LUCIO FULCI: BIOGRAFIE, FILMOGRAFIE UND BILDERGALERIE

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LUCIO FULCI

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BILDERGALERIE

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„Lucio Fulci – dieser Name lässt die Herzen der Horrorfilmfans weltweit höher schlagen wie kaum ein anderer. Fünf Filme sind es im Wesentlichen, auf denen sein Ruhm basiert. Mit WOODOO, DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES legte Fulci 1979 den Grundstein für seine zweite Karriere und für seinen Ruf als legendärer Regisseur kompromisslos harter Horrorfilme, nachdem er bereits knapp drei Jahrzehnte im Filmbusiness tätig war und einige durchaus beachtliche Filme, ja zum Teil wahre Meisterwerke gedreht hatte, die jedoch lange weitestgehend ignoriert wurden. Mit seinem zweiten Horrorfilm EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL gelang es ihm ein Jahr später, diesen Ruhm zu verfestigen und sich auch bei Sittenwächtern und Jugendschützern einen Namen zu machen. Endgültig zementiert hat Fulci seinen Status kurz darauf mit DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES, der als einer der wichtigsten italienischen Horrorfilme gilt. Wer darüber hinaus kaum mehr als DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER und DER NEW YORK RIPPER kennt, hat einiges nachzuholen. Die Vielfalt von Fulcis Schaffen ist erstaunlich, und während seine frühen Komödien möglicherweise entbehrlich sind, hat er zu anderen Genres wie dem Italo-Western und insbesondere dem giallo bemerkenswerte Beiträge abgeliefert. Es gibt viel zu entdecken von dem Regisseur, der es wie kaum ein anderer verstanden hat, Tod und Zerfall in extrem harte, oft aber zugleich geradezu poetische Bilder zu kleiden. Fulci ist weit mehr als ein Holzsplitter, ein Rasiermesser im Auge und spektakulär erbrochene Eingeweide, und auch die Filme, aus denen diese schon ikonischen Bilder stammen und auf die sie leider allzu oft reduziert werden, haben weit mehr zu bieten als geistloses Gemetzel. Fulci lives; das Credo seiner Fans hallt noch immer durch die Filmforen des Internets, auch mehr als 30 Jahre nach der Entstehung seiner bekanntesten Werke und knapp 20 Jahre nach seinem Tod. Das wird vermutlich auch nach weiteren 30 Jahren noch so sein, aber vielleicht gründet sein Ruhm bis dahin auf mehr als nur fünf Filmen.“ *

– MARTIN BEINE (TENEBRARUM) –

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Ohne Zweifel ist Lucio Fulci, geboren 1927 in Rom, einer der bedeutendsten Regisseure im Horror/Giallo-Genre, die das Kino jemals gesehen hat (zumindest für echte Kultfilmfans). Doch die gängige Bezeichnung GODFATHER OF GORE finde ich ein wenig ungerecht, denn diesen Namen könnte man eher einem Herrschell Gordon Lewis zukommen lassen, der ja das Gore-Genre auch tatsächlich erfunden hat (damals in den frühen ’60ern). Doch Lucio Fulci hatte viel mehr zu bieten als reine Splattergemetzel, wobei ich seine Goreknaller aus den Jahren 1979 bis ’82 natürlich auch liebe.

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Daß sein Name immer wieder oft in einem Atemzug mit anderen italienischen Regisseuren wie zum Beispiel Mario Bava, Dario Argento und Riccardo Freda genannt wurde, kann ich ebenfalls nicht so ganz nachvollziehen, denn alle diese Regisseure hatten einen eigenen originellen Stil und verließen das Horror/Giallo-Genre nur ganz selten – Fulci dagegen hat Zeit seines Lebens nicht das eine Genre gefunden, das ihm wirklich zusagte (abgesehen vielleicht vom Hardgore-Genre). Ohne George Romeros Zombie-Kultklassiker von 1978 hätte es seine Horrorlaufbahn niemals gegeben. Mario Bava und Dario Argento dagegen haben ihre Wurzeln niemals verlassen und sind dem Horror- und Giallo-Genre stets treu geblieben, auch wenn Mario Bava natürlich den einen oder anderen Western und auch mal einen Peplum-Klassiker wie VAMPIRE GEGEN HERAKLES inszenierte (der deutsche Filmtitel verrät jedoch schon, daß Bava auch in diesem knallbunten Epos die genialen Hände nicht vom Horror lassen konnte).
Fulci musste viele Jahre nach einem eigenen Stil suchen, bis er 1969 mit dem sehr erotischen Krimi PERVERSION STORY endlich das Giallo- und nochmals zehn Jahre danach das Horror- und Zombie-Genre für sich entdeckte, denn das lag ihm eindeutig mehr als die harmlosen Komödien aus seinen frühen Tagen als Regisseur (auch wenn ich seine Filme aus den ’60ern längst nicht alle kenne).

