorstellen, wie geschockt die damaligen Zensoren gewesen sein müssen! Besonders die Szenen mit den Peitschenhieben dürfte bei den Schnippelmeistern für rote Ohren gesorgt haben, denn Nevenka hat in diesen Sequenzen eindeutig den einen oder anderen Orgasmus! :shock:
Rätselhafte Geheimgänge, ein unheimliches Schloß und die Familiengruft sorgen jedenfalls für eine herrlich gruselige Schaueratmosphäre, während Mario Bava in erotisch-finsteren Bildern schwelgt und mit seinen unnachahmlichen Farbspielereien für eine wirklich einmalig grandiose Optik sorgt. Angetan haben es ihm anscheinend besonders die Primärfarben Blau und Rot – allein die Szene mit Christopher Lees scheinbar schwebender Hand ist sensationell fotografiert und schön gruselig beleuchtet.
Nicht vergessen sollte man dabei die schöne Musik von Gotik-Muckemaestro Carlo Rustichelli, der viele Bavawerke mit seinen Scores veredelte in den ’60ern Jahren. Und auch die Darsteller machen ihre Sache ganz ausgezeichnet: Christopher Lee ist für mich gleich nach Vincent Price die größte Horrorfilmikone aller Zeiten, denn seine Verwandlungsfähigkeit von Film zu Film ist einmalig! Daliah Lavi kennt der MABUSE-Freak natürlich aus Harald Reinls IM STAHLNETZ DES DR. MABUSE – sie ist keine richtige Schauspielerin, doch auch sie macht ihre Sache ausgeprochen gut. In Nebenrollen kann man Luciano Pigozzi (Peter Lorre-Lookalike) und Tony Kendall bestaunen. Zumindest für den lieben Tony Kendall dürfte DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU die anspruchsvollste Filmrolle seines Lebens gewesen sein…
Auch die deutsche DVD von e-m-s aus der tollen THE FILMS OF MARIO BAVA-Kollektion ist gelungen – ein weiteres Fest für Freunde von deutschsprachigen DVDs. Die beste Bildqualität besitzt jedoch die Blu-Ray von KINO LORBER:

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BLUTIGE SEIDE

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„LOOK AT HOW THE MURDERER TORTURED HER – HE MUST HAVE USED A RED HOT POKER!“
„HE MUST HAVE BEEN A MADMAN, OR A SEXMANIAC IN A HOMICIDAL FURY!“
Eigentlich ist dieser knapp-kultige Dialog schon ausreichend, wenn man wissen möchte worum es in BLUTIGE SEIDE eigentlich geht. Ich denke auch, daß alle Verrückten, die diesen Artikel bis hierhin gelesen haben, den Streifen eh kennen, oder?
Mario Bava erschuf jedenfalls mit diesem Who-dun-it-Schocker von 1964 das Giallogenre, denn THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH hatte in meinen Augen noch nicht alle Zutaten, die es für einen waschechten Krimi Italiana braucht. Doch in BLUTIGE SEIDE bekommt der Zuschauer einfach alles, was einen echten Giallo auszeichnet: einen irren, maskierten Sensenmann, dekadente Reiche, reihenweise leckere Ladies, kaputte Typen, Süchtige, Lug und Trug, eine Prise Erotik (und Impotenz!), schwarze Handschuhe und Wahnsinn – kurz gesagt: Sex und Tod!
Manche Kritiker werfen Mario Bava vor, wie in der Biografie bereits erwähnt, eine misoygyne Grundhaltung in BLUTIGE SEIDE zur Schau zu stellen, doch das finde ich auf keinen Fall, denn es sind einzig die männliche Charaktere, die schlecht davonkommen. Sie bestehen nämlich sämtlichst aus Halsabschneidern und Vollirren – Ausnahme natürlich der ermittelnde Kommissar (= der deutsche Thomas Reiner, den man auch aus ZWEI HIMM-LISCHE TÖCHTER und vielen Schwarzweiß-Krimis aus den ’60er Jahren kennen kann – in BLUTIGE SEIDE synchronisierte er sich zum Glück selbst). Die Ladies werden natürlich schon teilweise auf ihre Schönheit reduziert, doch BLUTIGE SEIDE spielt ja nun mal auch zum größten Teil in einem Modesalon.

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Von Bavas Werk haben sich jedenfalls eine Menge Regisseure beeinflußen lassen – zum Beispiel Brian dePalma (siehe in DRESSED TO KILL), Joe Dante (siehe Farbfotografie in GREMLINS) und natürlich auch Dario Argento. Es ist also definitiv nicht immer so, daß italienische Regisseure Plagiate abliefern, denn gerade Mario Bavas Filme sind Vorbild für viele amerikanische Regisseure…
Es gibt viele verschiedene DVD-Auflagen dieses Kultgiallo (selbst eine coole russische Ausgabe!), doch die deutsche HÄNDE-WEG!-Edition vom BUIO-OMEGA-Club ist definitiv die mit Abstand beste – gerade was die Bildschärfe und die Farben betrifft. Auch die Extras sind ausgezeichnet und ziemlich reichhaltig. Möchte man sich die DVD neu und verschweißt kaufen, muß man wohl mindestens 150 Euro auf den Tisch legen! Echte Bava/Giallofreaks haben dieses edles Teil jedoch eh schon, oder etwa nicht?!
Der Hammer ist, daß ARROW VIDEO im April ’15 diesen Jahrhundertgiallo auf Blu-Ray und mit gigantisch viel Bonusmaterial veröffentlichen werden:

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PLANET DER VAMPIRE

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Zwei Raumschiffe – die Galyot und die Argos – sind in den unendlichen Weiten des Weltalls auf der Suche nach fremden Sternen und neuen Entdeckungen. Eines Tages verschwindet die Galyot auf mysteriöse Weise auf dem noch unerforschten Planeten namens Aura. Als sich die Besatzung der Argos auf die Suche nach dem verschollenen Schiff macht, wird auch ihres durch eine ungeheure Anziehugskraft auf den unheimlichen Planeten angesogen, während die Besatzung (mit dabei: Ivan Rassimov) beim Landeanflug in Ohnmacht fällt. Doch als sie erwachen, beginnen sie sich seltsam zu benehmen und versuchen sich gegenseitig umzubringen – einzig Captain Markary (Barry Sullivan) behält einen kühlen Kopf. Nach dem Handgemenge kann sich die Besatzung einfach nicht erklären, was mit ihnen vorgegangen ist – waren sie vielleicht durch eine fremde Kraft hypnotisiert???
Schließlich betreten sie den seltsamen Planeten und entdecken ein unbekanntes Raumschiff, in dem noch die riesigen Skelette der Außerirdischen zu sehen sind. Und als plötzlich zwei Mitglieder der Galyotbesatzung auftauchen, die man eigentlich schon für tot hielt und begraben hatte, ist das Entsetzen natürlich groß. Sind sie etwa Vampire???
Nachdem schon Antonio Margheriti in den ganz frühen ’60ern einige kleine Science-Fiction-Filme realisierte, sorgte schließlich Mario Bava für den besten und unheimlichsten Streifen dieses Genres. PLANET DER VAMPIRE sieht neben dem ulkigen PERRY RHODAN – S.O.S. IM WELTALL wie ein 10 Millionen-Dollar-Streifen aus! Die Atmosphäre ist trotz der Plastikkulissen wirklich enorm intensiv und gleichzeitig ziemlich gruselig, während man sich spätestens nach dreißig Minuten fühlt, als wäre man selbst auf dem Planeten Aura – dabei ist alles in einem kleinen Studio in Rom entstanden! Wie kann das möglich sein? War VAMPIRE GEGEN HERAKLES schon sensationell, ist PLANET DER VAMPIRE das absolute Ultimum eines B-Films mit Pappfelsen, blinkenden Lichtern, Badekappen und sonstigen witzigen Ideen. Mario Bava muß wahrhaftig ein Genie darin gewesen sein, wenig nach mehr aussehen zu lassen, und das obwohl man ja deutlich sieht, daß alles aus Plastik ist. Fast schon ein wenig paradox, diese Angelegenheit… Eine Popkunst-lastige Ausleuchtung und Farbgestaltung, eine Nebelmaschine, Spiegel- und Kameratricks – und schon fühlst du dich auf einem unheimlichen, fremden Planeten. Dazu kommt, daß PLANET DER VAMPIRE Mario Bavas Debüt im Science-Fiction-Genre war – wirklich kaum zu glauben… Wie viele Meisterwerke hätte Bava noch in diesem Genre drehen können? Der Mann muß wirklich eine ausgeprägte Fantasie gehabt haben!
Und bei den Sequenzen mit den „Vampiren“ kommt sogar richtig gotische Gruselstimmung auf, die einem eine Gänsehaut nach der anderen beschert. Einfach herrlich!
Für Freunde deutschen Tons gibt es eine wirklich exzellente Scheibe von LEGEND HOME ENTERTAINMENT, die den Streifen in sattesten Farben zeigt. Auch Verschmutzungen und sonstige Störungen sind nicht zu entdecken, was für eine deutsche DVD eines Films aus den ’60ern alles andere als selbstverständlich ist. Im Gegensatz zur US-Fassung von MGM ist diese Version auch anamorph und bietet damit schönstes Breitwandformat… Und es fällt deutlich auf, daß es etliche deutsche DVDs mit Mario-Bava-Filmen gibt, die eine ziemlich gute Qualität haben – das findet man sonst bei keinem anderen italienischen Regisseur! Ebenfalls überzeugen kann die brandneue Blu-Ray aus den USA:

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GEFAHR: DIABOLIK

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Diabolik (John Philip Law), der coole Dieb in noch cooleren Lederklamotten, hält die Welt in Atem – er wirkt dabei fast wie Mixtur aus Fantomas, Batman und James Bond, doch nein, eigentlich sind seine wirklichen (Comic-)Kollegen Sadistik, Kriminal und Kilink, denn DIABOLIK basiert auf den bis heute sehr beliebten Superhelden-Comics, in denen irre Helden in Strumpfhosen das Sagen haben! Christian Kessler hat über dieses Thema einen fabelhaften Artikel in der Zeitschrift SPLATTING IMAGE aus dem Hut gezaubert.  Doch es gibt auch heiße Ladies in noch heißeren Catsuits wie zum Beispiel Magda Konopka in Vivarellis SATANIK…
DIABOLIK hatten damals die Schwestern (!) Angela und Luciana Giussani ins knallbunte Leben gerufen, und ich hätte gerne gewußt, was sie von Mario Bavas Verfilmung gehalten haben. Mario Bava bekam von Dino de Laurentis ein Budget von insgesamt 3 Millionen Dollar, was für ihn das höchste Budget für einen Film war, das er jemals hätte verjubeln können – doch der sehr sparsame Bava verbrauchte letztendlich nur 400.000 Dollar, was heutzutage nahezu unvorstellbar klingt! 400.000 Dollar brauchen die Clowns aus Hollywood heute schon für ein paar vergoldete Klobrillen für die sogenannten Stars…
DIABOLIK sieht jedoch selbstverständlich nach mehr aus: allein die fantastisch-bunten Popkunstsets wie Diaboliks Versteck lassen einen verwundert die Augen reiben. Bava trickst in diesen Szenen mit Spiegeln, Miniaturmodellen, selbst gemalten (!) Bildern und der brillianten Farbfotografie. Da können Streifen wie BARBARELLA gleich einpacken und nach Hause gehen, denn Bava schafft es, DIABOLIK den perfekten Comicstil zu verpassen. Comics brauchen vor allem die Illusion von Tiefe. Gleich die erste Szene mit dem Geldtransport ist ein fantastisches Beispiel für die beeindruckende Illusion von Tiefe. Und schaut man sich den Film in Ruhe an, bemerkt man wie Bava den Bildschirm mehrmals in kleine „Kästchen“ einteilt – eben wie in einem Comic. Auf der deutschen DVD vom Label TOO GELB gibt es einige Extras, die diese Besonderheiten in Sachen Stil und Comic allesamt erklären… Fantastisch!

