FÜNF GIALLI MIT GEORGE HILTON [DER KILLER VON WIEN, DER SCHWANZ DES SKORPIONS, MY DEAR KILLER …]

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GEORGE HILTON

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DER KILLER VON WIEN

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DER SCHWANZ DES SKORPIONS

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MY DEAR KILLER

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DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE

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DIE FARBEN DER NACHT

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Ja, wie oft habe ich mir seit lang vergangenen Videonächten gewünscht, einmal so auszusehen wie George Hilton – dann könnte ich die Beine hochlegen und mich zur Ruhe setzen, während die Ladies Schlange stehen und mich mit Weintrauben vollstopfen dürfen… Da ich leider NICHT so aussehe, habe ich die Zeit, ein paar Worte über die fünf besten – jedenfalls die für mich fünf besten – Gialli mit George in der Hauptrolle zu schreiben…
George Hilton wurde 1934 als Jorge Hill Acosta y Lara in Argentinien geboren, und nach einigen kleineren Auftritten im argentinischen Kino, verschlug es ihn nach… Italien! Dort bekam er viele Angebote für die damals schwer angesagten Italowestern, mit denen ich mich jedoch nicht besonders gut auskenne. Ich habe zwar sehr viele gesehen und auch das Buch von Christian Keßler gelesen, dennoch habe ich mich nie so ausgiebig mit ihnen befasst wie mit dem Giallo. Seinen ersten Krimiauftritt müsste er in DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH gehabt haben, den ich ebenfalls empfehlen kann. Nebenbei möchte ich noch bemerken, daß der gute George selbst heute noch mehrere Freundinnen haben soll! :nick:
DER KILLER VON WIEN ist nicht nur das Giallo-Debüt von Sergio Martino, sondern auch einer der schönsten Krimi Italiana, die jemals gedreht wurden. Erstaunlich ist, daß Sergio Martino seine Gialli selbst als „ganz nett“ bezeichnet, was man als sympathische Bescheidenheit auslegen könnte – und als pures Understatement, denn alle seine Krimis aus den Jahren 1970 – 1975 sind absolute Spitzenklasse! Giallo-Fanatiker streiten sich höchstens darum, ob DER KILLER VON WIEN Sergio Martinos allerbestes Werk war oder vielleicht doch ein anderer. Mir gefallen jedenfalls DER SCHWANZ DES SKORPIONS und DIE FARBEN DER NACHT genauso gut wie DER KILLER VON WIEN – jedoch hat letzterer den Vorteil der atemberaubend inszenierten Rückblenden, in denen die wundervolle Edwige Fenech und Gillette-Mann Ivan Rassimov sich den S/M-Spielchen hingeben. Besonders die Szenerie im Regen und die alptraumhafte Sequenz mit der zerberstenden Flasche in Zeitlupe sind grandios fotografiert und entfachen bei mir auch beim x-ten Durchlauf noch eine tiefe Gänsehaut…

