BRITISH SPLATTER CLASSICS # 2: GESCHICHTEN AUS DER GRUFT [MEDIABOOK-REVIEW]

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BRITISH SPLATTER CLASSICS # 2

[MEDIABOOK-REVIEW]

– ANOLIS –

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GESCHICHTEN AUS DER GRUFT

[TALES FROM THE CRYPT, 1972]

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LES HORREURS DE LA CRYPTE

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!!!Screenshots beinhalten Spoiler!!!

GESCHICHTEN AUS DER GRUFT zählt für mich neben dem ebenfalls von AMICUS produzierten DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK (DR. TERROR’S HOUSE OF HORROR, 1964) und dem grandiosen CREEPSHOW von George Romero zum glorreichen Trio der besten Horror-Anthologien, die jemals inszeniert wurden. GESCHICHTEN AUS DER GRUFT ist in meinen Augen auch der beste Film, bei dem der fabelhafte Kameramann Freddie Francis als Regisseur tätig war. Doch auch seine Psychothriller der Marke HAUS DES GRAUENS (PARANOIAC, 1961), DER SATAN MIT DEN LANGEN WIMPERN (NIGHTMARE, 1963) und vor allem HYSTERIA sollte man sich nicht entgehen lassen. Seine berühmteste Fotografie ist dagegen ohne Zweifel SCHLOSS DES SCHRECKENS (THE INNOCENTS, 1961), dem wundervollsten Spukhausfilm aller Zeiten.
Doch zurück zu den Geschichten aus der Gruft, in denen man viele bekannte Gesichter zu sehen bekommt: die damals noch ziemlich leckere Joan Collins als eiskalte Mörderin, Saufnase Ian Hendry (siehe Foto unten), den unvergleichlichen Gentleman Peter Cushing, Sir Ralph Richardson und den Theatherdarsteller Patrick Magee aus SATANAS, DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE und Lucio Fulcis THE BLACK CAT von 1980.
In der ersten Geschichte HEILIGE NACHT, BLUTIGE NACHT dreht sich alles um Joanne Clayton (Joan Collins), die pünklich zu Weihnachten ihren Mann ermordet. Dann hört sie im Radio, daß aus der nahegelegenen Nervenheilanstalt ein Verrückter entflohen ist, der als verkleideter Weihnachtsmann unterwegs ist. Und während Joanne ihren Mann die Treppe runtersegeln läßt, steht der Verrückte auch schon an ihrem Fenster… Diese Episode ist zwar die schwächste von insgesamt fünf Geschichten, aber immer noch um Welten besser, was in späteren Jahren noch an Horror-Anthologien folgen sollte.
De zweite Episode namens SPIEGELBILD DES TODES ist dann meine absolute Lieblingsgeschichte: Carl Maitland (Ian Hendry) verabschiedet sich von seiner Frau und seinen beiden Kindern. Er erzählt seiner Frau, daß eine wichtige Gechäftsreise ansteht. Doch in Wahrheit will er mit seiner Geliebten Susan (Angie Grant) ein neues Leben beginnen. Die beiden bauen jedoch einen schweren Autounfall und rasen einen Abhang hinunter. Als Carl wieder zu sich kommt, geht er zu Fuß zurück zu seiner Frau, die ihn mit Entsetzen zur Erkenntnis nimmt. Als er weiter durch die nächtlichen Straßen wandert, flüchten zwei weitere Leute vor seinem Anblick. Was ist mit ihm geschehen??? Diese extrem unheimliche Episode besitzt einen der größten Schockeffekte, die ich jemals in einem Horrorfilm gesehen habe. Verraten werde ich sie jedoch selbstverständ-lich nicht…