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IM BLUTRAUSCH DES SATANS

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Ich glaube nicht, daß es viele Regisseure gibt, die gleich zwei verschiedene Genres ins Leben riefen, doch genau das hat Mario Bava getan – sein BLUTIGE SEIDE war 1964 der Startschuß für den Giallo, während Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS aus dem Jahre 1971 zum großen Vorbild für den amerikanischen und kanadischen (Teenie-)Slasher wurde – besonders die FRIDAY THE 13TH-Serie um Jason Vorhees bediente sich ausgiebig bei IM BLUTRAUSCH IM SATANS.
Gleich die erste Sequenz ist die vollendete Metamorphose zwischen altmodischem Gotik-Grusel und modernem Slasherfilm: das barocke Ambiente einer vornehmen Villa, ein Gemälde, eine Gräfin im Rollstuhl – die Atmosphäre erinnert ein klein wenig an die Episode DAS TELEFON aus Bavas DIE DREI GESICHTER DER FURCHT. Dann erscheint wie aus dem Nichts ein Seil – Hände sind nicht zu sehen -, das sich wie ein Schraubstock um den Hals der Gräfin legt und sie schließlich erdrosselt. Schwarze Handschuhe vollenden das brutale Werk – doch halt! Eine weitere Person taucht auf und befördert den Mörder selbst ins Jenseits…
Ja, die Charaktere in diesem fulminanten, sehr blutigen Slasher sind allesamt habgierige, lügende, betrügende Menschen, die sich gegenseitig abmurksen. Damit ist IM BLUTRAUSCH DES SATANS jedenfalls kein Rätselgiallo, weil es eben nicht den einen, sondern gleich mehrere Mörder gibt, die für das Erbe der Gräfin (also die Bucht) alles und jeden töten, der in der Erbfolge noch vor ihnen steht. Klingt vielleicht nach einem Wallacestreifen wie zum Beispiel DAS INDISCHE TUCH, doch das ist der Film ebenso wenig wie ein Giallo.
Die brillante Fotografie von IM BLUTRAUSCH DES SATANS mixt Reales mit verträumten, surrealistischen Momenten in Blau und Lila, während Bava in den Mordsequenzen die Primärfarben bevorzugt. Auf jeden Fall ist dies sein mit großem Abstand blutigster Streifen – da bekommt ein Mann zum Beispiel ein Fleischerbeil quer ins Gesicht gedonnert, was auch explizit in Szene gesetzt wurde. Da konnte sich Effektegenie Carlo Rambaldi wirklich fast wie ein Tom Savini (z.B. in MANIAC) oder Bavas Landsmann Gianetto de Rossi (z.B. in WOODOO) austoben und das Blut reichlich fließen lassen.
Die wundervolle Musik von Stelvio Cipriani, die zwischen Suspensemucke, catchy Melodien und Beatstücken hin und her pendelt, ist ebenfalls einfach nur als traumhaft zu bezeichnen.
Die Charaktere sind wie Insekten, die sich gnadenlos gegenseitig abstechen – nach dem berühmten Lanzenmord gibt es einen Schnitt auf einen aufgespießten Schmetterling. Das sagt doch schon alles… Zu sehen bekommt man viele Darsteller, die man auch aus vielen anderen Europloitationknallern kennen dürfte: Luigi Pistilli aus YOUR VICE IS A LOCKED ROOM AND ONLY I HAVE THE KEY, die wunderschöne Claudine Auger und vor allem Nicoletta Elmi, die am Schluß des Films dem bizarren Treiben endgültig die Krone eines wahren Meisterwerkes aufsetzen darf. Herrliche Szene!
Empfehlen kann ich die Blu-Rays von EDITION TONFILM und KINO LORBER…

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Fazit: Müsste ich einen Regisseur wählen, dessen Filme ich am liebsten schaue, würde ich Mario Bava nehmen! Vor allem sein Stil, seine Fantasie und sein Ideenreichtum machen seine Filme zu echten Erlebnissen. Auffällig ist auch, daß selbst seine schwächeren Werke noch elegant fotografiert sind – das gibt es in meinen Augen bei keinem anderen Regisseur. Danke, Mario Bava – danke für deine Filme, das Giallogenre und deine vielen fantastischen Gotikgruselfilme!

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LUCIO FULCI: BIOGRAFIE, FILMOGRAFIE UND BILDERGALERIE

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LUCIO FULCI

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„Lucio Fulci – dieser Name lässt die Herzen der Horrorfilmfans weltweit höher schlagen wie kaum ein anderer. Fünf Filme sind es im Wesentlichen, auf denen sein Ruhm basiert. Mit WOODOO, DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES legte Fulci 1979 den Grundstein für seine zweite Karriere und für seinen Ruf als legendärer Regisseur kompromisslos harter Horrorfilme, nachdem er bereits knapp drei Jahrzehnte im Filmbusiness tätig war und einige durchaus beachtliche Filme, ja zum Teil wahre Meisterwerke gedreht hatte, die jedoch lange weitestgehend ignoriert wurden. Mit seinem zweiten Horrorfilm EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL gelang es ihm ein Jahr später, diesen Ruhm zu verfestigen und sich auch bei Sittenwächtern und Jugendschützern einen Namen zu machen. Endgültig zementiert hat Fulci seinen Status kurz darauf mit DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES, der als einer der wichtigsten italienischen Horrorfilme gilt. Wer darüber hinaus kaum mehr als DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER und DER NEW YORK RIPPER kennt, hat einiges nachzuholen. Die Vielfalt von Fulcis Schaffen ist erstaunlich, und während seine frühen Komödien möglicherweise entbehrlich sind, hat er zu anderen Genres wie dem Italo-Western und insbesondere dem giallo bemerkenswerte Beiträge abgeliefert. Es gibt viel zu entdecken von dem Regisseur, der es wie kaum ein anderer verstanden hat, Tod und Zerfall in extrem harte, oft aber zugleich geradezu poetische Bilder zu kleiden. Fulci ist weit mehr als ein Holzsplitter, ein Rasiermesser im Auge und spektakulär erbrochene Eingeweide, und auch die Filme, aus denen diese schon ikonischen Bilder stammen und auf die sie leider allzu oft reduziert werden, haben weit mehr zu bieten als geistloses Gemetzel. Fulci lives; das Credo seiner Fans hallt noch immer durch die Filmforen des Internets, auch mehr als 30 Jahre nach der Entstehung seiner bekanntesten Werke und knapp 20 Jahre nach seinem Tod. Das wird vermutlich auch nach weiteren 30 Jahren noch so sein, aber vielleicht gründet sein Ruhm bis dahin auf mehr als nur fünf Filmen.“ *

– MARTIN BEINE (TENEBRARUM) –

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Ohne Zweifel ist Lucio Fulci, geboren 1927 in Rom, einer der bedeutendsten Regisseure im Horror/Giallo-Genre, die das Kino jemals gesehen hat (zumindest für echte Kultfilmfans). Doch die gängige Bezeichnung GODFATHER OF GORE finde ich ein wenig ungerecht, denn diesen Namen könnte man eher einem Herrschell Gordon Lewis zukommen lassen, der ja das Gore-Genre auch tatsächlich erfunden hat (damals in den frühen ’60ern). Doch Lucio Fulci hatte viel mehr zu bieten als reine Splattergemetzel, wobei ich seine Goreknaller aus den Jahren 1979 bis ’82 natürlich auch liebe.

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Daß sein Name immer wieder oft in einem Atemzug mit anderen italienischen Regisseuren wie zum Beispiel Mario Bava, Dario Argento und Riccardo Freda genannt wurde, kann ich ebenfalls nicht so ganz nachvollziehen, denn alle diese Regisseure hatten einen eigenen originellen Stil und verließen das Horror/Giallo-Genre nur ganz selten – Fulci dagegen hat Zeit seines Lebens nicht das eine Genre gefunden, das ihm wirklich zusagte (abgesehen vielleicht vom Hardgore-Genre). Ohne George Romeros Zombie-Kultklassiker von 1978 hätte es seine Horrorlaufbahn niemals gegeben. Mario Bava und Dario Argento dagegen haben ihre Wurzeln niemals verlassen und sind dem Horror- und Giallo-Genre stets treu geblieben, auch wenn Mario Bava natürlich den einen oder anderen Western und auch mal einen Peplum-Klassiker wie VAMPIRE GEGEN HERAKLES inszenierte (der deutsche Filmtitel verrät jedoch schon, daß Bava auch in diesem knallbunten Epos die genialen Hände nicht vom Horror lassen konnte).
Fulci musste viele Jahre nach einem eigenen Stil suchen, bis er 1969 mit dem sehr erotischen Krimi PERVERSION STORY endlich das Giallo- und nochmals zehn Jahre danach das Horror- und Zombie-Genre für sich entdeckte, denn das lag ihm eindeutig mehr als die harmlosen Komödien aus seinen frühen Tagen als Regisseur (auch wenn ich seine Filme aus den ’60ern längst nicht alle kenne).

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Einst verglich Lucio Fulci in einem Interview seine eigenen Horrorfilme mit denen Dario Argentos, was ich jedoch nicht so ganz nachvollziehen kann, weil gerade in Argentos Frühwerken die Charaktere auf sehr ästhetische Weise sterben durften, während Fulci auf drastische Härte setzte. Nehmen wir doch einfach mal das Jahr 1982: Dario Argento drehte damals den fabelhaften Giallo TENEBRE und Lucio Fulci THE NEW YORK RIPPER. Beide Filme waren extrem blutig und doch verschieden wie Tag und Nacht! In TENEBRE (das ins Deutsche übersetzt „Dunkelheit“ bedeutet) tauchte Argento die Stadt, das Dekor und die Wohnungen in gleißend helles Licht und Sonnenschein, während Fulci in THE NEW YORK RIPPER eine wirklich finstere, misogyne, depressive, schmuddelige Welt offenbart.
Auch Mario Bavas knallbunte, megastylische Märchenwelten wie in VAMPIRE GEGEN HERAKLES und DIABOLIK kann man in Fulcis Werken so nicht finden. Jedoch hatte auch er seine eigenen, persönlichen Fantasiewelten erschaffen, wie man sie zum Beispiel im grandiosen Zombieschocker DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES bestaunen kann – doch die läßt sich nicht mit Bavas Stil vergleichen. Davon abgesehen konnte der liebe Lucio in seinen besten Werken (speziell in den drei Kultfilmen seiner sogenannten Gotik-Trilogie (EIN ZOMBIE HING AM GLOCKSEIL, DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER und DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES) eine beklemmende Atmosphäre des Grauens inszenieren, die einem wirklich noch Angst und Bange machen kann. Diese Atmosphäre erinnert auffällig an die Kurzgschichten von H.P. Lovecraft, wobei es ihm scheinbar besonders die unheimliche Sci-Fi-Story DIE FARBE AUS DEM WELTALL angetan haben muß.
Doch zurück zu den Anfangstagen: Nachdem Lucio Fulci zehn Jahre als Drehbuchautor (insgesamt verfasste er mehr als sechzig Skripte) und Regieassistent (unter anderem bei Mario Bava) gearbeitet hatte, war es im Jahre 1959 schließlich endlich so weit, selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen – und zwar für die Komödie RAGAZZI DEL JUKE-BOX mit den blutjungen Adriano Celentano und Anthony Steffen. In den folgenden Jahren drehte er weitere Komödien mit Stars wie Elke Sommer und Rosalba Neri, bis er 1966 das Genre wechselte – und zwar für den Western TEMPI DI MASSACRI mit dem ebenfalls noch sehr jungen Franco Nero in der Hauptrolle. Doch danach kehrte Fulci für weitere drei Jahre zur Komödie zurück – seinen Weg kreuzte unter anderem Heinz Rühmann (!) in DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN aus dem Jahre 1967. Doch 1969 versuchte er sich schließlich an einem Krimi Italiana namens PERVERSION STORY mit Marisa Mell und Jean Falco Götz Sorel in den jeweiligen Hauptrollen. Diesen Film kann man durchaus als ersten echten Erotik-Thriller bezeichnen, denn erst in den frühen ’90ern wurde dieses Genre wirklich groß (BASIC INSTINCT, SLIVER und viele andere). Auffällig ist ein erstes deutliches Statement von Fulci: Todesstrafe ist keine Lösung für Gewalt. Sehr vernünftige Einstellung, wie ich finde!
Nach Dario Argentos genialem Kultgiallo DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE von 1969, hatte auch Fulcis Psychothriller/Giallo A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN ein Tier im Filmtitel (solche Titel waren damals ziemlich angesagt), und obwohl der Film bis zum Finale absolut gelungen ist, fällt zum ersten Mal deutlich auf, daß Fulci Probleme mit den Story-lines hatte. Und das Ende von A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN ist so enttäuschend, daß ich beim ersten Durchlauf ziemlich fassungslos im Sessel versank. Dennoch kann ich diesen halluzinatorischen Alptraum von einem Krimi empfehlen, besonders die wundervolle britische DVD, die den Film in bester Bildqualität bietet. In den Hauptrollen kann man die leckeren Florinda Bolkan und Anita Strindberg bestaunen:
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1972 kehrte Lucio Fulci mit dem witzigen THE EROTICIST noch einmal zur Komödie zurück – und fiel beim italienischen Kinopublikum durch. Warum? Nun ja, nachdem Fulci schon 1969 mit dem Historienepos BEATRICE CENCI einen Streifen mit antireligiösen Tönen inszeniert hatte, wollte das Publikum nicht noch einmal wütend das Kino verlassen, denn auch THE EROTICIST prangert den Katholizismus stark an (diesmal jedoch auf satirische Weise) – insbesondere die Praktiken des Vatikans. Dabei muss man wissen, daß Fulci selbst auch Katholik war. Ebenfalls ein Film, den ich empfehlen kann. Möchte man anstatt eines Splatterknallers mal ein witziges Fulciwerk sehen, so macht man mit THE EROTICIST jedenfalls nichts verkehrt!
Ebenfalls von 1972 ist Fulcis zweites Meisterwerk namens DON’T TORTURE A DUCKLING, der eigentlich DON’T TORTURE DONALD DUCK heißen sollte, doch weil man sich nicht mit dem mächtigen Disneyimperium anlegen wollte, verzichtete man schließlich auf den ursprünglichen Titel. In Großbritannien lief er jedoch tatsächlich mit dem „Donald“ im Titel! 