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Einst verglich Lucio Fulci in einem Interview seine eigenen Horrorfilme mit denen Dario Argentos, was ich jedoch nicht so ganz nachvollziehen kann, weil gerade in Argentos Frühwerken die Charaktere auf sehr ästhetische Weise sterben durften, während Fulci auf drastische Härte setzte. Nehmen wir doch einfach mal das Jahr 1982: Dario Argento drehte damals den fabelhaften Giallo TENEBRE und Lucio Fulci THE NEW YORK RIPPER. Beide Filme waren extrem blutig und doch verschieden wie Tag und Nacht! In TENEBRE (das ins Deutsche übersetzt „Dunkelheit“ bedeutet) tauchte Argento die Stadt, das Dekor und die Wohnungen in gleißend helles Licht und Sonnenschein, während Fulci in THE NEW YORK RIPPER eine wirklich finstere, misogyne, depressive, schmuddelige Welt offenbart.
Auch Mario Bavas knallbunte, megastylische Märchenwelten wie in VAMPIRE GEGEN HERAKLES und DIABOLIK kann man in Fulcis Werken so nicht finden. Jedoch hatte auch er seine eigenen, persönlichen Fantasiewelten erschaffen, wie man sie zum Beispiel im grandiosen Zombieschocker DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES bestaunen kann – doch die läßt sich nicht mit Bavas Stil vergleichen. Davon abgesehen konnte der liebe Lucio in seinen besten Werken (speziell in den drei Kultfilmen seiner sogenannten Gotik-Trilogie (EIN ZOMBIE HING AM GLOCKSEIL, DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER und DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES) eine beklemmende Atmosphäre des Grauens inszenieren, die einem wirklich noch Angst und Bange machen kann. Diese Atmosphäre erinnert auffällig an die Kurzgschichten von H.P. Lovecraft, wobei es ihm scheinbar besonders die unheimliche Sci-Fi-Story DIE FARBE AUS DEM WELTALL angetan haben muß.
Doch zurück zu den Anfangstagen: Nachdem Lucio Fulci zehn Jahre als Drehbuchautor (insgesamt verfasste er mehr als sechzig Skripte) und Regieassistent (unter anderem bei Mario Bava) gearbeitet hatte, war es im Jahre 1959 schließlich endlich so weit, selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen – und zwar für die Komödie RAGAZZI DEL JUKE-BOX mit den blutjungen Adriano Celentano und Anthony Steffen. In den folgenden Jahren drehte er weitere Komödien mit Stars wie Elke Sommer und Rosalba Neri, bis er 1966 das Genre wechselte – und zwar für den Western TEMPI DI MASSACRI mit dem ebenfalls noch sehr jungen Franco Nero in der Hauptrolle. Doch danach kehrte Fulci für weitere drei Jahre zur Komödie zurück – seinen Weg kreuzte unter anderem Heinz Rühmann (!) in DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN aus dem Jahre 1967. Doch 1969 versuchte er sich schließlich an einem Krimi Italiana namens PERVERSION STORY mit Marisa Mell und Jean Falco Götz Sorel in den jeweiligen Hauptrollen. Diesen Film kann man durchaus als ersten echten Erotik-Thriller bezeichnen, denn erst in den frühen ’90ern wurde dieses Genre wirklich groß (BASIC INSTINCT, SLIVER und viele andere). Auffällig ist ein erstes deutliches Statement von Fulci: Todesstrafe ist keine Lösung für Gewalt. Sehr vernünftige Einstellung, wie ich finde!
Nach Dario Argentos genialem Kultgiallo DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE von 1969, hatte auch Fulcis Psychothriller/Giallo A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN ein Tier im Filmtitel (solche Titel waren damals ziemlich angesagt), und obwohl der Film bis zum Finale absolut gelungen ist, fällt zum ersten Mal deutlich auf, daß Fulci Probleme mit den Story-lines hatte. Und das Ende von A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN ist so enttäuschend, daß ich beim ersten Durchlauf ziemlich fassungslos im Sessel versank. Dennoch kann ich diesen halluzinatorischen Alptraum von einem Krimi empfehlen, besonders die wundervolle britische DVD, die den Film in bester Bildqualität bietet. In den Hauptrollen kann man die leckeren Florinda Bolkan und Anita Strindberg bestaunen:
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1972 kehrte Lucio Fulci mit dem witzigen THE EROTICIST noch einmal zur Komödie zurück – und fiel beim italienischen Kinopublikum durch. Warum? Nun ja, nachdem Fulci schon 1969 mit dem Historienepos BEATRICE CENCI einen Streifen mit antireligiösen Tönen inszeniert hatte, wollte das Publikum nicht noch einmal wütend das Kino verlassen, denn auch THE EROTICIST prangert den Katholizismus stark an (diesmal jedoch auf satirische Weise) – insbesondere die Praktiken des Vatikans. Dabei muss man wissen, daß Fulci selbst auch Katholik war. Ebenfalls ein Film, den ich empfehlen kann. Möchte man anstatt eines Splatterknallers mal ein witziges Fulciwerk sehen, so macht man mit THE EROTICIST jedenfalls nichts verkehrt!
Ebenfalls von 1972 ist Fulcis zweites Meisterwerk namens DON’T TORTURE A DUCKLING, der eigentlich DON’T TORTURE DONALD DUCK heißen sollte, doch weil man sich nicht mit dem mächtigen Disneyimperium anlegen wollte, verzichtete man schließlich auf den ursprünglichen Titel. In Großbritannien lief er jedoch tatsächlich mit dem „Donald“ im Titel! 

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Und auch in diesem Film ließ Lucio Fulci verschiedene Statements vom Stapel: Zum einen seine herbe Kritik an die Dorfgemeinschaften in Süditalien, wo in seinen Augen Selbstjustiz und Nazitum freie Hand haben. In dem Film gibt es eine erste ungemein sadistische Szene, die er knapp zehn Jahre nach diesem gialloesken Streifen wiederholte: Florinda Bolkan wird als Verdächtigte von wütenden Dorfbewohnern grausam zu Tode gepeitscht, während in DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES ein Mann erst mit Ketten geschlagen, an die Wand genagelt und schließlich mit ungelöschtem Kalk übergossen wird… Laut Fulci waren diese beiden Szenen und die Bohrmaschinensequenz in EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL Statements gegen den Faschismus, was mir den Lucio so richtig sympathisch macht!
In einem kleinen Ort im südlichen Italien werden in kurzen Zeitabständen die Leichen von kleinen Jungs entdeckt, die zumeist erdrosselt wurden. Schnell richtet sich die Wut der Gemeinschaft gegen den vermeintlichen Dorftrottel, den alle ganz selbstverständlich für den Täter halten – doch bald schon stellt sich heraus, daß der Mann unschuldig ist. Nach weiteren Morden gerät die „Hexe“ Macaria (die wundervolle Florinda Bolkan) unter Verdacht, die kurz darauf von einigen Bewohnern langsam zu Tode gepeitscht wird (eine unglaublich sadistische Sequenz, die in so einem Werk mehr an die Nieren geht als in einem Zombieschocker). Doch auch sie entpuppt sich als unschuldig, denn der wahre Kindermörder ist…
Puh, da hatte sich Lucio Fulci ein extrem heikles Thema ausgesucht bzw. gleich mehrere brisante Themen in einem einzigen Film: Pädophile, eine Nymphomanin, Morde an Kindern… Doch vor allem seine deutliche Anklage in Richtung der katholischen Kirche dürfte dem damaligen Kinopublikum des Jahres 1972 sehr mißfallen haben (siehe speziell die Identifikation und vor allem die Motivation des wahren Täters). Schaut man sich diese Themen heute frei von Hysterie einmal in Ruhe an, entdeckt man vieles, was durchaus sehr realistisch ist!