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Die Story ist leicht komplex, aber niemals wirr, denn Gialloskript-Genie Ernesto Gastaldi muß damals in Hochform gewesen sein. Das ist schon ’ne sensationelle Handlung mit unzähligen Plot-Twists, die wirklich so überraschend kommen, daß man seinen Augen kaum noch traut.
Julie Wardh (Edwige Fenech) reist mit ihrem Ehemann Neil (Alberto de Mendoza, den ich im HORROR EXPRESS von Eugenio Martino kaum wiedererkannte mit den langen Haaren) ins schöne Wien. Schon im Taxi erfährt Julie dann vom Fahrer, daß ein Sensenmann mit Rasierklinge die halbe Stadt in Panik versetzt hat, während sich ihr Mann Neil in seine Geschäfte stürzt und keine Zeit für sie hat – wie meistens. Kurze danach lernt sie den zweiten Gillette-Mann des Films, George (George!), kennen, auf dem sie eine Auge wirft, doch erstmal abblitzen läßt – schließlich ist sie eine verheiratete Frau! Wie in vielen anderen Gialli auch, spielt sich das Geschehen bei den oberen Zehntausend ab, also dort , so scheints, wo die dunklen Neigungen weitaus stärker ausgeprägt sind als in der vergleichbaren Mittelklasse. Die Reichen sind gelangweilt und der Meinung, daß sie sich einfach alles erlauben können – manche gönnen sich sogar das nette Hobby „Frauen-abmurksen“. Siehe zum Beispiel die irren Mörder in Mario Bavas Meisterwerk BLUTIGE SEIDE und in SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL, die Frauen alleine aus dem Grund töten, weil sie schön sind, beziehungsweise fremdgehen. Die Liste ist endlos… Zum Glück!
Jedenfalls taucht auf besagter Party dann Jean (genial fies: Ivan Rassimov, der in meinen Augen viel mehr Hauptrollen verdient gehabt hätte!) auf, der Julie zurückgewinnen möchte, denn die beiden führten eine S/M-Beziehung, wo eindeutig Jean der dominante Part war.  Am nächsten Tag fährt Julie dann mit Caroll (die hübsche Conchita Airoldi, bekannt aus DIE SÄGE DES TEUFELS aka TORSO) zum Einkaufen, wo Julie gesteht, daß sie Neil nur aus finanziellen Gründen geheiratet hätte, und das die beiden sich nichts mehr zu sagen hätten. Und so kommts, daß sie sich mit George einläßt, der das hat, was sie bei ihrem Ehemann so vermißt: Zeit. Doch als man sie am Telefon damit erpreßt, daß der Anrufer ihre Affäre mit George an ihren Ehemann verraten könne, spitzt sich die Lage rund um Julie zu, denn nicht nur der Erpresser, sondern auch der Rasierklingenschwinger scheint ihr dicht auf den Fersen zu sein. Sind Erpresser und Schlitzer vielleicht sogar ein und dieselbe Person?  Und Verdächtige gibt es reichlich: allen voran natürlich Julies Exfreund Jean. Und was ist eigentlich mit George…

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DER KILLER VON WIEN ist wirklich Extraklasse von A bis Z : Da wäre die exzellente Fotografie im fetten Breitwandformat, die extrem ästhetischen Rückblenden (obwohl ich S/M nichts abgewinnen kann), die trotz klatschender Ohrfeigen seltsam sinnlich wirken, die Darstellerriege mit dem Traumpaar George Hilton & Edwige Fenech, Alberto de Mendoza und natürlich Ivan Rassimov als Stalker von Julie. Dazu kommen einige stylische Schwarze-Handschuh-Rasierklingen-Morde, die einem den Atem nehmen – und dann die unzähligen Plot-Twists, die am Ende des Films eine perfekte Einheit bilden. Und die Mucke von Nora Orlandi ist ziemlich genial! Da hatte also mal ’ne Frau die Komponistenhosen an. Habe diese edle Mucke auf CD (QUARTETT RECORDS) und werde sie nichtmal für 500 Piepen verkaufen…

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Von dem Film gibt es massenhaft verschiedene DVDs, von denen ich vier oder fünf kenne – am besten gefällt mir die französische Ausgabe mit dem gelben Digipak. Die Koch-Media-Scheibe ist auch ziemlich ansehnlich geworden und besitzt ein interessantes Booklet mit Geschriebenem von Christian K. höchstpersönlich… Wenn das nix ist! Nicht zu vergessen die Scheibe vom Label filmart, die dieselbe amtliche Qualität besitzt wie die von AEGIDA. Plus Bonusmaterial.
Ach ja, da fällt mir noch ’ne Anekdote ein: Zunächst wollte man den Namen „Wardh“ im italienischen Originaltitel ohne den Buchstaben „h“ verwenden. Es meldete sich aber eine Lady namens Julie Ward (!), die gegen den Filmtitel protestierte. Also fügte man dem Nachnamen einfach ein „h“ zu! Also, Sachen gibts, die kanns doch überhaupt nicht geben…