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Die mitreißende Episode POETISCHE GERECHTIGKEIT glänzt dann mit einem fantastisch spielenden Peter Cushing als verarmter Witwer Arthur Grimsdyke. Sein fieser Nachbar James Elliot (Robin Phillips) möchte Arthur mit allen Mitteln aus der Nachbarschaft vertreiben. Arthur werden zunächst seine geliebten Hunde weggenommen. Doch damit nicht genug, denn James Elliot treibt Arthur Grimsdyke mit gemeinen Valentinskarten in den Selbstmord. Doch Arthur beschäftigte sich kurz vor seinem Tod mit Schwarzer Magie und Okkultismus… Peter Cushing ist einfach wunder-voll in seiner Rolle. Gerade wenn man bedenkt, daß seine Frau kurz vor den Dreharbeiten verstorben war. In keiner anderen Horror-Episode, die ich kenne, war ich deshalb auch so froh über Rache aus dem Jenseits wie hier! Die Szenen, in denen Peter Cushing sich erst aus dem Grab erhebt und schließlich durchs Haus von James Elliot schleicht, sind fabelhaft fotografiert und sehr unheimlich…

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Die Story in der Episode DREI WÜNSCHE kennt man natürlich vor allem aus der Erzählung DIE AFFENPFOTE. In DREI WÜNSCHE wünscht sich Enid Jason (Barabara Murray) als erstes viel Kohle – was denn auch sonst! Doch ihr Mann Ralph Jason (Richard Greene) verunglückt kurz darauf bei einem Autounfall. Nun wünscht sich Enid, daß ihr Mann wieder so zu ihr zurückkommt, wie er Sekunden vor dem Unfall war. Und schon betreten Leichenbestatter ihre Wohnung und erfüllen ihr den Wunsch… Man ahnt in DREI WÜNSCHE natürlich, wie die Geschichte ausgeht, dennoch ist es Freddie Francis gelungen, ein paar grandiose Schockeffekte einzubauen, die man so mit Sicherheit nicht erwartet hätte. Erst recht nicht bei einem Film, der ab 12 Jahren freigegeben ist!
Die letzte Episode SCHARFER DURCHGANG liebe ich vor allem, weil ein Hund (in diesem Falle ein  hübscher Schäferhund) die entscheidende Rolle spielt. Hier geht es jedenfalls darum, daß William Rogers (Nigel Patrick) ein Blindenheim übernimmt und drastische Sparmaßnahmen einleitet. Als kurze Zeit später einer der blinden Bewohner wegen diesen Sparmaßnahmen stirbt, sinnen die verbliebenen Bewohner nach Rache… Aber was könnte der Hund Shane des Besitzers William Rogers mit dem Ausgang der Gesschichte zu zu haben??? SCHARFER DURCHGANG ist die längste Episode, die vor allem auf das Finale setzt, das dann auch äußerst spannend inszeniert wurde…

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Die Bildqualität der BD des Mediabooks von ANOLIS ist eine absolute Augenweide. Ähnlich wie bei FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK sind besonders die knallbunten Farben, die Schärfe des Bildes und der Kontrast nahe an der Perfektion. Schon die US-DVD sah toll aus, aber dieser Transfer haut wirklich alles locker in die Tonne. Das ist einer der besten Transfer, die ich jemals von Filmen aus den frühen ’70ern gesehen habe.
Auch der englische Originalton und die deutsche Audiospur klingen sehr gut und kommen ohne Probleme über die Runden. Schön auch, daß man sowohl die alte, als auch eine etwas aktuellere deutsche Synchro geboten bekommt.
Bei den Extras gefallen mir besonders der Audiokommentar mit Mick Garris und Ivo Scheloske von ANOLIS, die viel interessantes Zeug zu erzählen haben. Sehr sympathisch klingen sie ohnehin. Mehr davon!