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In meinen Augen ist der Film ein echtes Meisterwerk von einem Giallo, das brilliant fotografiert und toll besetzt ist, und zwar mit Tomas Milian, Barbara Bouchet (als Nymphe, die sich kleinen Jungs gerne nackt zeigt), Irene Papas und natürlich Florinda Bolkan.
Die DVD von BLUE UNDERGROUND zeigt diesen derben Klassiker komplett ungeschnitten und die Bildqualität kann man zumindest als ok bezeichnen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, das aus dem originalen Kameranegativ noch deutlich mehr rauszuholen ist. Vielleicht gibt es ja eines Tages die Fassung, die DON’T TORTURE A DUCKLING auch wirklich verdient hat. Muß man als Fulci-Freak jedenfalls mal gesehen haben…

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Nach einigen WOLFSBLUT-Filmen kam dann 1975 Fulcis Western VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN in die Kinos und spielte ebenfalls nicht das große Geld ein, denn die goldene Zeit des Italowesterns war längst abgelaufen. Denselben „Fehler“ machte Fulci mit dem spannenden DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN von ’77, denn zu diesem Zeitpunkt wollte kaum noch jemand einen Giallo sehen. VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN ist jedoch ein ziemlich cooler Antihelden-Western mit Fabio Testi und Tomas Milian in den Hauptrollen.
Und DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN (vor kurzem als Mediabook von ’84 erschienen) ist zwar nicht gerade stimmig (insgesamt werkelten vier Autoren an dem Skript und man konnte sich anscheinend nicht auf einen Stil einigen), doch die Mischung aus purem Giallostoff, Mysterykrimi und altmodischer Detektivgeschichte macht dennoch Spaß. In DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN wiederholt Fulci eine ganz bestimmte Szene aus DON’T TORTURE A DUCKLING, die ich jedoch nicht verraten werde. Funken sprühen diesmal aber nicht!

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1979 hatte Lucio Fulci seit zwanzig Jahren Regie geführt, doch eigentlich nie zu einem bestimmten Stil gefunden. Doch nachdem ein Jahr zuvor George Romeros Meisterwerk ZOMBIE die Kassen klingeln ließ, reagierte Produzent Fabrizio de Angelis am Schnellsten und fragte Enzo Castellari, ob er sich vorstellen könne, einen blutigen Zombiefilm zu inszenieren. Castellari lehnte jedoch dankend ab, weil er mit solch horriblen Stoffen nichts anfangen konnte. So landete man schließlich bei Lucio Fulci, der zusagte und froh war, endlich einen weiteren Film drehen zu können. Soviel kann ich vorwegnehmen: Sein WOODOO, DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES spielte bis heute mehr Kohle ein als ZOMBIE von Romero. Sagen jedenfalls die Experten. In meinen Augen ist ZOMBIE jedoch eindeutig der bessere Film, einfach ein grandioses Jahrhundertwerk, doch Fulci hatte das Horrorgenre für sich entdeckt – und mit jedem weiteren Werk sollte er sich schließlich steigern, und zwar bis ins Jahr 1982, dem der langsame Absturz folgte…
Doch in den Jahren 1979 bis ’82 drehte Fulci insgesamt neun Filme, von denen mindestens drei zu den gigantischsten Splatterwerken gehören, die jemals gedreht wurden. Und zwar waren das die drei Streifen aus seiner sogenannten Gotik-Trilogie, bestehend aus EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980), DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER (1981) und DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (ebenfalls von 1981).
Und mit dem extrem heftigen THE NEW YORK RIPPER drehte er den zusammen mit MANIAC härtesten und finstersten Slasher, der jemals das Licht der Leinwände erblickte. Sehr misogyn, dennoch fast schon harmlos, wenn man ihn mit den japanischen Frauenfolterstreifen aus den ’70ern vergleicht.

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„THE BOAT CAN LEAVE NOW. TELL THE CREW!“, sagt Richard Johnson zu Beginn von WOODOO. Zwei Sätze, die allen Italo- und Zombie-Fanatikern bekannt sein dürften. Sie leiten einen längst nicht so blutigen Film ein, wie einem das manche Leute glauben machen wollen. Und obwohl WOODOO qualitativ nicht mit ZOMBIE mithalten kann, muß man bedenken, das Romeros Streifen 2 Millionen kostete und WOODOO 500.000 Dollar. Budgets sind nicht alles, doch wichtig für einen vernünftigen Film. Wie wichtig die Kohle ist, zeigen nämlich sämtliche Fulci-Werke, die nach 1982 gedreht wurden.