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Und auch in diesem Film ließ Lucio Fulci verschiedene Statements vom Stapel: Zum einen seine herbe Kritik an die Dorfgemeinschaften in Süditalien, wo in seinen Augen Selbstjustiz und Nazitum freie Hand haben. In dem Film gibt es eine erste ungemein sadistische Szene, die er knapp zehn Jahre nach diesem gialloesken Streifen wiederholte: Florinda Bolkan wird als Verdächtigte von wütenden Dorfbewohnern grausam zu Tode gepeitscht, während in DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES ein Mann erst mit Ketten geschlagen, an die Wand genagelt und schließlich mit ungelöschtem Kalk übergossen wird… Laut Fulci waren diese beiden Szenen und die Bohrmaschinensequenz in EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL Statements gegen den Faschismus, was mir den Lucio so richtig sympathisch macht!
In einem kleinen Ort im südlichen Italien werden in kurzen Zeitabständen die Leichen von kleinen Jungs entdeckt, die zumeist erdrosselt wurden. Schnell richtet sich die Wut der Gemeinschaft gegen den vermeintlichen Dorftrottel, den alle ganz selbstverständlich für den Täter halten – doch bald schon stellt sich heraus, daß der Mann unschuldig ist. Nach weiteren Morden gerät die „Hexe“ Macaria (die wundervolle Florinda Bolkan) unter Verdacht, die kurz darauf von einigen Bewohnern langsam zu Tode gepeitscht wird (eine unglaublich sadistische Sequenz, die in so einem Werk mehr an die Nieren geht als in einem Zombieschocker). Doch auch sie entpuppt sich als unschuldig, denn der wahre Kindermörder ist…
Puh, da hatte sich Lucio Fulci ein extrem heikles Thema ausgesucht bzw. gleich mehrere brisante Themen in einem einzigen Film: Pädophile, eine Nymphomanin, Morde an Kindern… Doch vor allem seine deutliche Anklage in Richtung der katholischen Kirche dürfte dem damaligen Kinopublikum des Jahres 1972 sehr mißfallen haben (siehe speziell die Identifikation und vor allem die Motivation des wahren Täters). Schaut man sich diese Themen heute frei von Hysterie einmal in Ruhe an, entdeckt man vieles, was durchaus sehr realistisch ist!

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In meinen Augen ist der Film ein echtes Meisterwerk von einem Giallo, das brilliant fotografiert und toll besetzt ist, und zwar mit Tomas Milian, Barbara Bouchet (als Nymphe, die sich kleinen Jungs gerne nackt zeigt), Irene Papas und natürlich Florinda Bolkan.
Die DVD von BLUE UNDERGROUND zeigt diesen derben Klassiker komplett ungeschnitten und die Bildqualität kann man zumindest als ok bezeichnen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, das aus dem originalen Kameranegativ noch deutlich mehr rauszuholen ist. Vielleicht gibt es ja eines Tages die Fassung, die DON’T TORTURE A DUCKLING auch wirklich verdient hat. Muß man als Fulci-Freak jedenfalls mal gesehen haben…

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Nach einigen WOLFSBLUT-Filmen kam dann 1975 Fulcis Western VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN in die Kinos und spielte ebenfalls nicht das große Geld ein, denn die goldene Zeit des Italowesterns war längst abgelaufen. Denselben „Fehler“ machte Fulci mit dem spannenden DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN von ’77, denn zu diesem Zeitpunkt wollte kaum noch jemand einen Giallo sehen. VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN ist jedoch ein ziemlich cooler Antihelden-Western mit Fabio Testi und Tomas Milian in den Hauptrollen.
Und DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN (vor kurzem als Mediabook von ’84 erschienen) ist zwar nicht gerade stimmig (insgesamt werkelten vier Autoren an dem Skript und man konnte sich anscheinend nicht auf einen Stil einigen), doch die Mischung aus purem Giallostoff, Mysterykrimi und altmodischer Detektivgeschichte macht dennoch Spaß. In DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN wiederholt Fulci eine ganz bestimmte Szene aus DON’T TORTURE A DUCKLING, die ich jedoch nicht verraten werde. Funken sprühen diesmal aber nicht!

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1979 hatte Lucio Fulci seit zwanzig Jahren Regie geführt, doch eigentlich nie zu einem bestimmten Stil gefunden. Doch nachdem ein Jahr zuvor George Romeros Meisterwerk ZOMBIE die Kassen klingeln ließ, reagierte Produzent Fabrizio de Angelis am Schnellsten und fragte Enzo Castellari, ob er sich vorstellen könne, einen blutigen Zombiefilm zu inszenieren. Castellari lehnte jedoch dankend ab, weil er mit solch horriblen Stoffen nichts anfangen konnte. So landete man schließlich bei Lucio Fulci, der zusagte und froh war, endlich einen weiteren Film drehen zu können. Soviel kann ich vorwegnehmen: Sein WOODOO, DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES spielte bis heute mehr Kohle ein als ZOMBIE von Romero. Sagen jedenfalls die Experten. In meinen Augen ist ZOMBIE jedoch eindeutig der bessere Film, einfach ein grandioses Jahrhundertwerk, doch Fulci hatte das Horrorgenre für sich entdeckt – und mit jedem weiteren Werk sollte er sich schließlich steigern, und zwar bis ins Jahr 1982, dem der langsame Absturz folgte…
Doch in den Jahren 1979 bis ’82 drehte Fulci insgesamt neun Filme, von denen mindestens drei zu den gigantischsten Splatterwerken gehören, die jemals gedreht wurden. Und zwar waren das die drei Streifen aus seiner sogenannten Gotik-Trilogie, bestehend aus EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980), DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER (1981) und DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (ebenfalls von 1981).
Und mit dem extrem heftigen THE NEW YORK RIPPER drehte er den zusammen mit MANIAC härtesten und finstersten Slasher, der jemals das Licht der Leinwände erblickte. Sehr misogyn, dennoch fast schon harmlos, wenn man ihn mit den japanischen Frauenfolterstreifen aus den ’70ern vergleicht.

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„THE BOAT CAN LEAVE NOW. TELL THE CREW!“, sagt Richard Johnson zu Beginn von WOODOO. Zwei Sätze, die allen Italo- und Zombie-Fanatikern bekannt sein dürften. Sie leiten einen längst nicht so blutigen Film ein, wie einem das manche Leute glauben machen wollen. Und obwohl WOODOO qualitativ nicht mit ZOMBIE mithalten kann, muß man bedenken, das Romeros Streifen 2 Millionen kostete und WOODOO 500.000 Dollar. Budgets sind nicht alles, doch wichtig für einen vernünftigen Film. Wie wichtig die Kohle ist, zeigen nämlich sämtliche Fulci-Werke, die nach 1982 gedreht wurden.

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Die Vorwürfe seitens der Mainstreamkritiker, daß WOODOO ein Plagiat von ZOMBIE wäre, finde ich total daneben, denn WOODOO erzählt eine komplett andere Geschichte als Romeros Zombieepos. In ZOMBIE ist es vor allem der urbane Horror in den Großstädten (inklusive Konsum- und Gesellschaftskritik), während Fulcis Film eine altmodische Voodoogeschichte erzählt – wie eben im tatsächlichen Vorbild I WALKED WITH A ZOMBIE und aufgepeppt mit Gianetto de Rossis unglaublichen F/X und Zombiemasken, die einem Tom Savini alle Ehre machen! Natürlich hätte es WOODOO niemals ohne den großen Erfolg von ZOMBIE gegeben, doch das kann man ja Lucio Fulci nicht ankreiden. Jedenfalls gibt es einige sensationelle und kultige Szenen zu bestaunen – wie zum Beispiel die Sequenz mit dem Kampf zwischen Hai und Zombie. Ha, ich frage mich, ob diese Szene eine Hommage an DER WEISSE HAI gewesen sein sollte, schließlich waren Tierhorrorfilme in den ’70ern ziemlich angesagt beim Kinopublikum. Die Schlußsequenz mit den Zombies in New York wurde ohne Drehgenehmigung inszeniert – Hut ab! Und mit Richard Johnson gab es auch einen erstklassigen Darsteller in der guten Besetzung, die mit Al Cliver und Tisa Farrow zwei bekannte Mimen aus diversen Europloitation-Knallern aufbietet. Richard Johnson kennen die meisten bestimmt aus dem Spukhaus-Meisterwerk BIS DAS BLUT GEFRIERT und NIGHT CHILD mit Nicoletta Elmi.
Horror-, Zombie und Fulci-Freaks, die deutschen Ton haben möchten, kann ich die CMV-Glasbox-Edition empfehlen, die auf schlappe 399 Exemplare limitiert ist. Wem das nicht reicht, dem empfehle ich das Mediabook von XT VIDEO, das mit massiv viel Bonusmaterial und einem fabelhaften Booklet von Martin Beine ausgestattet ist.

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Nachdem Fulci 1980 mit DAS SYNDIKAT DES GRAUENS nochmals einige Jahre „zu spät“ dran war mit einem Genre-Werk (Mafia- und Polizeifilme waren eigentlich seit 1977 nicht mehr besonders gefragt), kam dann EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL auf die große Leinwand, den sich meine Mom nach dem Schock durch ZOMBIE nicht mehr ansehen wollte… Und spätestens jetzt wurde zum ersten Mal wirklich deutlich, daß Fulci in seinem Element war, denn GLOCKENSEIL zeigt ihn in absoluter Höchstform. Seit seinem letzten Meisterwerk DON’T TORTURE A DUCKLING waren schließlich auch schon satte acht Jahre vergangen.
In dem kleinen Ort Dunwich bei Massachusetts betritt der Priester William Thomas einen nebelverhangenen Friedhof und begeht Selbstmord mit dem Strick (deshalb auch der bekloppt-kultige deutsche Titel EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL) – was bei den Katholiken bekanntlich als größte Sünde gilt. Zur selben Zeit leitet Mary (Catriona MacColl) in New York eine Seance, und in ihren Visionen wiederholt sich die Szene vom Selbstmord des Priesters, worauf sie schließlich durch einen Schock in eine katatonische Trance fällt und vom ansässigen Arzt (Lucio Fulci höchstselbst – seine Cameoauftritte können sich durchaus sehen lassen) für tot erklärt wird, während der ermittelnde Kommissar vor einem bizarren Rätsel steht (als Streifenpolizist dabei: Kultbösewicht Luciano Rossi).
Dann betritt der Journalist Peter Bell (vom Schotten Christopher George gemimt, den man auch aus dem kultigen Tierhorror-Schocker GRIZZLY von 1976 kennen kann) die Szenerie. Er wittert eine interessante Story, was ihn auf den Friedhof an Marys Grab führt. Die Totengräber (einer von ihnen ist Perry Pirkanen aus Ruggero Deodatos monströsem Meisterwerk CANNIBAL HOLOCAUST) sind jedoch schnell genervt von Peters Fragen und machen sich aus dem Staub. Als sich auch Peter anschickt den Friedhof zu verlassen, ertönen aus Marys Sarg laute Hilfeschreie…
Doch nachdem Peter Bell die lebendig begrabene Mary vor einem schrecklichen Tod bewahren konnte, geschehen in Dunwich seltsame Dinge: Tote kehren zurück, Spiegel zerspringen, Wände bluten und manche Bewohner drehen durch und beginnen zu morden. In dem zurückgebliebenen Bob (Giovanni Lombardo R.) finden die Menschen schnell einen Schuldigen (denke an DON’T TORTURE A DUCKLING) für die mysteriösen Geschehnisse – und dann kommt eine Szene, die ein weiteres Statement Fulcis ist: Bob wird vom Vater eines jungen Mädchens mit einer Bohrmaschine getötet. Diese Sequenz steht für die Lynchjustiz in kleinen Ortschaften – und für die Intoleranz, Gesetze einfach zu missachten.
Doch damit nicht genug, denn auch die wundervolle Daniela Doria darf auf ziemlich unangenehme Art und Weise den Silberlöffel reichen… 
Für diese Szene kaufte man Schafseingeweide, die Daniela Doria verschlang und anschließend vor Sergio Salvatis Kamera auskotzte! Natürlich gibt es in dieser irrwitzigen Sequenz einen Schnitt zum Dummy, doch die ersten Sekunden ist es tatsächlich Daniela Doria selbst, die Eingeweide erbricht. Hut ab, Daniela Doria!