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FILMQUALITÄT: 9 / 10

BILDQUALITÄT (BD): 9 / 10

BILDQUALITÄT (DVD): 8 / 10

TON (DEUTSCH): 7 / 10

TON (ENGLISCH): 8 / 10

BONUSMATERIAL: 7 / 10

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BRITISH SPLATTER CLASSICS # 1: FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK [MEDIABOOK-REVIEW]

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BRITISH SPLATTER CLASSICS # 1

[MEDIABOOK-REVIEW]

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FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK

[HORROR HOSPITAL, 1973]

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COMPUTER KILLERS

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Diese herrlich fiese Geisterbahnfahrt sah ich zum ersten Mal als Kind von zirka 10 Jahren (damals als VMP/TELERENT-Videokassette), und es sollten ein paar weitere Fassungen folgen in den nächsten Jahren. Leider war die Bildqualität nie wirklich überzeugend, aber 2010 veröffentlichte das US-Label DARK SKY FILMS eine restaurierte Fassung, die ich nicht mehr für möglich gehalten hatte. Und das deutsche Label ANOLIS schmiß dann kurze Zeit später ein Mediabook als ersten Titel der Reihe BRITISH SPLATTER CLASSICS auf den DVD-Markt. Ich kann zwischen den beiden Transfern keinen Unterschied erkennen, und das ist auch gut so, denn die Bildqualität ist absolut bombig!
Jedenfalls, in FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK gibt es natürlich keinen Doktor Frankenstein, denn der fiese Bösewicht (Michael Gough) heißt im englischen Original mit Nachnamen Storm. Und Kultdarsteller Michael Gough spielt diesen finsteren Sensenmann so unglaublich ernst, daß einem die Spucke wegbleibt. Ich möchte diesem durchgeknallten Mordgesellen auf jeden Fall nicht des nachts auf der Straße begegnen! Mit von der blutigen Partie an Doktor Storms Seite ist der bekannte Zwerg Skip Martin, den man unter anderem auch aus der Edgar-Allen-Poe-Adaption SATANAS, DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE aka DIE MASKE DES ROTEN TODES kennen dürfte. In FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK liefert er seine beste Leistung ab, die ich von ihm kenne.
Noch mit dabei ist als Bandmanager der sehr sympathische Brite Robin Askwith aus IM RAMPENLICHT DES BÖSEN und TURM DER LEBENDEN LEICHEN, der ja vielleicht auch noch eines Tages in Germany auf Blu-Ray erscheinen könnte. Wobei FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK um Welten spannender, unheimlicher und abgedrehter ist.
Ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt von Saufnase Dennis Price, bei dem ihm schließlich der Kopf abhanden kommt. Das ist nicht zu viel verraten, denn es passiert noch in der ersten halben Stunde. In seinen späteren Szenen in FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK wirkt er wie schon in Filmen wie DRACULAS HEXENJAGD sichtlich angeheitert, was ihn nur noch sympathischer macht, als er es eh schon ist.
Die Story von FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK ist eigentlich unwichtig (und Leute, die auf Logik bestehen, sollten um diesen Horror-Knaller einen großen Bogen machen), geht jedoch kurz und knapp ungefähr so: Der liebe Doktor Storm leitet eine Klinik im Grünen und sucht ständig nach neuem Menschenmaterial für seine irren Experimente. Gleich die erste Szene des Films ist absolut grandios – Doktor Storm und sein Zwergengehilfe Frederick hocken auf dem Rücksitz eines Rolls-Royce und warten auf zwei aus der Klinik entflohene Versuchskaninchen. Der Rolls-Royce fährt nicht nur los, sondern auch ein am Auto befestigtes Schlachtermesser aus, das den Flüchtenden schließlich die Hälse rasiert…