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Die Vorwürfe seitens der Mainstreamkritiker, daß WOODOO ein Plagiat von ZOMBIE wäre, finde ich total daneben, denn WOODOO erzählt eine komplett andere Geschichte als Romeros Zombieepos. In ZOMBIE ist es vor allem der urbane Horror in den Großstädten (inklusive Konsum- und Gesellschaftskritik), während Fulcis Film eine altmodische Voodoogeschichte erzählt – wie eben im tatsächlichen Vorbild I WALKED WITH A ZOMBIE und aufgepeppt mit Gianetto de Rossis unglaublichen F/X und Zombiemasken, die einem Tom Savini alle Ehre machen! Natürlich hätte es WOODOO niemals ohne den großen Erfolg von ZOMBIE gegeben, doch das kann man ja Lucio Fulci nicht ankreiden. Jedenfalls gibt es einige sensationelle und kultige Szenen zu bestaunen – wie zum Beispiel die Sequenz mit dem Kampf zwischen Hai und Zombie. Ha, ich frage mich, ob diese Szene eine Hommage an DER WEISSE HAI gewesen sein sollte, schließlich waren Tierhorrorfilme in den ’70ern ziemlich angesagt beim Kinopublikum. Die Schlußsequenz mit den Zombies in New York wurde ohne Drehgenehmigung inszeniert – Hut ab! Und mit Richard Johnson gab es auch einen erstklassigen Darsteller in der guten Besetzung, die mit Al Cliver und Tisa Farrow zwei bekannte Mimen aus diversen Europloitation-Knallern aufbietet. Richard Johnson kennen die meisten bestimmt aus dem Spukhaus-Meisterwerk BIS DAS BLUT GEFRIERT und NIGHT CHILD mit Nicoletta Elmi.
Horror-, Zombie und Fulci-Freaks, die deutschen Ton haben möchten, kann ich die CMV-Glasbox-Edition empfehlen, die auf schlappe 399 Exemplare limitiert ist. Wem das nicht reicht, dem empfehle ich das Mediabook von XT VIDEO, das mit massiv viel Bonusmaterial und einem fabelhaften Booklet von Martin Beine ausgestattet ist.

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Nachdem Fulci 1980 mit DAS SYNDIKAT DES GRAUENS nochmals einige Jahre „zu spät“ dran war mit einem Genre-Werk (Mafia- und Polizeifilme waren eigentlich seit 1977 nicht mehr besonders gefragt), kam dann EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL auf die große Leinwand, den sich meine Mom nach dem Schock durch ZOMBIE nicht mehr ansehen wollte… Und spätestens jetzt wurde zum ersten Mal wirklich deutlich, daß Fulci in seinem Element war, denn GLOCKENSEIL zeigt ihn in absoluter Höchstform. Seit seinem letzten Meisterwerk DON’T TORTURE A DUCKLING waren schließlich auch schon satte acht Jahre vergangen.
In dem kleinen Ort Dunwich bei Massachusetts betritt der Priester William Thomas einen nebelverhangenen Friedhof und begeht Selbstmord mit dem Strick (deshalb auch der bekloppt-kultige deutsche Titel EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL) – was bei den Katholiken bekanntlich als größte Sünde gilt. Zur selben Zeit leitet Mary (Catriona MacColl) in New York eine Seance, und in ihren Visionen wiederholt sich die Szene vom Selbstmord des Priesters, worauf sie schließlich durch einen Schock in eine katatonische Trance fällt und vom ansässigen Arzt (Lucio Fulci höchstselbst – seine Cameoauftritte können sich durchaus sehen lassen) für tot erklärt wird, während der ermittelnde Kommissar vor einem bizarren Rätsel steht (als Streifenpolizist dabei: Kultbösewicht Luciano Rossi).
Dann betritt der Journalist Peter Bell (vom Schotten Christopher George gemimt, den man auch aus dem kultigen Tierhorror-Schocker GRIZZLY von 1976 kennen kann) die Szenerie. Er wittert eine interessante Story, was ihn auf den Friedhof an Marys Grab führt. Die Totengräber (einer von ihnen ist Perry Pirkanen aus Ruggero Deodatos monströsem Meisterwerk CANNIBAL HOLOCAUST) sind jedoch schnell genervt von Peters Fragen und machen sich aus dem Staub. Als sich auch Peter anschickt den Friedhof zu verlassen, ertönen aus Marys Sarg laute Hilfeschreie…
Doch nachdem Peter Bell die lebendig begrabene Mary vor einem schrecklichen Tod bewahren konnte, geschehen in Dunwich seltsame Dinge: Tote kehren zurück, Spiegel zerspringen, Wände bluten und manche Bewohner drehen durch und beginnen zu morden. In dem zurückgebliebenen Bob (Giovanni Lombardo R.) finden die Menschen schnell einen Schuldigen (denke an DON’T TORTURE A DUCKLING) für die mysteriösen Geschehnisse – und dann kommt eine Szene, die ein weiteres Statement Fulcis ist: Bob wird vom Vater eines jungen Mädchens mit einer Bohrmaschine getötet. Diese Sequenz steht für die Lynchjustiz in kleinen Ortschaften – und für die Intoleranz, Gesetze einfach zu missachten.
Doch damit nicht genug, denn auch die wundervolle Daniela Doria darf auf ziemlich unangenehme Art und Weise den Silberlöffel reichen… 
Für diese Szene kaufte man Schafseingeweide, die Daniela Doria verschlang und anschließend vor Sergio Salvatis Kamera auskotzte! Natürlich gibt es in dieser irrwitzigen Sequenz einen Schnitt zum Dummy, doch die ersten Sekunden ist es tatsächlich Daniela Doria selbst, die Eingeweide erbricht. Hut ab, Daniela Doria!

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Peter und Mary erreichen schließlich den verfluchten Ort Dunwich und treffen dort auf den Psychologen Jerry (der stets sympathische Carlo de Mejo mit dem verfilzten Vollbart) und die hübsche Malerin Sandra (die leckere Janet Agren). Gemeinsam stellt man sich den Höllenmächten…
Schon in diesem Film fällt deutlich auf, das Fulcis Zombies keine für dieses Genre typischen Untoten sind. Wie auch im folgenden DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES gibt es kaum Szenen, in denen die Zombies herzhaft in Menschenfleisch beißen. In GLOCKENSEIL sind es vor allem einige Gehirngrabscher, die Bohrmaschinensequenz und Daniela Dorias Kotzauftritt, die Effektegenie Gianetto de Rossi genial inszenierten.
Die Musik von Fabio Frizzi paßt auch wie die Faust aufs berühmte Auge, während die Darsteller allesamt eine Schau sind für den Eurohorror-Freak (allen voran natürlich Catriona MacColl, die in allen Fulciwerken der Gotik-Trilogie dabei ist). Auch Venantino Venantini ist als Bohrmaschinenmann mit an Bord…
Empfehlen kann ich die jeweiligen Doppel-DVDs von ARROW VIDEO und NEO PUBLISHING und das Mediabook von XT VIDEO.