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Peter und Mary erreichen schließlich den verfluchten Ort Dunwich und treffen dort auf den Psychologen Jerry (der stets sympathische Carlo de Mejo mit dem verfilzten Vollbart) und die hübsche Malerin Sandra (die leckere Janet Agren). Gemeinsam stellt man sich den Höllenmächten…
Schon in diesem Film fällt deutlich auf, das Fulcis Zombies keine für dieses Genre typischen Untoten sind. Wie auch im folgenden DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES gibt es kaum Szenen, in denen die Zombies herzhaft in Menschenfleisch beißen. In GLOCKENSEIL sind es vor allem einige Gehirngrabscher, die Bohrmaschinensequenz und Daniela Dorias Kotzauftritt, die Effektegenie Gianetto de Rossi genial inszenierten.
Die Musik von Fabio Frizzi paßt auch wie die Faust aufs berühmte Auge, während die Darsteller allesamt eine Schau sind für den Eurohorror-Freak (allen voran natürlich Catriona MacColl, die in allen Fulciwerken der Gotik-Trilogie dabei ist). Auch Venantino Venantini ist als Bohrmaschinenmann mit an Bord…
Empfehlen kann ich die jeweiligen Doppel-DVDs von ARROW VIDEO und NEO PUBLISHING und das Mediabook von XT VIDEO.

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Schon im Jahre 1981 drehte Lucio Fulci dann seinen zweiten Teil der sogenannten Gotik-Trilogie namens DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER – wobei, eine Friedhofmauer gibt es in dem Film nicht). Die Pre-Credit-Sequenz ist zwar spannend und toll fotografiert von Sergio Salvati, doch erinnert stark an die amerikanischen Teenieslasher, die damals ziemlich angesagt waren. Daniela Doria bekommt dieses Mal ein langes Messer in den Schädel gedonnert, während ihr in THE NEW YORK RIPPER die Brustwarzen gespalten werden. Hatte Fulci vielleicht was gegen sie???
Naja, Dario Argento hat seine Liebste (Daria Nicolodi) auch gerne in seinen Gialli abmurksen lassen. Auffällig sind auch die extremen Nahaufnahmen von Augen – ein interessantes Stilmittel, genauso wie die lauten und unangenehmen Geräusche, denn die Akkustik ist gerade in einem Horrorfilm alles andere als unwichtig. In THE BLACK CAT von 1981 treibt es Fulci mit den Augen-Close-ups dann wirklich auf die Spitze, doch ich mag diese visuellen Spielereien sehr. Und Zooms gibt es in heutigen Filmen ja auch schon lange nicht mehr. Auffällig ist auch, daß Fulci nicht nur gerne Augen in Nahaufnahmen in Szene setzte, sondern das er sie auch gerne zerstört: Olga Karlatos‘ Auge in WOODOO, Daniela Dorias Auge in THE NEW YORK RIPPER, die blutenden Augen in GLOCKENSEIL usw. Augen scheinen tatsächlich so etwas wie ein Fetisch gewesen zu sein für Fulci… Wer weiß???
Doch schon die nächsten Szenen wirken alles andere als typisch amerikanisch: Norman (Paolo Malco, ebenfalls in THE NEW YORK RIPPER dabei), Lucy (Catriona MacColl) und Sohn Bob (Giovanni Frezza) ziehen von New York nach Boston in das unheimliche Haus des unter mysteriösen Umständen verstorbenen Professors Peterson. Es ist Teil von Normans Job, herauszufinden, was einst mit dem Professor geschah und an welchem Projekt er forschte. Doch dann sieht Bob die geisterhafte Erscheinung eines rothaarigen Mädchens (Silvia Collatina, die heute eine entzückende Lady ist), das ihn vor dem Haus in dem sie wohnen warnt – und auch die Nanny Anne (Ania Pieroni aus Dario Argentos INFERNO) verhält sich sehr seltsam. Bob hat schließlich eine unheimliche Vision, in der einer Schaufensterpuppe, die aussieht wie die Nanny Anne, der Kopf abhanden kommt…
Norman entdeckt dann die Aufzeichnungen des Professors Peterson, während im Haus der Familie seltsame Dinge vor sich gehen, die ihren Ursprung anscheinend im finsteren Keller haben. Eines abends schleicht sich Bob in die Küche, öffnet die schwere Tür, die in den Keller führt, und wagt sich hinein…
FRIEDHOFMAUER ist wie GLOCKENSEIL (und auch GEISTERSTADT) ein Alptraum in bewegten Bildern, eine irrwitzige Reise in die Phantastik. Fulci spielt auf originelle Weise mit Kindheitsängsten, die Giovanni Frezza auch wunderbar ins Gesicht geschrieben stehen. Ich kann diese Ängste voll und ganz nachvollziehen, denn auch ich hatte Bammel vor dem „Schwarzen Mann“, dem Monster unterm Bett, dem Skelett im Schrank… Wenn ich mir den Film in einsamen Nächten anschaue, bemerke ich jedes Mal wie toll die darstellerische Leistung von Giovanni Frezza doch ist, denn er spielt den Jungen auf eine sehr glaubhafte Art und Weise. Fulci ist so gemein, ihn direkt mit blutigen Szenen zu konfrontieren – kein Zusammenschnitt am Schneidetisch, nein, der Knabe ist mittendrin im Gemetzel! Heutige Fotos und Interviews beweisen jedoch, daß die Dreharbeiten keine bleibenden Schäden verursacht haben…
Und spätestens mit dem Auftauchen eines gewissen Dr. Freudsteins läßt Fulci dem Zuschauer keine Sekunde mehr Zeit zum Atemholen, während besonders die surrealistischen Momente grandios fotografiert und inszeniert wurden. Dazu kommen einige fantastische Momente, die sich zumeist im Haus abspielen und eine extrem dichte, klaustrophobische Atmosphäre erzeugen, die man in keinem anderem Fulciwerk findet (abgesehen von GEISTERSTADT natürlich). Und die Splattereffekte sind wirklich extrem drastisch – da werden Hälse aufgerissen (sehr beliebt bei Fulci, denn schließlich ist die Halspartie das verletzlichste Körperteil des Menschen), Fledermäuse zermatscht – eine besonders fiese Szene mit lautstarken Geräuschen, die sich zu einem typischen Stilmerkmal für Fulci entwickelten, das man besonders in GEISTERSTADT noch zu hören bekommen sollte -, Leute abgestochen und abgemurkst wie nix Gutes. Doch Fulci, das alte Genie, schafft es doch, daß auch FRIEDHOFMAUER viel mehr ist als nur ein Splatter-gemetzel der Mittelklasse, denn die surrealistische Atmosphäre erinnert mehr denn je an H.P. Lovecraft.
Seine Horrorfilme aus den Jahren 1980 bis ’82 haben eine Magie, eine Ausstrahlung, die man nur schwer in Worte fassen kann. Sie spielen vor allem mit der Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und dem unangenehmen Wissen um den eigenen Tod. Da die meisten Menschen solche Gedanken gerne verdrängen, sind sie vielleicht auch so schockiert beim Sichten so eines horriblen Fulci-Werkes wie eben FRIEDHOFMAUER oder GEISTERSTADT, denn gerade Möchtegernkritiker und Logikfanatiker hassen diese Streifen ganz besonders. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst!
Und warum bestehen eigentlich so viele Leute auf Logik in einem Horrorfilm?! Haben Alpträume denn eine Logik?! Die Figur des Dr. Freudstein ist doch die Angst selbst, die den Menschen im Nacken sitzt. Die Angst vor der Dunkelheit, die Angst vor dem Sterben und dem endgültigen Ende des Daseins.
Es gibt unzählige Versionen dieses Kultwerkes, von denen die meisten nicht viel taugen. Empfehlen kann ich die Blu-Rays von BLUE UNDERGROUND und ARROW VIDEO und das Mediabook von XT VIDEO, das mit einem grandiosen Booklet von Martin Beine ausgestattet ist. Interessant ist auch, daß Fulci sich nach eigenen Worten von dem Meisterwerk DAS VERSTECK beeinflußen ließ. DAS VERSTECK kann ich jedenfalls allen Psychothriller- und Giallo-Fanatikern ans Herz legen.

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Noch im selben Jahr erreichte das Können von Lucio Fulci seinen absoluten Höhepunkt: DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES ist zusammen mit ZOMBIE das Ultimum im Zombie-Genre. Alles was danach kam ist nicht mehr interessant (für mich jedenfalls nicht), denn spätestens mit Kasperklamotten wie RETURN OF THE LIVING DEAD 2 ist das Zombie-Genre gestorben. So ist das meistens mit allen ernsthaften Genres: Kommen erstmal die ersten Komödien, ist auch bald schon Feierabend… Einzig DAY OF THE DEAD von George Romero ist noch interessant – und spätestens mit diesem Film war alles gesagt, was es zum Zombie-Genre zu sagen gibt. Ich muß jedoch gestehen, daß ich bei einem Bekannten mal in das Remake von DAWN OF THE DEAD reingeschaut habe – Himmel, ist das eine miserable Gurke! 
GEISTERSTADT zieht einem dagegen jedenfalls komplett die Schuhe aus – im positiven Sinne natürlich! Nie waren die Zombiemasken so unheimlich, die Splattereffekte so grandios und die eigentliche Story so unwichtig wie in diesem Jahrhundertwerk.
„WHAT I WANTED TO GET WITH ACROSS WITH THIS FILM WAS THE IDEA THAT ALL OF LIFE IS OFTEN REALLY A TERRIBLE NIGHTMARE AND THAT OUR ONLY REFUGE IS TO REMAIN IN THIS WORLD, BUT OUTSIDE TIME.“
Keine positive Botschaft von Lucio Fulci – so viel ist klar. Es gibt viele Regisseure, die einen wütenden Beitrag zum Thema Mensch abgeliefert haben. Beispiele sind Mario Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS, in dem Bava den Menschen als habgieriges Monster darstellt, das für Geld im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Selbst ein Paul Naschy hatte 1980 die Schnauze voll und zeigte den Menschen als Bestie, was sich schon sehr schön vom Originaltitel ableiten lässt: EL CARNAVAL DE LAS BESTIAS (aka HUMAN BEASTS). Und um zu Fulci zurückzukommen – seinem THE NEW YORK RIPPER merkt man durchaus an, daß er damals einen gewaltigen Haß auf seine zweite Ehefrau schob, denn kein Fulci-Werk ist so misogyn und voller Haß wie dieses blutige Slasher- und Splatterepos, das selbst dem nihilistischen MANIAC noch Konkurrenz machen kann.
Gleich die Pre-Credit-Sequenz von GEISTERSTADT ist zugleich Hommage an die alten Universalklassiker wie FRANKENSTEIN und ein weiteres Statement zum Thema Selbstjustiz. Im Louisiana des Jahres 1927 (Fulcis Geburtsjahr!) bekommt der Maler Schweick (Michele Antoine aus THE KILLER MUST KILL AGAIN) in einem Zimmer des Hotels zu den 7 Toren unfreundlichen Besuch von den Dorfbewohnern, die ihn erst mit Ketten auspeitschen, an die Wand nageln und schließlich mit Kalk übergießen. Zartbesaitete sollten sich den Film jedenfalls nicht unbedingt anschauen! :twisted:
Im Jahre 1981 erbt die hübsche Lisa (Catriona MacColl) schließlich das finstere Hotel und lässt es renovieren – doch die Handwerker nippeln allesamt auf bizarre Art und Weise durch „Unfälle“ ab. Mein Liebling dabei ist Joe, der nette Klempner von nebenan. Doch in dem heißen Südstaatenkaff Louisiana gibt es natürlich auch freundliche Leute wie den Arzt Dr. McCabe (stets sympathisch: David Warbeck), der Lisa hilfreich unter die Arme greift. Und auch die mysteriöse Emily mit dem lieben Schäferhund steht Lisa anfangs zur Seite. Doch die unheimlichen Geschehnisse scheinen kein Ende zu nehmen, und McCabe und Lisa beginnen schließlich zu recherchieren, um herauszufinden, was in dem Ort eigentlich vor sich geht. Als sie letztendlich begreifen, das Lisas Haus auf einem der sieben Tore zur Hölle errichtet wurde, ist es bereits zu spät…
Auch bei diesem Fulcischocker sind die Kritiken oft negativ (zum Beispiel die bescheuerte BADMOVIES-Rezension, die eine absolute Frechheit ist), und ich habe das Gefühl, daß das, was Lucio Fulci mit seinen Zombiewerken ausdrücken wollte, einfach nur von echten Kultfilmfans verstanden werden kann. Allen anderen fehlt anscheinend ganz einfach die Fantasie, denn gerade GEISTERSTADT gehört zu den wenigen Horrorfilmen, die so eine extrem dichte und beklemmende Atmosphäre des Grauens aufbauen, verstärken und am Schluß so explodieren lassen können wie es in GEISTERSTADT der Fall ist. Die Splatter-effekte hauen mich auch beim x-ten Durchgang noch vom Stuhl – besonders die Spinnen- und die Säuresequenz im Leichenschauhaus sind grandios inszeniert – nie waren Spinnen so erschreckend! Doch ich liebe vor allem die ruhigen und unheimlichen Momente, besonders die Szene, in denen mehrere Zombies die blinde Emily besuchen. Sie stehen im Dunkel, starren Emily an, warten ab – und dann schnappt sich Emilys Hund den Schweickzombie und die Hölle ist los. Was für eine faszinierende Gänsehautszene!
Dann natürlich die Sequenz, in der Joe erst ganz langsam aus dem fauligen Wasser der Badewanne emporsteigt und anschließend die Putzfrau an den Nagel hängt. Naja, seinen Klempnerjob musste er ja zuvor auch schon an den Nagel hängen!
Neben Catriona MacColl und David Warbeck bekommt man den kultigen Al Cliver aus Fulcis WOODOO als Leichenarzt zu sehen. Dann die an Nicoletta Elmi erinnernde Maria Pia Marsale und die süße Cinzia Monreale, die die blinde Emily mimt. Die überragende Fotografie besorgte (wie auch in Fulcis beiden anderen Werken aus der Gotik-Trilogie) Sergio Salvati, der in meinen Augen mit GEISTERSTADT seine beste Arbeit abgeliefert hat.
GEISTERSTADT hat seine eigene spezielle Art von alptraumhafter Logik, die die meisten Kritiker nicht sehen können oder einfach nicht sehen wollen. Auch die Zombies sind wie in GLOCKENSEIL eher untypisch, denn sie killen auf originelle Weise und kaum mal durch herzhaftes Zubeißen. Das Skript schrieben Dardano Sacchetti, Giorgio Mariuzzio und Lucio Fulci höchstselbst – raus kam eine blutige, surrealistische Reise in die Phantastik. Mehr noch als schon in GLOCKENSEIL erinnert die Atmosphäre an H.P. Lovecrafts Kultgeschichte DIE FARBE AUS DEM WELTALL – nicht die Story selbst, sondern die intensive Atmosphäre des Grauens und das Gefühl, daß die Helden des Films kein Happy End erleben werden. So ist GEISTERSTADT eigentlich ein Fantasymärchen für Erwachsene (ok, ich habe ihn schon als Kind gesehen…)
David Warbeck konnte sich einen Scherz nicht verkneifen: im Fahrstuhl des Krankenhauses steckt er eine Patrone in den Lauf des Revolvers – und nicht in die Trommel!
Empfehlen kann ich die Mediabooks von XT VIDEO, wobei mir die EIBON-Variante definitiv am besten gefällt. Natürlich mit einem weiteren exzellenten Booklet von Martin Beine.