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Tja, und genau auf den Weg in die horrible Klinik ist Jason (Robin Askwith), der einen ausgebrannten Bandmanager mimt. Noch im Zug trifft er auf die entzückende Judy (Vanessa Shaw), die ihre Tante Harris (Ellen Pollock) in der Klinik besuchen möchte, die natürlich auch für Doktor Storm arbeitet. Offiziell ist die Klinik ein Erholungszentrum, aber die „Patienten“ sehen aus wie wandelnde Leichen, die allesamt Narben auf der Stirn haben. Was, zum Teufel noch mal, geht da vor???
Wow, die Darsteller hauen teilweise so auf den Putz, daß man glaubt, es mit einer absurden Theateraufführung zu tun zu haben. Das Overacting von Udo Kier in ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN ist wirklich nix dagegen, was sich in Frankensteins Horror-Klinik abspielt. Zum Beispiel die minutenlangen, richtig schräg wirkenden Schlägereien zwischen den Helden und den Schergen des Doktor Storm. Da gibt es aufs Maul und die Helme, daß einem Hören und Sehen vergeht. Das Ganze muß einfach eine rabenschwarze, extrem bizarre Komödie sein. Doch das Seltsame ist, daß die Atmosphäre trotz des Trashfaktors auf eine gewisse Art und Weise richtig fies ist. Man wünscht sich nämlich schon, daß man niemals in diesem Irrenhaus landet! Es gibt nicht viele Gruselschocker, die so eine grandiose Horrorshow abliefern wie hier: rollende Köpfe, fiese Zwerge, lebende Leichen, Gehirnwäsche, blutige Operationen, Wahnsinn, Rückblenden (Doktor Storm begann seine Karriere in Hamburg!), Mord und Totschlag…

SPOILER-ALARM

Und wenn man Doktor Storm zum ersten Mal ohne seine menschliche Hülle sieht, ist endgültig Karneval – so etwas habe ich jedenfalls noch nicht gesehen. Das tritt selbst das fiese Monster in DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN noch locker in die Tonne!

SPOILER ENDE

Mit FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK kann man defintiv seine Oma erschrecken… Aber mittendrin ist eine Szene, die mich vor Lachen immer wieder unter den Tisch rollen läßt. Frederick (also der Zwerg) kippt den beiden Schergen von Doktor Storm ein Schlafmittel in die Waldmeister-brause, das sie auch schnell aus den Latschen haut. Um an das Schloss der Tür zu kommen, stapelt er die beiden Typen dann übereinander, anstatt sich einfach einen Stuhl zu holen. Und mehrere Male stolpert er dabei über die beiden Typen. Ich könnte schwören, daß das so nicht im Drehbuch stand, denn es sieht wirklich so aus, als wenn er nicht nur so tut, sondern unfreiwillig stolpert. Allein diese Szene ist unbezahlbar!

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Die Bildqualität ist, wie bereits erwähnt, einfach fabelhaft. Die Farben leuchten vermutlich wie niemals zuvor (besonders die Farbe Rot), die Bildschärfe ist hoch, das Filmkorn intakt und der Kontrast solide. Die deutsche Audiospur klingt ein bißchen dumpf, ist aber noch voll im grünen Bereich. Besser klingt natürlich der englische Originalton. Hier sind die Geräusche und die Dialoge perfekt ausbalanciert.
Die interessantesten Extras sind der fulminante Audiokommentar mit dem Produzenten Richard Gordon und Tom Weaver und das tolle Bühneninterview mit Robin Askwith. Ich finde den Knaben wirklich sehr sympathisch und humorvoll. Sollte man sich nicht entgehen lassen!

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FILMQUALITÄT: 10 / 10

BILDQUALITÄT: 9 / 10

TON (DEUTSCH): 6 / 10

TON (ENGLISCH): 8 / 10

EXTRAS: 8 / 10

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SLEAZE-GIALLI AUF DVD UND BLU-RAY (TEIL 1): NACKT FÜR DEN KILLER [MEDIABOOK-REVIEW]

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SLEAZE-GIALLI

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AUF DVD UND BLU-RAY

(TEIL 1)

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NACKT FÜR DEN KILLER

[NUDE PER L’ASSASSINO, 1975]

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STRIP NUDE FOR YOUR KILLER

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DIE NACHT DER BLANKEN MESSER