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Schon im Jahre 1981 drehte Lucio Fulci dann seinen zweiten Teil der sogenannten Gotik-Trilogie namens DAS HAUS AN DER FRIEDHOFMAUER – wobei, eine Friedhofmauer gibt es in dem Film nicht). Die Pre-Credit-Sequenz ist zwar spannend und toll fotografiert von Sergio Salvati, doch erinnert stark an die amerikanischen Teenieslasher, die damals ziemlich angesagt waren. Daniela Doria bekommt dieses Mal ein langes Messer in den Schädel gedonnert, während ihr in THE NEW YORK RIPPER die Brustwarzen gespalten werden. Hatte Fulci vielleicht was gegen sie???
Naja, Dario Argento hat seine Liebste (Daria Nicolodi) auch gerne in seinen Gialli abmurksen lassen. Auffällig sind auch die extremen Nahaufnahmen von Augen – ein interessantes Stilmittel, genauso wie die lauten und unangenehmen Geräusche, denn die Akkustik ist gerade in einem Horrorfilm alles andere als unwichtig. In THE BLACK CAT von 1981 treibt es Fulci mit den Augen-Close-ups dann wirklich auf die Spitze, doch ich mag diese visuellen Spielereien sehr. Und Zooms gibt es in heutigen Filmen ja auch schon lange nicht mehr. Auffällig ist auch, daß Fulci nicht nur gerne Augen in Nahaufnahmen in Szene setzte, sondern das er sie auch gerne zerstört: Olga Karlatos‘ Auge in WOODOO, Daniela Dorias Auge in THE NEW YORK RIPPER, die blutenden Augen in GLOCKENSEIL usw. Augen scheinen tatsächlich so etwas wie ein Fetisch gewesen zu sein für Fulci… Wer weiß???
Doch schon die nächsten Szenen wirken alles andere als typisch amerikanisch: Norman (Paolo Malco, ebenfalls in THE NEW YORK RIPPER dabei), Lucy (Catriona MacColl) und Sohn Bob (Giovanni Frezza) ziehen von New York nach Boston in das unheimliche Haus des unter mysteriösen Umständen verstorbenen Professors Peterson. Es ist Teil von Normans Job, herauszufinden, was einst mit dem Professor geschah und an welchem Projekt er forschte. Doch dann sieht Bob die geisterhafte Erscheinung eines rothaarigen Mädchens (Silvia Collatina, die heute eine entzückende Lady ist), das ihn vor dem Haus in dem sie wohnen warnt – und auch die Nanny Anne (Ania Pieroni aus Dario Argentos INFERNO) verhält sich sehr seltsam. Bob hat schließlich eine unheimliche Vision, in der einer Schaufensterpuppe, die aussieht wie die Nanny Anne, der Kopf abhanden kommt…
Norman entdeckt dann die Aufzeichnungen des Professors Peterson, während im Haus der Familie seltsame Dinge vor sich gehen, die ihren Ursprung anscheinend im finsteren Keller haben. Eines abends schleicht sich Bob in die Küche, öffnet die schwere Tür, die in den Keller führt, und wagt sich hinein…
FRIEDHOFMAUER ist wie GLOCKENSEIL (und auch GEISTERSTADT) ein Alptraum in bewegten Bildern, eine irrwitzige Reise in die Phantastik. Fulci spielt auf originelle Weise mit Kindheitsängsten, die Giovanni Frezza auch wunderbar ins Gesicht geschrieben stehen. Ich kann diese Ängste voll und ganz nachvollziehen, denn auch ich hatte Bammel vor dem „Schwarzen Mann“, dem Monster unterm Bett, dem Skelett im Schrank… Wenn ich mir den Film in einsamen Nächten anschaue, bemerke ich jedes Mal wie toll die darstellerische Leistung von Giovanni Frezza doch ist, denn er spielt den Jungen auf eine sehr glaubhafte Art und Weise. Fulci ist so gemein, ihn direkt mit blutigen Szenen zu konfrontieren – kein Zusammenschnitt am Schneidetisch, nein, der Knabe ist mittendrin im Gemetzel! Heutige Fotos und Interviews beweisen jedoch, daß die Dreharbeiten keine bleibenden Schäden verursacht haben…
Und spätestens mit dem Auftauchen eines gewissen Dr. Freudsteins läßt Fulci dem Zuschauer keine Sekunde mehr Zeit zum Atemholen, während besonders die surrealistischen Momente grandios fotografiert und inszeniert wurden. Dazu kommen einige fantastische Momente, die sich zumeist im Haus abspielen und eine extrem dichte, klaustrophobische Atmosphäre erzeugen, die man in keinem anderem Fulciwerk findet (abgesehen von GEISTERSTADT natürlich). Und die Splattereffekte sind wirklich extrem drastisch – da werden Hälse aufgerissen (sehr beliebt bei Fulci, denn schließlich ist die Halspartie das verletzlichste Körperteil des Menschen), Fledermäuse zermatscht – eine besonders fiese Szene mit lautstarken Geräuschen, die sich zu einem typischen Stilmerkmal für Fulci entwickelten, das man besonders in GEISTERSTADT noch zu hören bekommen sollte -, Leute abgestochen und abgemurkst wie nix Gutes. Doch Fulci, das alte Genie, schafft es doch, daß auch FRIEDHOFMAUER viel mehr ist als nur ein Splatter-gemetzel der Mittelklasse, denn die surrealistische Atmosphäre erinnert mehr denn je an H.P. Lovecraft.
Seine Horrorfilme aus den Jahren 1980 bis ’82 haben eine Magie, eine Ausstrahlung, die man nur schwer in Worte fassen kann. Sie spielen vor allem mit der Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und dem unangenehmen Wissen um den eigenen Tod. Da die meisten Menschen solche Gedanken gerne verdrängen, sind sie vielleicht auch so schockiert beim Sichten so eines horriblen Fulci-Werkes wie eben FRIEDHOFMAUER oder GEISTERSTADT, denn gerade Möchtegernkritiker und Logikfanatiker hassen diese Streifen ganz besonders. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst!
Und warum bestehen eigentlich so viele Leute auf Logik in einem Horrorfilm?! Haben Alpträume denn eine Logik?! Die Figur des Dr. Freudstein ist doch die Angst selbst, die den Menschen im Nacken sitzt. Die Angst vor der Dunkelheit, die Angst vor dem Sterben und dem endgültigen Ende des Daseins.
Es gibt unzählige Versionen dieses Kultwerkes, von denen die meisten nicht viel taugen. Empfehlen kann ich die Blu-Rays von BLUE UNDERGROUND und ARROW VIDEO und das Mediabook von XT VIDEO, das mit einem grandiosen Booklet von Martin Beine ausgestattet ist. Interessant ist auch, daß Fulci sich nach eigenen Worten von dem Meisterwerk DAS VERSTECK beeinflußen ließ. DAS VERSTECK kann ich jedenfalls allen Psychothriller- und Giallo-Fanatikern ans Herz legen.

