DIE BESTEN ITALO-SOUNDTRACKS (TEIL 1): L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA [DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES, 1972]

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DIE BESTEN ITALO-SOUNDTRACKS

(TEIL 1)

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L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA

[DAS GEHEMNIS DES GELBEN GRABES, 1972]

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BY

RIZ ORTOLANI

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Im Jahre 1972 erschien mit L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA (Übersetzung: Der Etrusker lebt wieder), den man in Deutschland vor allem unter dem Titel DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES kennt, einer der unterschätztesten Giallo, die jemals gedreht wurden. Wenn ich so recht überlege, handelt es sich vielleicht sogar um den unterschätztesten Giallo aller Zeiten, denn selbst in Kultfilmforen wie DIRTY PICTURES und DELIRIA ITALIANO findet man keine echten Lobpreisungen zu diesem im Scopeformat gedrehten Wallace-Krimi. Hm, das könnte aber auch daran liegen, daß mein Film- und Musikgeschmack teilweise etwas sehr ungewöhnlich ist und ich mit manchen Streifen eben auch gewisse nostalgische Gefühle verbinde.
L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA ist jedenfalls blendend von Erico Menczer fotografiert (allein der Drehort Spoleto ist absolut wundervoll, was man speziell in der Sequenz mit der Autoverfolgungsjagd bewundern kann), hochspannend bis zum Schluß und mit einem Score von Riz Ortolani veredelt, der einem eine tiefe Gänsehaut  nach der nächsten verpasst. Am Film selbst stimmt beinahe alles, weil es Regisseur Armando Crispino verstand, die leicht komplexe Story des Films in fabelhafte Bilder umzusetzen. Auch Christian Keßler hält den Streifen für Crispinos bestes Werk: „L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA stellt die Hochwassermarke von Armando Crispino dar.“
Einzig und allein der amerikanische  Hauptdarsteller Alex Cord (auch bekannt aus dem exzellenten Exploitation-Schocker CHOSEN SURVIVORS von 1974) kann nicht überzeugen, denn wenn der Knabe ein Alkoholiker ist, bin ich Abstinenzler! Dafür „glänzt“ Horst Frank mit einer Dauerwelle, die selbst in den frühen ’70ern leicht absurd gewirkt haben muß:

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Das Titelthema L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA ist in meinen Augen das wundervollste, das Riz Ortolani jemals komponierte. Das Italo-Label DIGITMOVIES veröffentlichte diesen fantastischen Soundtrack erst vor kurzem auf CD, und auf Claudio Fuiano ist mal wieder zu 100% Verlaß!  „Digitally selected, edited, restored and remastered by Claudio Fuiano“ ist seit mehreren Jahren schon ein echtes Markenzeichen geworden – so selbstverständlich  auch im Falle von L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA, denn der gute Claudio Fuiano bekam die originalen Stereo-Mastertapes aus den Archiven in die  erfahrenen Hände. Und ja, der Sound ist kristallklar und dynamisch. Eigentlich braucht man das bei einem Top-Label wie DIGITMOVIES schon gar nicht mehr zu erwähnen. Auf jeden Fall sollte man sich beeilen, wenn man sich die CD noch in den Schrank stellen möchte, denn obwohl keine Angaben auf der CD zu finden sind, wurden wie bei allen Scheiben von DIGITMOVIES nur 500 Exemplare produziert.

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Genial ist, daß man das zum Niederknien schöne Titelthema in insgesamt neun Variationen zu hören bekommt. Es ist ein mitreissendes Liebesthema in einem leicht poppigen Gewand, dessen Melodien man bis an sein Lebensende nicht mehr vergessen dürfte. Die restlichen neun Nummern bestehen dann aus leicht schräger und mysteriöser Spannungsmucke, die die dramatische Atmosphäre des Films in den Suspense-Szenen sehr passend unterstreicht. Aber allein die verschiedenen Variationen des Titelthemas sind das Eintrittsgeld alleine wert. Diese herrlichen Ohrwurm-Melodien bekommt man einfach nicht mehr aus dem Kopf! Es klingt ein wenig nach einer etwas fröhlicheren Variante von CRUCIFIED WOMAN, einem Stück, daß Riz Ortolani sieben Jahre nach L’ETRUSCO UCCIDE ANCORA für das Meisterwerk CANNIBAL HOLOCAUST von Ruggero Deodato schrieb. Wenn man sich intensiv mit der Musik von ihm befasst, erkennt man seine Werke schnell, weil die Melodien eben gleichzeitig wunderschön und dramatisch sind.
Sehr interessant ist auch das Booklet geworden, das mit vielen Bildern und Linernotes von Claudio Fuiano und Armando Crispinos Sohn Francesco ausgestattet wurde.
Und als Giallo-Fan sollte man sich natürlich nicht nur die CD, sondern auch die DVD von DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES ins heimische Regal stellen, die neben der deutschen Kino- auch eine ungeschnittene Fassung bietet, die immerhin satte sieben Minuten länger läuft:

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