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Und hier mein Review zur filmart-Scheibe:
Der bisher beste Giallo aus filmarts Reihe ist auf jeden Fall DER KILLER VON WIEN von Sergio Martino, der 1970 gedreht wurde und selbst mit Dario Argentos Tier-Trilogie mithalten kann. Ich glaube, ich habe dieses Meisterwerk inzwischen so an die fuffzig Mal gesehen. Und trotzdem ist von Langeweile dank den Darstellern wie Edwige Fenech, George Hilton und Ivan Rassimov und der Regie von Sergio Martino weit und breit nichts zu spüren. Sich selbst übertroffen hatte sich damals auch Dreh-buchautor Ernesto Gastaldi, der den Film mit irrwitzigen Plot-Twists ausstattete, die den Zuschauer bei der ersten Sichtung wirklich extrem überraschen können. Genialer gehts kaum noch!
In Wien geht der Sensenmann um, der es anscheinend ausschließlich auf heiße Ladies abgesehen hat und sie mit einem Rasiermesser ins Jenseits befördert. Die bezaubernde Julie Wardh (Edwige Fenech) und ihr Mann Neil (Alberto de Mendoza) weilen inzwischen auch in Wien. Ein Unbekannter bedroht die holde Maid. Und da könnten viele böse Buben die gemeinen Übeltäter sein. Vor allem ihr sadistischer Ex-Freund Jean (hübsch fies: Ivan Rassimov mit dem stechenden Blick) käme da in Frage, denn einst gaben sich die beiden dem S/M-Liebesspiel hin, das von Sergio Martino wundervoll ästhetisch in Szene gesetzt wurde. Julie kann jedenfalls gut auf Jean verzichten, denn sie wirft lieber ein Auge auf den zweiten Gilette-Mann des Films: George (George Hilton). Als weitere Morde geschehen, verduften Julie und George erst mal nach Spanien. Aber kann sie überhaupt noch jemanden vertrauen???

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Ja, was sich Ernesto Gastaldi da für eine Krimi-Story und Mörderhatz ausdachte, ist schon sensationell – die Wendungen am Schluß machen es so gut wie unmöglich auf den/die richtigen Täter zu tippen. Und am Ende kommt eh alles anders als man denkt! Jedenfalls bietet DER KILLER VON WIEN absolut alles, was man als Giallo-Fanatiker sehen möchte: Schwarze Handschuhe, aufblitzende Rasiermesser als Phallussymbol, bunte Klamotten, heiße Ladies, stylische Morde und einen hypnotischen Soundtrack von Nora Orlandi, dessen CD-Edition ich mehr als empfehlen kann. Ist bei QUARTET RECORDS erschienen…
Und weil ich sonst nichts zu tun habe, habe ich mal die italienische DVD von AEGIDA mit der von FILMART verglichen:

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Die interessantesten Extras sind das Booklet von Pelle Felsch, das Featurette DARK FEARS BEHIND THE DOOR und das Interview mit dem stets sympathischen Sergio Martino, das 2013 gedreht wurde.