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Noch im selben Jahr inszenierte Fulci dann die Edgar-Allan-Poe-Geschichte THE BLACK CAT, was zeitlich eher unpassend war, denn 1981 waren Slasher und Zombiefilme angesagt – und italienisches Kino ist, wie jedes andere auch, stets ein Kommerzkino gewesen. So unromantisch das auch klingen mag. Die restaurierte BLUE-UNDERGROUND-Fassung von THE BLACK CAT zeigt, daß der Film eindeutig auch seine Stärken hat: In fettestem Breitwandformat und toll fotografiert spult sich die bekannte Geschichte in der Gegenwart von 1981 ab. Doch das Ende enttäuscht genauso wie das in DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN und in A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN. Schade eigentlich, aber was soll man machen??? 
1982 drehte Lucio Fulci dann seinen letzten wirklich großen Hardgoreknaller namens THE NEW YORK RIPPER, der von Luigi Kuveiller (PROFONDO ROSSO) brilliant fotografiert wurde und zwar sehr misogyn, aber dennoch viel mehr ist als ein lahmer Durchschnittsslasher. Den Thron von MANIAC kann THE NEW YORK RIPPER zwar nicht erreichen, doch die finstere Atmosphäre, die Donald-Duck-Stimme des Killers und die sadistischen Mordszenen machen aus diesem fiesen Splatterepos ein unterschätztes Meisterwerk!

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 Und was die Kritiker gerade bei diesem Film gerne vergessen, ist, daß Fulci brilliante Suspenseszenen wie zum Beispiel den Alptraum inszenierte, der von Kameragenie Luigi Kuveiller wundervoll fotografiert worden ist. Überhaupt ist die Fotografie von THE NEW YORK RIPPER einfach fantastisch! Da kommt einem sofort PROFONDO ROSSO in den Sinn, den Luigi Kuveiller ebenfalls fulminant ablichtete. Und die Dialoge sind teilweise richtig ulkig in THE NEW YORK RIPPER – zum Beispiel die Szene, in der der Kommissar bei einer Nutte (Daniela Doria) im Bett liegt und sie nach seinem Telefongespräch mit dem Killer fragt: „Then how does this son of a bitch know that I’m here?“
Zu sehen gibt es neben Jack Hedley einige schöne Ladies wie Antonella Interlenghi, Daniela Doria, Alexandra Delli Colli und Almanta Keller. Den fiesen Howard Ross als verdächtigen Ganoven nicht zu vergessen, während man in kleinen Nebenrollen Michele Soavi und Lucio Fulci selbst bestaunen kann. Die Splatterszenen sind natürlich extrem heftig – Fulci zelebriert diese Szenen, die dadurch sehr misogyn wirken. Was hat ihm seine zweite Ehefrau bloß angetan???
Es gibt natürlich auch von diesem Slasherklassiker viele schundige Fassungen, doch die Blu von BLUE UNDERGROUND besitzt eine tolle Qualität: satteste Farben, hohe Detailschärfe und ein absolut sauberes Bild verwöhnen das Auge. Denselben Transfer benutzten auch XT VIDEO. Das Mediabook besitzt ein weiteres glänzend geschriebenes Booklet von Martin Beine – meinem absoluten Faveschreiber. „Quack, quack, quack!“
Nach THE NEW YORK RIPPER ging es dann steil bergab mit Fulcis Karriere, was vor allem auf die extrem niedrigen Budgets zurückzuführen ist, denn das italienische Kino stürzte in den ’80ern in eine noch schlimmere Krise, die bis heute anhält (Hollywood ist Schuld!). Auch ein Dario Argento murkst sich von Film zu Film, obwohl seine Streifen bestimmt noch über ein ganz vernünftiges Budget verfügen.

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Von Fulci kann ich noch den ulkigen MAD-MAX-Verschnitt DIE SCHLACHT DER CENTURIONS empfehlen, den Barbaren-Klopper CONQUEST (inklusive Zombieauftritten) und vielleicht noch MANHATTAN BABY. MURDER ROCK von 1984 ist dagegen zum Beispiel handwerklich ok, doch diese penetrante Anbiederung an den amerikanischen Videomarkt finde ich ziemlich daneben. Da wollten die Produzenten wohl eine Mischung aus Tanz- und Slashermovie haben. Doch trotz Ray Lovelock, Olga Karlatos und Silvia Collatina ist eine ziemlich lahme Gurke rausgekommen, die auch komplett ungeschnitten total harmlos ist. Könnte ab 12 Jahren freigegeben sein.
Den absoluten Tiefpunkt erreichte Fulci dann mit miserablen Trashern wie ZOMBIE III, bei dem schon der Titel ein Scherz ist. Gegen diesen Streifen sieht selbst Andrea Bianchis DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES noch wie ein Genre-Meisterwerk aus. An ZOMBIE III werkelten auch noch Bruno Mattei und Claudio Fragasso – was für eine irre Mischung! Ulkig ist der aber irgendwie schon, muß ich zugeben…

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Als Lucio Fulci 1996 starb, ging mit ihm einer der letzten großen italienischen Regisseure verloren. Seine Werke variieren von Film zu Film, was die Qualität betrifft. Mit harmlosen Komödien konnte ich, ehrlich gesagt, noch nie etwas anfangen, dafür sind seine Gialli und Zombiefilme aber teilweise echte Spitzenklasse. Auffällig an vielen Fulciwerken ist, daß sie ins Kino kamen, als das jeweilige Genre kaum noch jemanden interessierte. Im Jahre 1978 einen Western (SELLA D’ARGENTO) zu drehen ist schon ein starkes Stück – was durchaus nicht negativ gemeint ist.
Schön zu sehen, daß heutzutage dank dem Siegeszug der Medien DVD und BD auch seine unbekannteren Werke wie THE EROTICIST zu neuen Ehren kommen. Schade finde ich, daß viele Fulcifans, so scheints jedenfalls, nur seine Splatterorgien in den Himmel loben. Seinen Krimis sollte man auch eine Chance geben – gerade PERVERSION STORY mit Marisa Mell, A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN mit Florinda Bolkan und DON’T TORTURE A DUCKLING mit Barbara Bouchet in den jeweiligen Hauptrollen sind echte Perlen des Genres.
Fazit: Danke, Lucio, für die vielen schönen Stunden, die du mir bereitet hast – und das seit über 30 Jahren. Und jedesmal wenn ich die DVD mit deinem letzten Auftritt bei FANDANGO kurz vor deinem Tod in den Player schiebe, muß ich schlucken und könnte losheulen… Und weil viele Werke unsterblich sind, werde ich sie mir noch weitere 30 Jahre anschauen. Und ich schließe diesen kleinen Artikel mit einem Zitat von MONDO DIGITAL:

„FULCI REALLY SHINES!“

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Lucio Fulcis Filmografie:

RAGAZZI DEL JUKE-BOX (1959)

JEDER DIEB BRAUCHT EIN ALIBI (1959)

HOWLERS OF THE DOCK (1960)

MIT DAMENBEDIENUNG [!] (1962)

GETTING AWAY WITH IT (1962)

THOSE TWO IN THE LEGION (1962)

EIN SELTSAMER TYP (1963)

THE SWINDLERS (1963)

WIR, DIE TROTTEL VON GEHEIMDIENST (1964)

DAS GROSSMAUL (1964)

TWO PUBLIC ENEMIES (1964)

HOW WE GOT IN TROUBLE WITH THE ARMY (1965)

002 OPERATION MOON (1965)

THE TWO PARCHUTISTS (1965)

DJANGO – SEIN GESANGBUCH WAR DER COLT (1966)

HOW WE ROBBED THE BANK OF ITALY (1966)

DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN (1967)

HOW WE STOLE THE ATOMIC BOMB (1967)

THE TALL, THE SHORT, THE CAT (1967)

PERVERSION STORY (1969)

DIE NACKTE UND DER KARDINAL (1969)

A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN (1971)

DON’T TORTURE A DUCKLING (1972)

THE EROTICIST (1972)

WHITE FANG (1973)

DER TEUFELSSCHLUCHT DER WILDEN WÖLFE (1974)

YOUNG DRACULA (1975)

FOUR OF THE APOCALYPSE aka VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN (1975)

MY SISTER IN LAW (1976)

THE PSYCHIC (1977)

SELLA D’ARGENTO (1978)

WOODOO aka ZOMBIE FLESH EATERS (1979)

CITY OF THE LIVING DEAD aka EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980)

DAS SYNDIKAT DES GRAUENS (1980)

UN UOMO DA RIDERE (1980)

THE HOUSE BY THE CEMETERY aka DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (1981)

THE BEYOND aka DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (1981)

THE BLACK CAT (1981)

THE NEW YORK RIPPER (1982)

MANHATTAN BABY (1982)

CONQUEST (1983)

DIE SCHLACHT DER CENTURIONS (1984)

MURDER ROCK (1984)

DÄMON IN SEIDE (1986)

DÄMONIA (1987)

ZOMBIE III (1988)

WHEN ALICE BROKE THE MIRROR (1988)

SODOMAS TÖDLICHE RACHE (1988)

DIE UHR DES GRAUENS (1989)

DAS HAUS DES BÖSEN (1989)

NIGHTMARE CONCERT (1990)

DEMONIA (1990)

DIE SAAT DES TEUFELS (1990)

VOICES FROM BEYOND (1990)

DOOR TO SILENCE (1991)

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* Danke an Martin Beine für das Vorwort!

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BARBARA STEELE, DIE KÖNIGIN DES GOTIK-HORRORS [EINE KLEINE BIOGRAFIE UND BILDERGALERIE]

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Barbara Steele, geboren am 19. Dezember 1938, wuchs im englischen Birkenhead bei Cheshire auf, und schon in jungen Jahren wollte sie unbedingt Schauspielerin werden. Noch zur Schulzeit schloß sie sich einer Theatergruppe an, während sie dennoch ihr Abitur machte und anschließend Malerei studierte – wie Mario Bava. Und nach einigen kleineren Filmrollen wurde sie von besagtem Mario Bava (meinem ultimativen Lieblingsregisseur!) entdeckt, der gerade dabei war sein Regiedebüt LA MASCHERA DEL DEMONIO (DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT) vorzubereiten. Kurz zuvor hatte Mario Bava schon Riccardo Fredas CALTIKI – IL MOSTRO IMMORTALE beendet, weil Freda noch vor Beendigung der Dreharbeiten aus dem Projekt ausgestiegen war. Mario Bava war bis dahin für die Kamera und die Spezialeffekte zuständig gewesen – und nun saß er selbst auf dem Regiestuhl eines Horrorfilms. Doch niemand konnte damals erahnen, das LA MASCHERA DEL DEMONIO (1960) für den großen Durchbruch sorgen sollte – für Mario Bava und Barbara Steele…
LA MASCHERA DEL DEMONIO basierte auf dem Roman von Nikolai Gogol und ist eines der größten Meisterwerke des italienischen Gotik-Horrors der ’60er Jahre. Schaut man sich den Film in Ruhe an, bemerkt man durchaus, daß Mario Bava Malerei studiert hatte. Er führte schließlich nicht nur die Regie des Films, sondern sorgte auch für die wundervolle Schwarzweiß-Fotografie, die stark an die Universalklassiker wie DRACULA mit Bela Lugosi erinnern. Und die Verbindung von Erotik und heftigeren Horrorelementen (zumindest für die damalige Zeit) läßt erahnen, daß Mario Bava auch die Gruselwerke aus den Hammerstudios studiert hatte.