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DER GEHEIMNISVOLLE KILLER

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Na also, die # 3 der X-RATED-EUROCULT-Reihe trifft nach FLAVIA und EXORCISM endlich auch meinen Filmgeschmack, denn es geht doch kaum etwas über einen sleazigen Giallo wie DAS AUGE DES BÖSEN oder eben NACKT FÜR DEN KILLER, was eine genaue Übersetzung des Originaltitels NUDE PER L’ASSASSINO ist. Wie man auf dem obigen Foto sehen kann, habe ich ein paar verschiedene Fassungen dieses Sleaze-Epos im Schrank, und das Mediabook von X-RATED setzt diesem Werk nun die Krone auf! Das liegt in erster Linie an der schicken Optik und dem exzellenten, 16-seitigen Booklet von Martin Beine, der wie immer unglaublich viel Zeit investierte, um den Giallo-Fanatikern wirklich etwas Besonderes zu bieten. Die analytische Betrachtung bringt Sachen ans Licht, an die ich nicht mal gedacht habe. Wenn mir jemand vor 20 Jahren prophezeit hätte, daß ich einen Film wie NACKT FÜR DEN KILLER in ferner Zukunft mal in dieser Ausstattung in Händen halten werde, hätte ich ihn wahrscheinlich für komplett verrückt erklärt!

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Sämtliche Screenshots stammen von der DVD und nicht der Blu-ray!!!
Die Story??? Naja, da reicht eigentlich ein Satz: Der Sensenmann geht um… Ende! Ok, ok, gleich zu Beginn bekommt man eine extrem sleazige Szene serviert: ein Mann nimmt an einer in Narkose liegenden Frau eine Abtreibung vor, die in die Hosen bzw. in die Badewanne geht. Äh, also die Frau geht in die Badewanne – und zwar tot!
Danach sehen wir Carlo (Nino Castelnuovo), wie er mit seiner Kamera und in einer echt tollen Badehose durch ein Hallenbad stolziert und den Ladies auf die Titten und Ärsche starrt. Doch in den politisch nicht allzu korrekten ’70ern kam das bei so manchen Mädels anscheinend noch gut an. Denn er schafft es tatsächlich, eine leicht unattraktive Lady (Femi Benussi als Lucia) abzuschleppen – und zwar in die Sauna! Würde man heute im Jahre 2014 auf diese Art und Weise eine Frau anmachen, wären zehn Jahre Knast das Mindeste! Aber egal, er nimmt sie anschließend mit ins Fotostudio, und dort sehen wir: Edwige Fenech! Diesmal mit keckem Kurzhaarschnitt, der ihr ausgezeichnet steht. Jamm, sage ich da nur!
Ok, danach geschehen etliche blutige Morde – doch nicht nur an heißen Ladies, sondern auch mal an einem fiesen Fettsack (Franco Diogene als Maurizio), und man ist als Zuschauer wirklich heilfroh, wenn ihn der Killer endlich ins Jenseits befördert! Obwohl er einem beinahe Leid tun kann, wenn er verzweifelt zur Gummipuppe greift …

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Als immer mehr Leute aus dem Fotostudio-Milieu gekillt werden, beginnen Carlo und Magda auf eigene Faust zu recherchieren. Und geraten selbstverständlich in akute Lebensgefahr. Und so soll es in einem Giallo ja auch sein!
Neben DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES gefällt mir NACKT FÜR DEN KILLER aus dem gesamten Schaffen von Andrea Bianchi (es soll tatsächlich Leute geben, die beim Namen Andrea glauben, daß es sich um eine Frau handelt!) eindeutig am besten, weil er genau wie der besagte Zombie-Klopper einfach extrem unterhaltsam und sleazig ist. Ich muß aber gestehen, daß ich längst nicht alle Streifen von Andrea Bianchi kenne. Jedenfalls, als ich NACKT FÜR DEN KILLER zum ersten Mal sah, tippte ich nicht auf den richtigen Täter. Die Auflösung am Schluß kommt deshalb auch ziemlich überraschend. Auf jeden Fall hat sich Andrea Bianchi hier so manches zusammengeklaut: das Fotostudio aus Mario Bavas Mega-Meisterwerk BLUTIGE SEIDE, des Mörders Kluft aus Massimo Dallamanos brillantem DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER mit Mario Adorf – nur den Schmuddellook, den hat er wohl selbst erfunden. Selbst fiese Sleaze-Werke wie SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL sehen gegen NACKT FÜR DEN KILLER beinahe wie ein früher Argento aus. 1982 stürzte Andrea Bianchi dann mit dem unglaublichen SCHNEEFITTCHEN UND DIE 7 GLÜCKLICHEN ZWERGE leider endgültig ab … Dafür ist die Mucke, die von Berto Pisano komponiert wurde, in NACKT FÜR DEN KILLER verdammt cool. Manche Melodien bekommt man kaum noch aus dem Kopf! Schade, daß dieser Score noch nicht auf CD erschienen ist.