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Noch im selben Jahr erreichte das Können von Lucio Fulci seinen absoluten Höhepunkt: DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES ist zusammen mit ZOMBIE das Ultimum im Zombie-Genre. Alles was danach kam ist nicht mehr interessant (für mich jedenfalls nicht), denn spätestens mit Kasperklamotten wie RETURN OF THE LIVING DEAD 2 ist das Zombie-Genre gestorben. So ist das meistens mit allen ernsthaften Genres: Kommen erstmal die ersten Komödien, ist auch bald schon Feierabend… Einzig DAY OF THE DEAD von George Romero ist noch interessant – und spätestens mit diesem Film war alles gesagt, was es zum Zombie-Genre zu sagen gibt. Ich muß jedoch gestehen, daß ich bei einem Bekannten mal in das Remake von DAWN OF THE DEAD reingeschaut habe – Himmel, ist das eine miserable Gurke! 
GEISTERSTADT zieht einem dagegen jedenfalls komplett die Schuhe aus – im positiven Sinne natürlich! Nie waren die Zombiemasken so unheimlich, die Splattereffekte so grandios und die eigentliche Story so unwichtig wie in diesem Jahrhundertwerk.
„WHAT I WANTED TO GET WITH ACROSS WITH THIS FILM WAS THE IDEA THAT ALL OF LIFE IS OFTEN REALLY A TERRIBLE NIGHTMARE AND THAT OUR ONLY REFUGE IS TO REMAIN IN THIS WORLD, BUT OUTSIDE TIME.“
Keine positive Botschaft von Lucio Fulci – so viel ist klar. Es gibt viele Regisseure, die einen wütenden Beitrag zum Thema Mensch abgeliefert haben. Beispiele sind Mario Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS, in dem Bava den Menschen als habgieriges Monster darstellt, das für Geld im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Selbst ein Paul Naschy hatte 1980 die Schnauze voll und zeigte den Menschen als Bestie, was sich schon sehr schön vom Originaltitel ableiten lässt: EL CARNAVAL DE LAS BESTIAS (aka HUMAN BEASTS). Und um zu Fulci zurückzukommen – seinem THE NEW YORK RIPPER merkt man durchaus an, daß er damals einen gewaltigen Haß auf seine zweite Ehefrau schob, denn kein Fulci-Werk ist so misogyn und voller Haß wie dieses blutige Slasher- und Splatterepos, das selbst dem nihilistischen MANIAC noch Konkurrenz machen kann.
Gleich die Pre-Credit-Sequenz von GEISTERSTADT ist zugleich Hommage an die alten Universalklassiker wie FRANKENSTEIN und ein weiteres Statement zum Thema Selbstjustiz. Im Louisiana des Jahres 1927 (Fulcis Geburtsjahr!) bekommt der Maler Schweick (Michele Antoine aus THE KILLER MUST KILL AGAIN) in einem Zimmer des Hotels zu den 7 Toren unfreundlichen Besuch von den Dorfbewohnern, die ihn erst mit Ketten auspeitschen, an die Wand nageln und schließlich mit Kalk übergießen. Zartbesaitete sollten sich den Film jedenfalls nicht unbedingt anschauen! :twisted:
Im Jahre 1981 erbt die hübsche Lisa (Catriona MacColl) schließlich das finstere Hotel und lässt es renovieren – doch die Handwerker nippeln allesamt auf bizarre Art und Weise durch „Unfälle“ ab. Mein Liebling dabei ist Joe, der nette Klempner von nebenan. Doch in dem heißen Südstaatenkaff Louisiana gibt es natürlich auch freundliche Leute wie den Arzt Dr. McCabe (stets sympathisch: David Warbeck), der Lisa hilfreich unter die Arme greift. Und auch die mysteriöse Emily mit dem lieben Schäferhund steht Lisa anfangs zur Seite. Doch die unheimlichen Geschehnisse scheinen kein Ende zu nehmen, und McCabe und Lisa beginnen schließlich zu recherchieren, um herauszufinden, was in dem Ort eigentlich vor sich geht. Als sie letztendlich begreifen, das Lisas Haus auf einem der sieben Tore zur Hölle errichtet wurde, ist es bereits zu spät…
Auch bei diesem Fulcischocker sind die Kritiken oft negativ (zum Beispiel die bescheuerte BADMOVIES-Rezension, die eine absolute Frechheit ist), und ich habe das Gefühl, daß das, was Lucio Fulci mit seinen Zombiewerken ausdrücken wollte, einfach nur von echten Kultfilmfans verstanden werden kann. Allen anderen fehlt anscheinend ganz einfach die Fantasie, denn gerade GEISTERSTADT gehört zu den wenigen Horrorfilmen, die so eine extrem dichte und beklemmende Atmosphäre des Grauens aufbauen, verstärken und am Schluß so explodieren lassen können wie es in GEISTERSTADT der Fall ist. Die Splatter-effekte hauen mich auch beim x-ten Durchgang noch vom Stuhl – besonders die Spinnen- und die Säuresequenz im Leichenschauhaus sind grandios inszeniert – nie waren Spinnen so erschreckend! Doch ich liebe vor allem die ruhigen und unheimlichen Momente, besonders die Szene, in denen mehrere Zombies die blinde Emily besuchen. Sie stehen im Dunkel, starren Emily an, warten ab – und dann schnappt sich Emilys Hund den Schweickzombie und die Hölle ist los. Was für eine faszinierende Gänsehautszene!
Dann natürlich die Sequenz, in der Joe erst ganz langsam aus dem fauligen Wasser der Badewanne emporsteigt und anschließend die Putzfrau an den Nagel hängt. Naja, seinen Klempnerjob musste er ja zuvor auch schon an den Nagel hängen!
Neben Catriona MacColl und David Warbeck bekommt man den kultigen Al Cliver aus Fulcis WOODOO als Leichenarzt zu sehen. Dann die an Nicoletta Elmi erinnernde Maria Pia Marsale und die süße Cinzia Monreale, die die blinde Emily mimt. Die überragende Fotografie besorgte (wie auch in Fulcis beiden anderen Werken aus der Gotik-Trilogie) Sergio Salvati, der in meinen Augen mit GEISTERSTADT seine beste Arbeit abgeliefert hat.
GEISTERSTADT hat seine eigene spezielle Art von alptraumhafter Logik, die die meisten Kritiker nicht sehen können oder einfach nicht sehen wollen. Auch die Zombies sind wie in GLOCKENSEIL eher untypisch, denn sie killen auf originelle Weise und kaum mal durch herzhaftes Zubeißen. Das Skript schrieben Dardano Sacchetti, Giorgio Mariuzzio und Lucio Fulci höchstselbst – raus kam eine blutige, surrealistische Reise in die Phantastik. Mehr noch als schon in GLOCKENSEIL erinnert die Atmosphäre an H.P. Lovecrafts Kultgeschichte DIE FARBE AUS DEM WELTALL – nicht die Story selbst, sondern die intensive Atmosphäre des Grauens und das Gefühl, daß die Helden des Films kein Happy End erleben werden. So ist GEISTERSTADT eigentlich ein Fantasymärchen für Erwachsene (ok, ich habe ihn schon als Kind gesehen…)
David Warbeck konnte sich einen Scherz nicht verkneifen: im Fahrstuhl des Krankenhauses steckt er eine Patrone in den Lauf des Revolvers – und nicht in die Trommel!
Empfehlen kann ich die Mediabooks von XT VIDEO, wobei mir die EIBON-Variante definitiv am besten gefällt. Natürlich mit einem weiteren exzellenten Booklet von Martin Beine.