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Barbara Steele spielt zu Beginn des Films die Hexe Asa, die erst gefoltert und schließlich mit einer Eisernen Jungfrau (im Bronzemaskenformat – deshalb auch der Alternativtitel THE MASK OF SATAN) grausam getötet wird. Doch sie prophezeit den Henkern ihre Rache, und viele Jahre danach kommt sie als Katia zurück auf Erden…
Das Bild oben mit Barbara Steeles von der Bronzemaske durchlöchertem Gesicht gehört zu den berühmtesten Fotos, die es jemals von einem Horrorfilm gab. Und gerade ihr Gesicht (und nicht zu vergessen ihre langen schwarzen Haare, die japanische Regisseure knapp 40 Jahre nach LA MASCHERA DEL DEMONIO) zu Filmen wie RING beeinflußen sollten) sollte zu ihrem großen Markenzeichen werden – keine klassische Schönheit, sondern gleichzeitig unheimlich, aufregend, böse, sinnlich und undurchschaubar. Und dazu kamen noch ihre großen, finsteren, starrenden Augen. Was für ein Anblick!

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Und obwohl stark in den Gewalt- und Erotikszenen geschnitten, spielte LA MASCHERA DEL DEMONIO für Produzent Arkoff sehr viel Geld ein. Heute ist der Film sowohl bei Gotik-Horrorfans als auch bei den Steelers (= Fans von Barbara Steele!) sehr beliebt, und dank dem Siegeszug des Mediums DVD kann man ihn endlich ungeschnitten genießen. Und soviel kann ich vorwegnehmen: es ist der einzige italienische Gotikhorrorstreifen mit Barbara Steele, von dem es eine deutsche Synchronisation gibt!
Keine andere Schauspielerin wie Barbara Steele konnte gleichzeitig magisch anziehend, erregend und fast schon abstoßend sein. Bis zu Mario Bavas märchenhaften Kultklassiker von 1960 gab es auch keine Frauenrollen im italienischen Genrekino, die Böses ausstrahlten und eben keinen süßen Liebreiz. Bavas Film ermöglichte Barbara Steele auch erst die Rückkehr nach Hollywood, wo sie an der Seite des Größten (= Vincent Price) drehen durfte, und zwar in Roger Cormans Edgar-Allan Poe-Adaption THE PIT AND THE PENDULUM (DAS PENDEL DES TODES) von 1961. Und wie in LA MASCHERA DEL DEMONIO spielt sie eine Frau, die nicht von einem männlichen Helden gerettet werden muß, sondern eine durchtriebene Ehebrecherin (im 16. Jahrhundert!), die ihren Mann (Vincent Price) in den Wahnsinn treiben möchte, um anschließend mit ihrem Geliebten durchzubrennen (auch im noch folgenden NIGHTMARE CASTLE spielte sie eine Ehebrecherin). THE PIT AND THE PENDULUM gehört für mich wie Bavas Regiedebüt zu den schönsten Gotik-Gruslern, die jemals gedreht wurden.

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Doch sie kehrte schnell nach Italien zurück (zum Glück) und Riccardo Freda engagierte Barbara Steele 1962 für seinen THE TERROR OF DR. HICHCOCK.
Ein Jahr danach (also 1963) drehte Antonio Margheriti dann das horrible Gotik-Meisterwerk DANZA MACABRA (CASTLE OF BLOOD) mit Barbara Steele in der Hauptrolle, der ebenfalls noch nie in Deutschland lief. Nachdem ich erst die US-DVD aus dem Jahr 2002 namens CASTLE OF BLOOD von SYNAPSE FILMS in die Hände bekam und nach dem Sichten ein klein wenig enttäuscht war (trotz Restauration sieht die Qualität des Bildes eher nach einem Film aus den ’50er Jahren aus), veröffentlichte dann das italienische Label SINISTER FILMS im Sommer 2010 eine DVD mit dem Originaltitel DANZA MACABRA – und die Fassung hat mir die Schuhe samt Socken ausgezogen! Und das im positiven Sinne, denn jetzt sieht der Film einfach gigantisch gut aus: ein extrem sauberes, scharfes Bild lässt die US-DVD wie einen Stummfilm von 1930 aussehen. Und weil ich die englische Synchronisation kenne, ist es leicht zu verschmerzen, daß es keinen englischen Ton und auch keine englischen UT gibt.
In DANZA MACABRA betritt der Journalist Alan Foster (Georges Riviere, auch bekannt aus Margheritis SCHLOSS DES GRAUENS) ein unheimliches Schloß, und zwar nachdem ihm Edgar Allan Poe höchstselbst (gespielt von Silvano Tranquilli) und dessen Freund Thomas Blackwood (Umberto Raho aus Dario Argentos DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE) eine Wette anbot, daß er, also Alan Foster, die folgende Nacht nicht überleben wird, wenn er sie im besagten „Schloß des Blutes“ verbringt. Doch Alan betritt mutig das finstere Schloß und kundschaftet es in aller Seelenruhe aus. Doch dann taucht wie aus dem Nichts Elizabeth Blackwood (Barbara Steele) auf und sorgt mit ihrem Auftritt für den ersten atem-beraubenden Schockeffekt des Films. Der mutige Alan verliebt sich auf den ersten Blick in die leichenblasse, mysteriöse Elizabeth, die sich scheinbar nur zu gerne auf Alan einläßt. Doch dann taucht Elizabeths eifersüchtige Schwester Julia auf, die von der norwegischen Schönheit Margarete Robsahm gespielt wird, die sich ebenfalls an Alan heranmacht. Alan wird schließlich Zeuge eines schrecklichen Ereignisses: ein Muskelmann reißt die Türe auf, stürzt ins Zimmer und erdolcht Elizabeth! Nachdem Alan sich von dem Schock erholt hat und mit Kerzenhalter durch die Gänge schleicht, erscheint ihm …Elizabeth! Ist sie eine wandelnde Tote???
Barbara Steele ist einfach hervorragend als mysteriöse Dame des Schlosses – nie weiß man in ihren Gotik-Horrorcharakteren, ob sie eine Hexe, ein Gespenst, eine wandelnde Tote oder eine holde Maid in Nöten mimt. Dieses unheimliche Gesicht macht es dem Zuschauer wirklich unmöglich, herauszubekommen, was sie im Schilde führt – und das macht diese Gotik-Grusler erst zu etwas ganz Besonderem…

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Regisseur Antonio Margheriti war nach Riccardo Freda und Mario Bava der dritte im Bunde, der diese wunderschönen Horrorstreifen in den ’60er Jahren inszenierte. In meinen bescheidenen Augen hatte Margheriti eindeutig auch seine größten Stärken in diesem schauerromantischem Genre. Schade, daß es in seinem dritten Gotik-Werk namens SCHLOSS DES GRAUENS von 1965 keine Barbara Steele zu bestaunen gibt, doch dafür spielte sie in seinem I LUNGHI CAPELLI DELLA MORTE (THE LONG HAIR OF DEATH) von 1964 erneut eine Untotenrolle. SCHLOSS DES GRAUENS ist nebenbei bemerkt der einzige Margheriti-Gruselfilm, von dem es eine deutsche Synchronisation gibt. Scheinbar haben sich die deutschen Kinoheinis nicht für italienische Horrorfilme interessiert…
Und allein der englische Titel THE LONG HAIR OF DEATH deutet schon an, woher die japanischen Horrorregisseure ihre Ideen hatten für Filme wie RING – schließlich spielt langes, schwarzes Frauenhaar eine gewichtige Rolle in diesen Gruselwerk!

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Ohne lange Anlaufzeit geht es in I LUNGHI CAPELLI DELLA MORTE zur Sache: Ende des 16. Jahrhunderts versucht Helen Karnstein (Barbara Steele) ihre Mutter vor dem Flammentod zu bewahren, denn diese wurde der Hexerei angeklagt und soll dafür brennen. Helen fleht den Grafen Humboldt (Giuliano Raffaelli, der auch in Margheritis coolem Italo-western SATAN DER RACHE mit Klaus Kinski auftaucht) an, ihre Mutter zu verschonen, doch dem kommen beim Anblick der wundervollen Helen ganz andere Gedanken. Sie läßt sich schließlich auf den Grafen ein und dennoch kennt dieser keine Gnade für Helens Mutter, die darauf in den Flammen stirbt. Mitansehen muß diese grausige Untat auch die noch sehr junge Schwester Helens namens Elizabeth.
Doch für die beiden Schwestern kommt alles noch viel schlimmer, denn eines Tages stürzt der böse Graf Humboldt Helen einfach von einer Klippe in die tosenden Fluten, während die inzwischen erwachsen gewordene Elizabeth den noch böseren Sohn Humboldts, Kurt (George Ardisson), zwangsheiraten muss. Graf Humboldt und sein Sohn teilen das Geheimnis, daß der Papa seine damalige Frau im Streit tötete, die jetzt als Modermumie offen im Sarge der Familiengruft liegt. Eines Nachts schleicht Humboldt in die besagte Gruft und weint am Sarg, während das Skellett plötzlich zu atmen beginnt… Diese Szene gehört zu den atemberaubendsten Momenten, die ich je in einem Gruselfilm gesehen habe! Und in einer weiteren stürmischen Gewitternacht schlägt in Helens Grabstein ein Blitz ein (auf ihrem Grabstein steht Helen Rochefort, was ich mir nicht so ganz erklären kann, denn auch im italienischen Originalton wird sie Karnstein genannt), der ihren Sarg freilegt und die inzwischen Verweste zu neuem Leben erweckt, was für die nächste grandiose Gruselszene sorgt. Wieder so schön wie zu Lebzeiten platzt Helen dann in einen Gottesdienst hinein, in dem die ganze Familie Humboldt anwesend ist…

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1964 drehte Barbara Steele dann zum zweiten Mal unter der Regie Riccardo Fredas in einem Gruselstreifen namens LE SPECTRE DU PROFESSEUR HICHCOCK (aka THE GHOST), den ich noch mal genauer unter die Lupe nehmen muß…

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1965 gab dann Regisseur Mario Caiano sein Horrorfilmdebüt mit dem sehr harten, finsteren GLI AMANTI D’OLTRETOMBA (NIGHTMARE CASTLE), in dem Barbara Steele eine weitere sinistre Doppelrolle spielte. Auch in NIGHTMARE CASTLE ist Atomsphäre, Stil und Ästhetik alles, während die eigentliche Geschichte nebenrangig ist – ganz so wie im Giallogenre.
In NIGHTMARE CASTLE findet der satanische Doktor Stephen Arrowsmith (Paul Muller) heraus, daß seine Ehefrau Muriel (Barbara Steele) eine Affäre mit dem Gärtner (Rik Battaglia) hat. Nebenbei bemerkt: man sollte bei NIGHTMARE CASTLE und den anderen italienischen Gotik-Gruslern bedenken, daß diese Filme aus den noch biederen und prüden ’60er Jahren sind – eine Zeit, in der man(n) solche Frauen noch aus der Stadt jagte oder gleich steinigte. NIGHTMARE CASTLE müsste so bei 1890 angesiedelt sein, denke ich mal.
Jedenfalls, der Doktor Arrowsmith (der dabei ist ein Schönheits- und Verjüngungsserum zu entwickeln) nimmt Muriel und den Geliebten gefangen und beginnt sie langsam zu Tode zu foltern.
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„I WILL KILL YOU, YOU WHORE! YOU AND YOUR FILTHY FRIEND! BUT DEATH, MY DEAR, MUST COME TO YOU ONLY AFTER I’VE TORN FROM YOUR BODIES ALL THE SUFFERING AND PAIN A HUMAN BEING CAN STAND! AND YOU DON’T KNOW HOW LONG IT TAKES TO DIE OF PAIN!“
Kurze Zeit danach taucht dann Muriels Schwester Jenny (auch Barbara Steele!) auf, die Muriel wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht – nur daß ihre Haare blond statt schwarz sind. Doktor Arrowsmith ist natürlich Feuer und Flamme für Jenny, doch die…
Und wieder darf sich der Zuschauer die interessante Frage stellen, ob Jenny eine wandelnde Tote, ein Gespenst oder tatsächlich „nur“ die Schwester Muriels ist. Ich glaube nicht, daß ich zu viel verrate, wenn ich sage, daß Doktor Arrowsmith seine Schandtaten noch bereuen wird!
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1966 kam dann der siebente und damit letzte italienische Gotik-Grusler mit Barbara Steele namens UN ANGELO PER SATANA (AN ANGEL FOR SATAN) in die Kinos. Regie führte Camillo Mastrocinque, dessen Namen man sonst eher mit Western verbindet. Und mit Anthony Steffen aus Brasilien gibt es auch einen späteren Star des Italowesterns in ganz jungen Jahren zu Gesicht – und das Erstaunliche dabei ist, daß Steffen seine Sache ganz ausgezeichnet macht. Im späten 19. Jahrhundert trifft Roberto Merigi (Anthony Steffen) in einem kleinen italienischen Dorf ein, in dem er eine in einem See entdeckte Statue restaurieren soll. Die Statue gilt als verflucht und die Erbin Harriet (Barbara Steele) hat eine auffällige Ähnlichkeit mit dem Kunstwerk (und noch einmal so etwas wie eine Doppelrolle für Steele).
Wie in den anderen Filmen zuvor, spielt Ästhetik im Verbund mit Gewalt eine große Rolle in UN ANGELO PER SATANO, und die vielen atmosphärischen, alptraumhaften Szenerien im Verbund mit der absolut wundervollen Musik von Franzesco de Masi lassen den Film zu einem herrlichen Gesamtkunstwerk des Gotik-Horrors werden.
Die Bildqualität der italienischen DVD ist so ziemlich das Beste, was ich jemals bei einem Film aus den ’60er Jahren gesehen habe. Das einzige Problem ist, das es nur italienischen Ton gibt – und diesmal kenne ich auch keine englische Synchronisation. Doch die Handlung ließ sich sehr gut verfolgen, auch wenn ich zu den Dialogen natürlich nicht viel sagen kann. Eine französische DVD gibt es auch – ebenfalls ohne englischen Ton und ohne englische UT. Was soll man machen???
In den folgenden Jahren machte sich Barbara Steele etwas rar, doch es gab noch Auftritte in einigen Kultwerken wie PARASITENMÖRDER (SHIVERS) von David Cronenberg. PIRANHA ist auch ganz nett, doch das Kapitel Gotik-Horror war 1966 mit UN ANGELO PER SATANA geschlossen…
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PAUL NASCHY: EINE KLEINE BIOGRAFIE ÜBER DEN WILDGEWORDENEN TEDDY- UND NASCHBÄREN AUS POLEN, ÄH, SPANIEN!