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Die Bildqualität der Blu-Ray des Mediabooks ist nicht berauschend, denn es wurde nicht nur das künstliche Rauschen, sondern auch gleich das Filmkorn mit DNR-Filtern entfernt, was nicht nur zu wächsernen Gesichtern führt. Wenn man sämtliche Schärferegler am BD-Player und Fernseher hoch-, und sämtliche Rauschunterdrücker runterdreht, kann man mit der Bildschärfe noch halbwegs zufrieden sein. Die Farben scheinen dagegen leicht verblaßt zu sein. Dafür ist das Bild sehr sauber. Naja, man könnte es auch als „glatt“ bezeichnen… Außerdem ist das Bild deutlich zu hell. Die deutsche Audiospur ist ok und klingt ähnlich wie bei der alten DVD von X-RATED. Zur italienischen Audiospur wurden zum Glück auch deutsche Untertitel erstellt.

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Das interessanteste Extra ist – na klar! – das 16-seitige Booklet von Martin Beine, der schon lange mein Fave-Bookletschreiber ist. Es ist immer wieder erstaunlich, wie intensiv er sich mit den besprochenen Filmen beschäftigt. Erwähnenswert ist natürlich auch der nicht so dolle Audiokommentar von Marcus Stiglegger. Ich weiß nicht wie viele Releases in den letzten Monaten in meinem Briefkasten gelandet sind, die mit seinen Audiokommentaren ausgestattet wurden. Hoffentlich übertreibt er es nicht langsam, denn ich mochte seine Audiokommentare bisher schon ganz gerne. Eine vorbildliche Sache ist der Bonusfilm NACKT ÜBER LEICHEN von Lucio Fulci, den man hier in kompletter deutscher Synchro bestaunen kann. Der Film selbst ist ein früher Erotik-Thriller/Giallo mit dem sympathischen Jean Sorel und der leckeren Marisa Mell …

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Auf jeden Fall lege ich das Mediabook allen Giallo-Fanatikern ans Herz, die auch mit einer Prise Sleaze und Trash etwas anfangen können. Mehr davon! Ich bin gespannt, wie es weitergeht …

FILMQUALITÄT: 8, 5 (SLEAZEPUNKTE) / 10

BILDQUALITÄT: 7 / 10

TON (DEUTSCH): 6 / 10

EXTRAS: 8 / 10

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„SPÄT“-GIALLI AUF DVD UND BLU-RAY (TEIL 1): DAS HAUS DER VERFLUCHTEN [MEDIABOOK]

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„SPÄT“-GIALLI AUF

DVD UND BLU-RAY

(TEIL 1)

 

 

DAS HAUS DER VERFLUCHTEN

[CASA MALEDETTA, 1985]

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DAS HAUS AM HYDENPARK

A.K.A.

FORMULA FOR A MURDER

 

 

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1985 drehte Regisseur Alberto de Martino einen späten Giallo, der mich in den ’80ern nicht überzeugen konnte. Doch wenn ich mir DAS HAUS DER VERFLUCHTEN heute restauriert auf Blu-Ray anschaue, komme ich zu dem überraschenden Ergebnis, daß de Martino ein wirklich ausgezeichneter Handwerker der alten (Kino-)Schule war. Schon damals dürfte sein Psychothriller bzw. „Spät“-Giallo leicht altmodisch gewirkt haben, was mich heute als Nostalgiker im Jahre 2014 umso mehr freut.