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Noch im selben Jahr inszenierte Fulci dann die Edgar-Allan-Poe-Geschichte THE BLACK CAT, was zeitlich eher unpassend war, denn 1981 waren Slasher und Zombiefilme angesagt – und italienisches Kino ist, wie jedes andere auch, stets ein Kommerzkino gewesen. So unromantisch das auch klingen mag. Die restaurierte BLUE-UNDERGROUND-Fassung von THE BLACK CAT zeigt, daß der Film eindeutig auch seine Stärken hat: In fettestem Breitwandformat und toll fotografiert spult sich die bekannte Geschichte in der Gegenwart von 1981 ab. Doch das Ende enttäuscht genauso wie das in DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN und in A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN. Schade eigentlich, aber was soll man machen??? 
1982 drehte Lucio Fulci dann seinen letzten wirklich großen Hardgoreknaller namens THE NEW YORK RIPPER, der von Luigi Kuveiller (PROFONDO ROSSO) brilliant fotografiert wurde und zwar sehr misogyn, aber dennoch viel mehr ist als ein lahmer Durchschnittsslasher. Den Thron von MANIAC kann THE NEW YORK RIPPER zwar nicht erreichen, doch die finstere Atmosphäre, die Donald-Duck-Stimme des Killers und die sadistischen Mordszenen machen aus diesem fiesen Splatterepos ein unterschätztes Meisterwerk!

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 Und was die Kritiker gerade bei diesem Film gerne vergessen, ist, daß Fulci brilliante Suspenseszenen wie zum Beispiel den Alptraum inszenierte, der von Kameragenie Luigi Kuveiller wundervoll fotografiert worden ist. Überhaupt ist die Fotografie von THE NEW YORK RIPPER einfach fantastisch! Da kommt einem sofort PROFONDO ROSSO in den Sinn, den Luigi Kuveiller ebenfalls fulminant ablichtete. Und die Dialoge sind teilweise richtig ulkig in THE NEW YORK RIPPER – zum Beispiel die Szene, in der der Kommissar bei einer Nutte (Daniela Doria) im Bett liegt und sie nach seinem Telefongespräch mit dem Killer fragt: „Then how does this son of a bitch know that I’m here?“
Zu sehen gibt es neben Jack Hedley einige schöne Ladies wie Antonella Interlenghi, Daniela Doria, Alexandra Delli Colli und Almanta Keller. Den fiesen Howard Ross als verdächtigen Ganoven nicht zu vergessen, während man in kleinen Nebenrollen Michele Soavi und Lucio Fulci selbst bestaunen kann. Die Splatterszenen sind natürlich extrem heftig – Fulci zelebriert diese Szenen, die dadurch sehr misogyn wirken. Was hat ihm seine zweite Ehefrau bloß angetan???
Es gibt natürlich auch von diesem Slasherklassiker viele schundige Fassungen, doch die Blu von BLUE UNDERGROUND besitzt eine tolle Qualität: satteste Farben, hohe Detailschärfe und ein absolut sauberes Bild verwöhnen das Auge. Denselben Transfer benutzten auch XT VIDEO. Das Mediabook besitzt ein weiteres glänzend geschriebenes Booklet von Martin Beine – meinem absoluten Faveschreiber. „Quack, quack, quack!“
Nach THE NEW YORK RIPPER ging es dann steil bergab mit Fulcis Karriere, was vor allem auf die extrem niedrigen Budgets zurückzuführen ist, denn das italienische Kino stürzte in den ’80ern in eine noch schlimmere Krise, die bis heute anhält (Hollywood ist Schuld!). Auch ein Dario Argento murkst sich von Film zu Film, obwohl seine Streifen bestimmt noch über ein ganz vernünftiges Budget verfügen.