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PAUL NASCHY

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EINE KLEINE BIOGRAFIE

ÜBER DEN WILDGEWORDENEN

TEDDY- UND NASCHBÄREN AUS

POLEN, ÄH, SPANIEN!

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Seit den frühen ’80ern gehören viele Filme mit Paul Naschy (= Jacinto Molina) zu meinen liebsten Begleitern – gleich nach dem Giallogenre -, und es gibt nicht viele Ikonen des Horrorfilms, die eine so unglaubliche Anzahl an Kultfilmen im Gepäck haben. Eigentlich fällt mir da nur noch der wunderbare Vincent Price (der Grösste!) ein, den man ebenfalls in erstaunlich vielen Klassikern entdecken kann. Die bekanntesten Auftritte von Paul Naschy sind natürlich seine Rollen als Waldemar Daninsky, dem Werwolf – doch es gibt noch viele, viele andere wundersame Streifen, die in Deutschland nahezu unbekannt sind. Da gibt es jedenfalls noch eine Menge zu entdecken für den echten Naschy-Fan, denn den meisten dürften Trash-Klopper wie LA VENGANZA DE LA MOMIA, THE WEREWOLF AND THE YETI oder auch der miserable JACK EL DESTRIPADOR DE LONDRES nicht allzu viel sagen. Leider sind viele deutsche Bootlegs im Umlauf, die den Fan damit locken wollen, daß es halt deutschen Ton gibt – die Original-DVDs sind oft spanische Scheiben, die keinen englischen Ton und auch keine englischen UT haben. Doch es gibt ja auch viele tolle US-DVDs, die eine große Anzahl an Naschy-Filmen im Angebot haben. Die DEIMOS-DVDs zum Beispiel sind absolute Top-Scheiben! Richtig dreist sind Leute, die Bootlegs damit anpreisen, das ihre Version die einzige Möglichkeit ist, den Film XY zu Gesicht zu bekommen. Da werden abgenudelte VHS-Kassetten auf DVD gebrannt und ganz offiziell zum Kauf angeboten – das ist schon ein Unding! Doch zum Glück gibt es ein fabelhaftes Label wie SUBKULTUR, die gerade dabei sind, einen Naschy-Knaller nach dem nächsten in HD-Qualität zu veröffentlichen. Herzlichen Dank, ich liebe euch!
Ohne Paul Naschy gäbe es den spanischen Horrorfilm der späten ’60er und kompletten ’70er Jahre eigentlich nicht, und auch wenn er besser Gewichte stemmen konnte als schauspielern, spürt man in allen seinen Werken seine große Liebe zum Horrorgenre – vor allem die alten Universalmonster hatten es ihm wohl angetan. Ohne Paule wäre da ziemlich Ebbe – da gibt es zum Beispiel noch die grandiose Serie um die Reitenden Leichen, die ich auch liebe, besonders den tollen ersten Teil DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN. Doch dann kommt schon nicht mehr viel Dolles ohne den Paule, denn ein Fan von Jess Franco bin ich definitiv nicht.
Interessant ist, daß von den meisten seiner Filme zwei verschiedene Versionen gedreht und zurechtgeschnitten wurden, und zwar die sogenannte clothed-Fassung für den spanischen Markt und die unclothed-Fassung für das ausländische Kino. Das lag wohl daran, das Franco in Spanien regierte, und damit waren nackte Titten und Sex ganz einfach verboten (im Kino zumindest). Das kann man zum Beispiel wunderbar nachvollziehen, in dem man sich die Laser-Paradise-DVD von BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL und dann direkt im Anschluß die US-DVD mit dem Titel HORROR RISES FROM THE TOMB anschaut. Haben die Ladies im ersterem Klamotten an, kann man sie in letzterem oft nackt bewundern! Auf der US-DVD des Films gibt es unter anderem ein cooles Extra mit einem Bildvergleich clothed – unclothed. Das ist schon ’ne witzige Sache, das mal so im Zusammenhang zu sehen.

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Paul Naschy wurde vor schlappen 80 Jahren als Jacinto Molina geboren, und sein cooles Pseudonym ist eine Mixtur aus Papst Paul dem VI und Imre Nagy, einem ungarischen Gewichtheber. Nach einigen Winzrollen kam dann 1968 mit DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA (LA MARCA DEL HOMBRE LOBO) der ganz große Durchbruch, und zwar für Paul Naschy und dem spanischen Horrorfilm. Zu bekommen ist die deutsche Videokassette eigentlich ziemlich leicht – mit etwas Glück und genug Kohle kann man den Film sogar noch neu und verschweißt auftreiben! Als nächstes bestellte ich mir die US-Scheibe vom Label SHRIEK SHOW, die man in Sachen Qualität eigentlich in die Tonne treten kann. Dann bestellte ich mir die spanische PAUL NASCHY VOL. 2, die neben drei anderen Naschy-Knallern eben auch DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA enthält. Das Dumme ist dabei nur, daß die DVDs nur spanischen Ton und keine englischen Untertitel enthalten! Aber es gibt ja die Jungs von SUBKULTUR, die diesen wundervollen Film nun auch in ihrer Naschy-Box veröffentlicht haben.

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Die Story erinnert an alte Europa-Hörspielplatten ala DAS DUELL MIT DEM VAMPIR und besonders an DRACULA TRIFFT FRANKENSTEIN, und man merkt durchaus, daß die Macher des Films wohl selbst noch nicht so genau wussten, wohin die Reise denn gehen sollte. Da schielte man halt zu den damals angesagten Horrorschockern aus den HAMMER-Studios. Dazu noch eine kleine Prise der alten Universalmonster und einen gewissen eigenen Touch, der sich in den Folgejahren zu einem typisch spanischen Horrorstil entwickeln sollte.

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Die Geschichte geht ungefähr so: Paule wird von einem wiedererweckten Werwolf verletzt, was ihn beim nächsten Vollmond selbst zu einem „Meister Petz“ mutieren läßt. Dann taucht aus dem Nichts ein Vampirpärchen (mit Julian Ugarte, bekannt aus dem Kultgiallo DIE FARBEN DER NACHT) auf, das Paule abmurksen will, um die alleinige Herrschaft des Bösen an sich zu reißen – und zum Schluß kloppt dann alles aufeinander ein bis der Putz von der Decke rieselt…
 Erstaunlich ist, daß die Szenen mit den Vampiren deutlich mehr Gruselstimmung in die Bude bringen als Paules putzige Auftritte als wildgewordener Teddybär. Nicht nur wegen seiner Statur nennen ihn manche Fans auch Paule Naschbär! Denn ausgerechnet der Kampf zwischen Paule und dem zweiten Werwolf, der ihm die ganze Sache ja erst eingebrockt hat, ist wirklich sagenhaft komisch anzusehen – und eben alles andere als erschreckend. Gerade diese Szenen dürften den Cineasten und Hollywoodshit-Glotzern sämtliche Schuhe ausgezogen haben, und das inklusive Socken. Ich finde den Streifen schwer unterhaltsam, denn man spürt, daß Paule seine Universalmonster wirklich verehrt. Einen Dracula gibt es natürlich nicht, und zwar genauso wie es keine Draculas in Mario Bavas Meisterwerken DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT und DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA gibt. Die deutsche Titelschmiede ist schon ein Phänomen, das wohl für alle Zeiten Rätsel aufgibt. DAS BLUTIGE SCHLOSS DER LEBENDEN LEICHEN, TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER – die Liste ist nahezu endlos!

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Und wie sieht es nun mit der Bildqualität von DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA aus? Naja, die beiden DVD-Transfer von WALDEMAR MEDIA und SUBKULTUR sind identisch. Die Bildqualität ist natürlich alles andere als perfekt, aber eine immense Steigerung zur alten US-Scheibe vom Label SHRIEK SHOW, die doch ziemlich grauenvoll ausschaut. Litt der Transfer von SHRIEK SHOW noch an einem extrem soften, verwaschenen Bild mit verblichenen Farben, bekommt man nun ein sehr sauberes und scharfes Bild geboten. Das Bild besitzt zwar kein ausgeprägtes Filmkorn, gefällt mir aber deutlich besser als der SUBKULTUR-Transfer von NACHT DER VAMPIRE. Die Blu-Ray von DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA ist dann nochmals eine Steigerung. Das Filmkorn ist sehr fein und die Schärfe nochmals einen Tick höher als auf DVD. Auch die Farben sind lebhaft.

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Die deutsche Audiospur klingt klar und verständlich (besonders im Vergleich mit der alten VHS-Kassette). Sie klingt sogar so erstaunlich gut, daß sie die deutsche Audiospur von NACHT DER VAMPIRE locker übertrifft. Die Synchro von DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA ist zwar teilweise ziemlich daneben, aber die Sprecher selbst sind grandios und dürften jedem Nostalgiker bekannt sein. Die einzige Synchro eines Naschy-Films, die noch überzeugender ist als diese, ist die zu BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL.
Auch in Sachen Booklet konnte man sich steigern, denn David Renske ist ein schwer unterhaltsamer Text gelungen, bei dem er DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA und alle folgenden Filme um den wildgewordenen Teddybären Waldemar Daninsky unter die Lupe nimmt. Sehr sympathisch geschrieben – und das auf satten 32 Seiten. Mehr davon!

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Schon ein Jahr danach kam dann eine total durchgeknallte Koproduktion in die Kinos, die wirklich zu den größten Knallschoten zählt, die jemals gedreht wurden: DRACULA JAGT FRANKENSTEIN (LOS MONSTRUOS DEL TERROR), den man ebenfalls leicht als Videokassette finden kann. Und inzwischen auch als fabelhafte DVD mit toller Bildqualität. Nun ja, und wer hat wohl das irre Drehbuch geschrieben?! Na klar: Paule selbst! Einige Skripte soll er ja in einzelnen Nächten aufs Papier gekritzelt haben, und das sieht man zumindest DRACULA JAGT FRANKENSTEIN auch wirklich an…

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Als Storybeschreibung reicht eigentlich ein Satz: Drei Ausgesandte eines um Lichtjahre entfernten Planeten, wollen die Mumie, Frankensteins Monster, Dracula und Naschy-Paul als Werwolf zum Leben erwecken, um somit die Weltherrschaft an sich zu reißen… Wie das mit dem Weltherrschaftsdingens funktionieren soll, weiß jedoch niemand! Die Handlung erinnert mehr denn je an das hypergeniale DRACULA-TRIFFT-FRANKENSTEIN-Kult-Hörspiel (das ich mir ab und zu immer noch reinziehe – ist  schließlich mit Horst Frank!), doch das einzige wirklich große Manko des Filmes ist, daß man ausgerechnet Paule viel zu selten vor die Linse bekommt – und seine Auftritte als Werwolf sind dann auch noch so zahm, daß man den Streifen mit ruhigem Gewissen ab 12 Jahren freigeben könnte – ohne Jux! Naja, da wäre ja noch das grüne (!) Frankenstein-Monster, das in einem Blindenheim besser aufgehoben wäre, denn es stolpert mit geschloßenen Augen durch die Botanik! Und die Mumie, naja, die könnte nicht mal meine Oma erschrecken, so lahm wie die durch die Gegend schlurft. Und Dracula kann man dann endgültig vergessen. Und weil zum Schluß mal wieder alle wild aufeinander einkloppen, erinnert das Ganze fast schon an Al Adamsons Kultknaller DRACULA VS. FRANKENSTEIN, den ich auch ganz ulkig finde. Dafür gibt es aber einige bekannte Nasen zu sehen: z.B. Karin Dor, die viel hübscher ist als die modrigen Mordgesellen – einfach zum Anbeißen sieht sie aus, wenn ich schon bei Vampiren bin. Dann wäre da als Boß der Außer-irdischen Michael Rennie, den Giallo-Freaks bestimmt aus SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL kennen dürften, wo er den ermittelnden Kommissar spielt. Ein fantastischer Giallo, den Antonio Margheriti da 1967 rausgezaubert hat. Sci-Fi-Fans kennen Michael Rennie vielleicht auch als Klaatu, den Außerirdischen aus dem ebenfalls tollen DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND. Schade, daß das Budget von DRACULA JAGT FRANKENSTEIN nicht für die eingeplanten Raumschiffszenen reichte, denn das wäre bestimmt noch die absolute Krönung dieser irren Kirmesveranstaltung gewesen… Man kann nicht alles haben!