Gleich die Pre-Credit-Sequenz mit dem in schwarz gekleideten Sensenmann erinnert an die Glanzzeit des Giallo-Genres und Werke wie PROFONDO ROSSO von Dario Argento und THE CHILD von Aldo Lado. Letztendlich ist DAS HAUS DER VERFLUCHTEN aber in erster Linie eine Mischung aus Hitchcock-Elementen, Lucio Fulcis DER NEW YORK RIPPER (ebenfalls ein „Spät“-Giallo) und typischen Holde-Maid-in-Nöten-Krimis wie WARTE BIS ES DUNKEL IST, in denen ebenfalls Ladies mit physischen Handicaps im Zentrum des Geschehens standen. Nur eben im leicht modernisierten Gewand eines klassischen Giallos.

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NEUES FILMPROGRAMM schrieb damals (Achtung, Spoiler!): Die hübsche und reiche Joanna wurde in ihrer Kindheit von einem als Priester verkleideten Mann mißbraucht. Bei dem Versuch sich zu wehren stürzte sie die Treppe hinab und ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Der Schock des erlebten sitzt noch so tief in ihr, daß jede Aufregung sie auch heute noch töten kann. Diesen Umstand wollten sich Joannas Freundin Ruth und ihr heimlicher Freund Craig zu Nutze machen.

Sie planen, daß Craig Joanna heiratet. Während der Flitterwochen soll Craig ihr als verkleideter Priester den tödlichen Schock versetzen, in dem er sie an ihr Kind-heitserlebnis erinnert. Nach der Hochzeit erfährt Craig, daß Joanna den Großteil ihres Vermögens (stimmt nicht, denn es handelt sich um die Hälfte) – gemäß dem letzten Wunsch ihres Vaters – der Kirche spenden will. Dadurch ist Craig gezwungen, zwei Priester umzubringen, die die Spende entgegennehmen wollten. Außerdem bekommt Craig ein neues Problem:

Er verliebt sich in Joanna und tötet Ruth, damit niemand von dem ursprünglichen Plan erfährt.

Joanna, die von der Verschwörung bisher nichts ahnte, ist verzweifelt, als sie die Leiche Ruths neben Craig entdeckt. Craig weiß, daß es jetzt nur noch einen Weg gibt, um all seine grausamen Taten zu vertuschen. Doch auch Joanna weiß das – und sie kämpft um ihr Leben (Spoiler Ende!)!

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Bei DAS HAUS DER VERFLUCHTEN ist es beinahe unmöglich, eine vernünftige Inhaltsangabe zu schreiben, ohne massive Spoiler zu benutzen, denn wie in Alfred Hitchcocks PSYCHO oder auch in Sergio Martinos DER SCHWANZ DES SKORPIONS kommt schon nach zirka 30 Minuten eine entscheidene Wendung, die man nicht wissen sollte, wenn man den Film noch nicht kennt. Deshalb nur so viel: Joanna wurde als Kind mißbraucht und sitzt seitdem im Rollstuhl. Ob sie physisch tatsächlich gelähmt ist oder ob die Ursache dafür auf das Trauma zurückzuführen ist, möchte ich nicht verraten. Als junge Frau lernt sie den charismatischen Craig (stets sympathisch: David Warbeck aus dem Zombie-Meisterwerk DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES) kennen und lieben. In der Zwischenzeit werden zwei Priester von einem unheimlichen Killer ins Jenseits befördert, die von Joanna eine große Spende entgegen nehmen wollten. Und was ist eigentlich mit Joannas bester Freundin Ruth (Carroll Blumenberg), die mit ihr in einem schönen Haus in Boston zusammenlebt???

Es ist echt erstaunlich, daß es dem italienischen Kino im Jahre 1985 noch möglich war, einen so edel fotografierten B-Film abzuliefern, denn in den mittleren ’80ern war die große Zeit des Giallo-Genres – und des italienischen Kinos im Allgemeinen –  leider schon sehr lange vorbei. Alberto de Martino ist ohnehin ein echtes Phänomen, denn alle Filme, die ich von ihm kenne, sind nicht nur extrem unterhaltsam, sondern leider zum großen Teil noch nicht auf DVD und Blu-Ray erschienen. Eine Ausnahme neben dem verfluchten Haus ist der fabelhafte Exorzisten-Schocker SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN, den man ebenfalls als Mediabook bestellen kann. Doch sein handwerklich bester Film ist in meinen Augen DAS HAUS DER VERFLUCHTEN. Schade, daß er schon kurz nach den Dreharbeiten das Handtuch schmiß. Manche Experten behaupten jedoch, daß MIAMI GOLEM sein letztes Vermächtinis ist. Bleibt also jedenfalls zu hoffen, daß auch seine Trash-Perlen wie DER PUMAMANN bald auf DVD oder Blu-Ray erscheinen werden!