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Von Fulci kann ich noch den ulkigen MAD-MAX-Verschnitt DIE SCHLACHT DER CENTURIONS empfehlen, den Barbaren-Klopper CONQUEST (inklusive Zombieauftritten) und vielleicht noch MANHATTAN BABY. MURDER ROCK von 1984 ist dagegen zum Beispiel handwerklich ok, doch diese penetrante Anbiederung an den amerikanischen Videomarkt finde ich ziemlich daneben. Da wollten die Produzenten wohl eine Mischung aus Tanz- und Slashermovie haben. Doch trotz Ray Lovelock, Olga Karlatos und Silvia Collatina ist eine ziemlich lahme Gurke rausgekommen, die auch komplett ungeschnitten total harmlos ist. Könnte ab 12 Jahren freigegeben sein.
Den absoluten Tiefpunkt erreichte Fulci dann mit miserablen Trashern wie ZOMBIE III, bei dem schon der Titel ein Scherz ist. Gegen diesen Streifen sieht selbst Andrea Bianchis DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES noch wie ein Genre-Meisterwerk aus. An ZOMBIE III werkelten auch noch Bruno Mattei und Claudio Fragasso – was für eine irre Mischung! Ulkig ist der aber irgendwie schon, muß ich zugeben…

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Als Lucio Fulci 1996 starb, ging mit ihm einer der letzten großen italienischen Regisseure verloren. Seine Werke variieren von Film zu Film, was die Qualität betrifft. Mit harmlosen Komödien konnte ich, ehrlich gesagt, noch nie etwas anfangen, dafür sind seine Gialli und Zombiefilme aber teilweise echte Spitzenklasse. Auffällig an vielen Fulciwerken ist, daß sie ins Kino kamen, als das jeweilige Genre kaum noch jemanden interessierte. Im Jahre 1978 einen Western (SELLA D’ARGENTO) zu drehen ist schon ein starkes Stück – was durchaus nicht negativ gemeint ist.
Schön zu sehen, daß heutzutage dank dem Siegeszug der Medien DVD und BD auch seine unbekannteren Werke wie THE EROTICIST zu neuen Ehren kommen. Schade finde ich, daß viele Fulcifans, so scheints jedenfalls, nur seine Splatterorgien in den Himmel loben. Seinen Krimis sollte man auch eine Chance geben – gerade PERVERSION STORY mit Marisa Mell, A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN mit Florinda Bolkan und DON’T TORTURE A DUCKLING mit Barbara Bouchet in den jeweiligen Hauptrollen sind echte Perlen des Genres.
Fazit: Danke, Lucio, für die vielen schönen Stunden, die du mir bereitet hast – und das seit über 30 Jahren. Und jedesmal wenn ich die DVD mit deinem letzten Auftritt bei FANDANGO kurz vor deinem Tod in den Player schiebe, muß ich schlucken und könnte losheulen… Und weil viele Werke unsterblich sind, werde ich sie mir noch weitere 30 Jahre anschauen. Und ich schließe diesen kleinen Artikel mit einem Zitat von MONDO DIGITAL:

„FULCI REALLY SHINES!“

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Lucio Fulcis Filmografie:

RAGAZZI DEL JUKE-BOX (1959)

JEDER DIEB BRAUCHT EIN ALIBI (1959)

HOWLERS OF THE DOCK (1960)

MIT DAMENBEDIENUNG [!] (1962)

GETTING AWAY WITH IT (1962)

THOSE TWO IN THE LEGION (1962)

EIN SELTSAMER TYP (1963)

THE SWINDLERS (1963)

WIR, DIE TROTTEL VON GEHEIMDIENST (1964)

DAS GROSSMAUL (1964)

TWO PUBLIC ENEMIES (1964)

HOW WE GOT IN TROUBLE WITH THE ARMY (1965)

002 OPERATION MOON (1965)

THE TWO PARCHUTISTS (1965)

DJANGO – SEIN GESANGBUCH WAR DER COLT (1966)

HOW WE ROBBED THE BANK OF ITALY (1966)

DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN (1967)

HOW WE STOLE THE ATOMIC BOMB (1967)

THE TALL, THE SHORT, THE CAT (1967)

PERVERSION STORY (1969)

DIE NACKTE UND DER KARDINAL (1969)

A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN (1971)

DON’T TORTURE A DUCKLING (1972)

THE EROTICIST (1972)

WHITE FANG (1973)

DER TEUFELSSCHLUCHT DER WILDEN WÖLFE (1974)

YOUNG DRACULA (1975)

FOUR OF THE APOCALYPSE aka VERDAMMT ZU LEBEN, VERDAMMT ZU STERBEN (1975)

MY SISTER IN LAW (1976)

THE PSYCHIC (1977)

SELLA D’ARGENTO (1978)

WOODOO aka ZOMBIE FLESH EATERS (1979)

CITY OF THE LIVING DEAD aka EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980)

DAS SYNDIKAT DES GRAUENS (1980)

UN UOMO DA RIDERE (1980)

THE HOUSE BY THE CEMETERY aka DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (1981)

THE BEYOND aka DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (1981)

THE BLACK CAT (1981)

THE NEW YORK RIPPER (1982)

MANHATTAN BABY (1982)

CONQUEST (1983)

DIE SCHLACHT DER CENTURIONS (1984)

MURDER ROCK (1984)

DÄMON IN SEIDE (1986)

DÄMONIA (1987)

ZOMBIE III (1988)

WHEN ALICE BROKE THE MIRROR (1988)

SODOMAS TÖDLICHE RACHE (1988)

DIE UHR DES GRAUENS (1989)

DAS HAUS DES BÖSEN (1989)

NIGHTMARE CONCERT (1990)

DEMONIA (1990)

DIE SAAT DES TEUFELS (1990)

VOICES FROM BEYOND (1990)

DOOR TO SILENCE (1991)

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* Danke an Martin Beine für das Vorwort!

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