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Doch schon 1970 kam dann einer der schönsten, wundervollsten Werwolf/Vampir-Streifen ins Kino, die ich jemals erblickt habe: DIE NACHT DER VAMPIRE (LA NOCHE DE WALPURGIS), denn in diesem Film stimmte einfach alles, und man bekommt genau das geboten, was man in einem trashig-kultigen Horrorfilm sehen möchte: wunderschöne, sexy Vampirinnen, die in Zeitlupe durch die Gegend hüpfen und Hälse anknabbern (die Zeitlupenszenen sind wirklich wundervoll und mehr als ästhetisch), Paule als „Meister Petz“, eine finstere Waldgegend, ein stimmiges unheimliches Haus, ein Friedhof auf dem Paule die Gräfin Nadasdy zu neuem Leben erweckt, rollende Köpfe, eine knallbunte Farbfotografie, schöne Mucke, irre Klamotten, Titten… Was muß das für eine wirklich geile Zeit gewesen sein! Gib mir ’ne Zeitmaschine und ich düse direkt in ein Kino des Jahres 1970 – Vorstellung: DIE NACHT DER VAMPIRE!
Hier ist mein Vergleich zwischen der brandneuen DVD/BD-Kombo von SUBKULTUR und der alten US-DVD vom Label DEIMOS:

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Daß mein Lieblingsdarsteller Paul Naschy eines Tages in Deutschland in HD erscheint, hätte ich vor ein paar Jahren wirklich nicht für möglich gehalten. Die Scheiben, die ich in den Jahren 2000 bis 2014 sammelte, kamen in den meisten Fällen aus den USA und Spanien. Schade nur, daß die spanischen DVDs meist nur spanischen Ton und keine englischen Untertitel aufweisen konnten. Wem das nicht weiter stört, dem empfehle ich zum Beispiel die beiden Paul-Naschy-Volumes 1 und 2, die dem Naschbär-Freak auch unbekanntere Filme bieten. Ich war jedenfalls ziemlich erstaunt, als ich las, daß das Label SUBKULTUR eine ganze Reihe mit Naschy-Filmen plant. NACHT DER VAMPIRE ist nun nach der Dokumentation THE MAN WHO SAW FRANKENSTEIN CRY und dem fantastischen DER WERWOLF (1981) der dritte Teil. Und NACHT DER VAMPIRE ist mein absoluter Alltimefave mit Paul „Meister Petz“ Naschy als Waldemar Daninsky, dem wildgewordenen Teddybären aus Polen.
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Aber wie ist nun die Bildqualität der DVD von SUBKULTUR im Vergleich zur alten US-Scheibe von DEIMOS??? Auch wenn ich es nicht gerne sage, aber DEIMOS haben definitiv die Nase vorne – selbst wenn man die DVD mit der BD von SUBKULTUR vergleicht. Der Transfer vom Label DEIMOS ist viel sauberer und besitzt deutlich sattere, lebhaftere Farben. DEIMOS bietet unter anderem ein stärker ausgeprägtes Blau. Hier ein paar Beispiele:

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Mir persönlich gefällt die Farbgestaltung von DEIMOS deutlich besser, aber das ist natürlich alles Geschmackssache. Auffällig am Transfer von SUBKULTUR ist, daß man extrem viele Verschmutzungen zu sehen bekommt, die teilweise fast schon ein bißchen stören. Auch künstliches Rauschen ist zu erkennen.
Tontechnisch hat DEIMOS ebenfalls die Nase vorne, denn sowohl die spanische, als auch die englische Audiospur klingen sauber und klar verständlich. SUBKULTUR bieten eine spanische und eine deutsche Tonspur. Die deutsche besitzt auf jeden Fall ihre Schwächen wie Rauschen.
In Sachen Bonusmaterial haben SUBKULTUR aber mehr zu bieten. Interessant ist hier ein Vergleich zwischen den Booklets von Mirek Lipinski (DEIMOS) und Angel Gomez Rivero. Bei Mirek Lipinski spürt man die echte Liebe zu Paul Naschys Filmen in nahezu jeder Zeile, während Angel Gomez Rivero eher neutral klingt.
Beide Label bieten sowohl die Clothed-, als auch die Unclothed-Fassung, was ja immer eine Freude ist.
Ich empfehle allen Naschy-Fanatikern beide Releases, wobei die DVD von DEIMOS schon sehr rar ist. Also beeilt euch!
Und hier noch ’ne Bildergalerie mit der wundervollen Barbara Capell in NACHT DER VAMPIRE:

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Zwei Jahre danach gab es dann einen weiteren Meilenstein in der seligen Trash-Historie des Bizarren und Naiven: DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE (DR. JEKYLL Y EL HOMBRE LOBO). Die Story ist wirklich sehr ulkig… Ein Pärchen (Walter und Justine) fährt durch den dunklen Wald, und als sie schließlich aussteigen, treffen sie auf einen Dorfdeppen mit verschobenen Gesichtszügen, der sich jedoch als harmlos herausstellt. Nicht ganz so harmlos sind die bösen Dorfbewohner, die Walter prompt die Preiselbeeren aus der Plauze kloppen. Und dann taucht plötzlich Paule auf, der wenigstens noch Justine heldenhaft vor den Strolchen retten kann. Doch Paule hat ein haariges Problem zu beichten: in Vollmondnächten verwandelt er sich in einen Werwolf! Da ist guter Rat teuer… Justine kennt jedoch rein zufällig einen gewissen Dr. Jekyll (der stets sympathische Jack Taylor, dessen wüste Dauerwelle in ORGIE DES TODES das Beste am ganzen Film war), der mit seinen verrückten Experimenten vielleicht auch Paule helfen könnte. Also machen sich die beiden aus dem Staub in Richtung London… Und in London geht’s dann richtig rund: Paule verwandelt sich nach einem Experiment von Dr. Jekyll (das er auf eine unglaublich putzig-naive Art und Weise wissenschaft-lich erklärt) in den besagten Mr. Hyde und legt richtig los!

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Hui, das macht Spaß! Selbst für seine sonstigen abgedrehten Filmrollen ist DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE (wieso eigentlich Wölfe – es gibt ja nur einen) noch eine grandiose Steigerung. Die Naivität der Story hat einen knallbunten Trash-Charme, der Paule-Fans in die Hände klatschen läßt vor Vergnügen. Und doch spürt man wieder auch seine Hingabe und Liebe für diese horriblen Stoffe – ganz egal ob die Vorbilder nun aus Klassikern des Films oder der Literatur kommen mögen. Da wird einfach eine klassische Geschichte erzählt – nur eben im etwas kleineren Paule-Format, sprich: leicht modernisiert (hust) und mit ein paar Titten und Splatterszenen aufgemöbelt. Man nehme einen Werwolf und eine fette Prise Mad-Scientist-Unfug in Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Manier (nur tausendmal naiver) und mixe das Ganze mit ein bisschen Sex, Blut und ein paar Gruselmumpitzeinlagen, und schon hat man einen Film, den Paule-Fans lieben und Leute, die sich sonst nur Hollywoodschund anschauen, in die Irrenanstalt treibt, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen dürfen. Ich finds jedenfalls toll! Empfehlen kann ich die DVD vom Label MOTION PICTURE…

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Kurz danach kam dann schon der sagenumwobene DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (EL JOROBADO DE LA MORGUE), den man als toll aufgemachten Anolis-DVD kaufen kann. Das Ding ist wirklich irre und könnte eines Tages ein geschätztes Sammlerstück sein. Auch mein Lieblingsfilmgelehrter Christian Kessler hat einen schön informativen Text ins dicke Booklet geschrieben – amüsant wie immer! Zu meinen Favoriten zählt DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN jedoch nicht, weil mir die Geschichte und Atmosphäre zu sehr auf Tragödie ala DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME getrimmt ist (Paule spielt einen Buckligen, den alle verspotten) – und weil etliche Ratten bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Nee, das muß nicht sein… Für Fans ist der Film natürlich dennoch Pflicht, denn allein das fiese Monster, das man am Ende des Films bestaunen kann, ist das Eintrittsgeld wert. Auch wenn es mit meinem Lieblingsmonster aus FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK nicht ganz mithalten kann… Dazu kommen dann einige heftige Splatterszenen, die man so noch nicht gewohnt war – zumindest nicht in einem Streifen mit Paul Naschy…

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BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL war die erste Zusammenarbeit von  Paule „Meister Petz“ Naschy und Regisseur Carlos Aured. Zudem war BLUTMESSE auch Aureds Debütfilm. Und eins kann ich verraten: Es sollte für alle Zeiten Aureds bestes Werk bleiben.
In BLUTMESSE spielt Paule ausnahmsweise mal keinen wildgewordenen Teddybären (= Werwolf), sondern Alaric de Marnac, dessen Charakter an den berühmten französischen Massenmörder Gilles de Rais angelehnt ist. Seine Geliebte Mabille gibt die entzückende Helga Line (DIE BESTIE AUS DEM MÄDCHENPENSIONAT, HORROR EXPRESS) zum Besten, die jedem Europloitation- und Giallo-Fanatiker bekannt sein sollte. Zu Beginn des Films bekommt Alaric de Marnac die Rübe abgesäbelt. Mabille muß ebenfalls dran glauben, aber wie sich jeder Paule-Fan denken kann, ist dies nicht das letzte Wort, das die beiden gesprochen haben!
In der Gegenwart von 1972 beschwört Alaric de Marnacs Geist seinem Nachkommen Hugo (ebenfalls Naschy!) und seinen Freunden (Vic Winner und zwei heiße Ladies, die man damals wohl als „dufte Typen“ bezeichnet hätte), ihn und seine Geliebte Mabille zu neuem Leben zu erwecken. Nach unwichtigen Zwischenfällen (wie Mord und Totschlag zum Beispiel), pappt die fidele Bande einfach Marnacs abgetrennten Schädel an seinem offenen Hals und schon gibt er wieder Gummi! Die getricksten Szenen mit seinem Kopf sind so genial, daß man vor Freude in die Hände klatschen möchte – besonders die Szenen, in denen Paule mit weit aufgerissenen Augen böse starrt, während man seinen Kopp durch die Gegend trägt, sind wirklich zu komisch! Da fragt man sich, wie es sein kann, daß sich jemand in der OFDB so über den Film aufregt und 1 von 10 Punkten verteilt. Hmmm, scheint kein Spaß zu verstehen, der Knabe. Egal, als man auch Mabille wieder auf die Beine geholfen hat (Alaric de Marnac besteigt einfach ihr Skelett im Sarg und schon sehen wir die wundervolle Helga Line wieder in voller Pracht), machen sich die beiden auf, wie in guten alten Zeiten unschuldige Leutchen abzumurksen. Und von da ab gehts richtig rund: lebende Leichen (die Szene erinnert stark an DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN), rausgerissene Herzen (jamm!), fiese Morde, rollende Köpfe…
Was für ein grandioses, knallbuntes Horror/Trash-Fest! Amüsant, unheimlich und ziemlich blutig von der ersten bis zur letzten Minute. Und die coole Orgelmucke passt perfekt zu dem, was sich da auf dem Bildschirm so alles abspielt. Das Drehbuch schrieb der gute Paule in 36 Stunden – und bei allem Trash: Da ist wirklich was Tolles bei rumgekommen, das ist mal ganz klar! Also laßt euch nicht von Kein-Spaß-Verstehern abhalten, den Film ins Regal zu stellen, denn solange man zum Lachen nicht erst die Familiengruft aufsucht, dürfte man diesen fabelhaften Grusel-Mumpitz lieben…
Noch im selben Jahr drehten Carlos Aured und Naschy-Paul den spanischen Giallo THE BLUE EYES OF THE BROKEN DOLL, den ich ebenfalls toll finde. Erscheint ja zum Glück bald auch bei SUBKULTUR…
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Und in Sachen Bildqualität habe ich die DVDs von SUBKULTUR, MOTION PICTURE und BCI/ECLIPSE mit Screenshots verglichen, was ich mir eigentlich hätte sparen können, denn sie sehen exakt gleich aus! Falls jemand einen Unterschied erkennt – bitte melden...

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SUBKULTUR

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BCI/ECLIPSE

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