Im Gegensatz zu den Gialli der ’60er und ’70er Jahre konzentriert sich das äußerst spannende Drehbuch von DAS HAUS DER VERFLUCHTEN nicht auf die Psyche des Täters, sondern viel mehr auf die des Opfers Joanna. Ein weiterer Gegensatz ist, daß die Handlung in den Vereinigten Staaten (in diesem Falle Boston und New York) und eben nicht in Rom oder Turin spielt. Alberto de Martino muß sich damals vor allem auch mit DER NEW YORK RIPPER auseinander-gesetzt haben, denn viele Sequenzen (und vor allem die Musik von Francesco de Masi) erinnern doch sehr an Lucio Fulcis Kultklassiker des Splatterkinos – auch wenn die blutigen Effekte hier deutlich harmloser sind. Aber auf jeden Fall ist der Mordbube in DAS HAUS DER VERFLUCHTEN ein noch viel schlimmerer Schweinehund als der Täter in DER NEW YORK RIPPER, denn…

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Vor ein paar Monaten veröffentlichte das inzwischen beachtliche Label ’84 Alberto de Martinos DAS HAUS DER VERFLUCHTEN im Mediabook mit zwei Covern, die auf je 500 Exemplare limitiert wurden. Ich muß gestehen, daß ich beim Anblick von Cover A (siehe ganz oben) dachte, daß Telly Savalas wie zum Beispiel in FACELESS von Jess Franco eine Nebenrolle haben könnte. Schließlich hatte ich den Film zuletzt in den späten ’80ern gesehen. Doch von einem Telly Savalas ist weit und breit nichts zu sehen. Auch nicht von der flotten Blondine im roten Kleid. Da fragt man sich natürlich, was so ein Artwork eigentlich soll?!

Egal, denn die Bildqualität der Blu-Ray ist absolut gelungen. Das Bild (1080i und in 2, 35 : 1) ist sehr sauber und glänzt mit satten, lebhaften Farben, einer hohen Schärfe und dem grandiosen Breitwand-Format, das de Martino und sein Kameramann Gianlorenzo Battaglia in vielen Szenen (zum Beispiel bei den beiden Morden in der Kirche und vor der Skyline von Manhattan) auch elegant in Szene setzten. Der italienische Ton ist nicht berauschend, aber die deutsche Audiospur klingt exzellent für einen Film aus den ’80ern. Die Synchronsprecher kennt man als echter Nostalgiker wirklich alle. Sehr wohltuend auch, daß man es mit einer seriösen und keiner Kaspersynchro zu tun hat, wie es in den ’80ern oftmals vorkam.

Das interessanteste Bonusmaterial besteht ganz klar aus dem Booklet von Kai Naumann und dem extrem informativen Audiokommentar von Marcus Stiglegger, dem ich wirklich immer wieder gerne zuhöre!

Die Screenshots hier stammen von der DVD im Mediabook!

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Alles in Allem eine gelungene Veröffentlichung, die ’84 da präsentieren. Damit ist endlich auch diese Lücke in meiner Italo-Sammlung geschlossen. Und jetzt kann man gespannt sein, was ’84 mit SUSPIRIA anstellen, der im Oktober 2014 erscheinen soll…

 

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FILMQUALITÄT: 8 /10

BILDQUALITÄT: 8, 5 / 10

TON (DEUTSCH): 8 / 10

TON (ITALIENISCH): 7 / 10

BONUSMATERIAL: 7 / 10

 

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