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FILMQUALITÄT: 10 / 10

BILDQUALITÄT: 7, 5 / 10

TON (DEUTSCH): 7 / 10

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Schon 1971 kam der nächste ganz große Knaller von Sergio Martino mit dem coolen George in der Hauptrolle, und das war der ebenfalls mit einigen Plot-Twists ausgestatte DER SCHWANZ DES SKORPIONS – einem absoluten Edelgiallo mit toller Besetzung: neben George gibt es nämlich Luigi Pistilli, Alberto de Mendoza, Ida Galli  und die Frau mit den schönsten Wangenknochen namens Anita Strindberg zu sehen…
Kannte ich diesen Krimiknaller damals nur in der miserablen X-RATED-Fassung inklusive falschem Bildformats, habe ich mir dann zunächst die qualitativ sehr gute US-DVD namens THE CASE OF THE SCORPION’S TAIL und dann auch noch die französische DVD mit dem Titel LA QUEUE DU SCORPION gekauft, die wie DER KILLER VON WIEN perfekt von den Franzmännern aufgelegt wurde. Das ist schon ein Ding, was so eine professionelle Restauration alles bewirken kann! Noch besser sieht nur die aktuelle DVD von filmart aus, die den Veröffentlichungen die Krone aufsetzt.
Jedenfalls sehen wir in DER SCHWANZ DES SKORPIONS einer heißen Lady (Ida Galli) dabei zu, wie sie – so scheints jedenfalls –  die Lebensversicherung ihres explodierten Ehe-mannes abkassiert (in bar natürlich), und sich in ein Zimmer eines vornehmen Hotels einmietet, in dem schon die ersten Ganoven auf die Penunze warten. Und dann, nach ungefähr dreißig Minuten, passiert das Erstaunliche: Die Lady wird einfach (und ziemlich blutig) abgemurkst! Dachte man wie in PSYCHO, daß die habgierige Lady des Films die Hauptrolle spielt, sieht man sich also komplett getäuscht. Aber Alfred Hitchcocks PSYCHO ist ohnehin ein großes Vorbild für den Giallo – also was soll’s?!

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Danach tauchen dann Polizisten, ein Kommissar (Alberto de Mendoza), ein Versicherungsagent (George Hilton), ein Narbenmann, rote Heringe und sonstige zwielichtige Figuren auf, während weitere spannend inszenierte Morde geschehen, die von einem im schwarz gekleideten Sensenmann mit Rasierklinge begangen werden, und man darf hübsch miträtseln, wer denn nun der böse Schlitzer mit der Klinge ist. Am Ende erlebt man sein blauestes Wunder seit DER KILLER VON WIEN, doch wie im besagten Kultfilm ist das Ganze absolut perfekt eingefädelt worden, und zwar von Ernesto Gastaldi und Regisseur Sergio Martino höchstselbst. Die Mucke von Bruno Nicolai ist fabelhaft – dem Label DIGITMOVIES sei mal wieder gedankt für ihre fantastischen Giallo-Serien von Bruno und Ennio. Ich liebe euch!
Alles in allem ein toller Giallo, den Martino da zusammengeschraubt hat. Besonders wenn man bedenkt, was heutzutage für ein Murks verzapft wird. Naja, eigentlich schaue ich mir gar keine Filme mehr an, die nach 1987 gedreht wurden… Jedenfalls, die Franzmann-DVD bietet einen Audiokommentar von Ernesto Gastaldi, ein 19-minütiges Interview mit dem Meister Martino und eine schöne Bildergalerie, die die Scheibe perfekt abrundet.
In Frankreich ist die DVD des ungeschnittenen Films ab 12 Jahren freigegeben. Ja, die Franzmänner werden mir langsam richtig sympathisch!

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Filminhaltsangabe von Neues Filmprogramm:

– Achtung, Spoiler! –

Kurt Baumer, ein in Athen lebender Deutscher, ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Erbin einer Lebensversicherung ist seine Frau Lisa, von der er in den letzten Jahre getrennt lebte. Lisa erhält in Athen die enorme Summe von einer Million Dollar, aber schon wenige Tage nachdem sie den Betrag übernahm, wird sie in ihrem Hotelappartment tot aufgefunden – mit durchschnittener Kehle. Das Geld ist gestohlen.
Der Verdacht fällt auf einen gutaussehenden jungen Mann, mit dem sie in den letzten Tagen in Athen gesehen wurde: Peter Lynch. Nachforschungen der Polizei ergeben aber, daß er Angestellter der Versicherungsgesellschaft ist und den Auftrag hat, sich mit der Aufklärung des Flugzeugunglücks zu befassen. Nacheinander ereignen sich noch zwei Kriminalfälle: Die elegante Griechin Florakis, die Kurt Baumers Geliebte war, wird ermordet und einer ihrer Freunde, von einem Mann in einem Taucheranzug, so viel weiß man nur, über den Balkon gestoßen.
Die griechische Polizei hat eine hermetische Überwachung der Flugzeuge, Schiffe und Züge angeordnet, denn es ist anzunehmen, daß der Mörder seinen Millionenraub außer Landes bringen möchte.
Dennoch behält Inspektor Stavros den Versicherungsagenten ständig im Auge, der sich auf eigene Faust mit Nachforschungen befaßt. Peter Lynch hat sich mit einer jungen Journa-listin, die für ein englisches Blatt arbeitet, befreundet. Dieses Mädchen wird in den nächsten Tagen mit Stichwunden von Lynch aufgefunden; er bringt sie ins Spital. Im Hotelzimmer findet man einen filigranen, goldenen Skorpion. Kurt Baumer hat, wie man durch sein Foto weiß, solche Manschettenknöpfe getragen. Lebt er noch? Ist an seiner Stelle ein anderer im Flugzeug gewesen? Der Juwelier, der Auskunft geben könnte, ist tot. Aber die Kriminalpolizei glaubt sich auf einer neuen Spur.
Inzwischen hat die junge Journalistin entdckt, daß Peter Lynch das gestohlene Geld besitzt. Sie stellt ihn zur Rede, es kommt zu einer dramatischen Aussprache auf der Yacht, die Lynch sich für die Flucht beschafft hat. Das Mädchen liebt ihn und versucht ihn zu überreden, sich der Polizei zu stellen, aber er, der ehemalige Versicherungsbeamte, der 15 Jahre von einer Millionensumme geträumt hat, stimmt nur scheinbar zu. Er will die letzte Zeugin beseitigen, da durchkreuzt die Polizei endgültig seinen Plan…

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In der OFDB schrieb ich damals: „Wie in Hitchcocks PSYCHO können wie einer heißen Lady (Ida Galli a.k.a. Evelyn Stewart) dabei zusehen, wie sie scheinbar ein Verbrechen plant – Lebensversicherung durch Mord abkassieren. Doch schon nach dreißig Minuten fällt sie selbst einem Mord zum Opfer. Aber keine Sorge, das ist nicht zu viel verraten, denn danach beginnt der Film erst so richtig. Es tauchen etliche Polizisten, rote Heringe, ein Narbenmann und weitere finstere Gestalten auf, die sich allesamt die eine Million Dollar der Lebens-versicherung krallen wollen. Man darf als Zuschauer hübsch miträtseln, wer denn nun der Bösewicht ist. Das Ganze ist aber von Sergio Martino und Ernesto Gastaldi (Drehbuch) so perfekt eingefädelt, daß man am Ende wirklich sein blaues Wunder erlebt. Beinahe so blau wie in Martinos Kult-Giallo DER KILLER VON WIEN.
Die Hauptrollen spielen der aus Urugay stammende George Hilton und die wunderschöne Anita Strindberg. Des weiteren bekommt man den Spanier Alberto de Mendoza (DER KILLER VON WIEN, HORROR EXPRESS) und den Chrakterdarsteller Luigi Pistilli zu Gesicht, der in den ’90ern Selbstmord verübte.

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Alles in allem ein fabelhafter Giallo! Breiwand-Ästhetik, coole Klamotten, stylische Schwarze-Handschuh-Morde, heiße Ladies, Verdächtige in rauhen Mengen, blitzende Klingen, knallbunte Farben usw. Und die Mucke von Bruno Nicolai ist mal wieder ein catchy Ohrwurm vor dem Soundtrack-Herrn! Da sollte man sich die CD, die bei DIGITMOVIES erschien, wirklich nicht durch die Lappen gehen lassen…

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Wie schon bei DAS AUGE DES BÖSEN habe ich auch die DVD von FILMART mit allen möglichen anderen Fassungen verglichen – und wieder haben FILMART die Nase vorne. Bis dahin war die französische DVD-Edition die ansehnlichste, doch FILMART sorgten dafür, daß das immer wieder aufflackernde Rauschen der Franzmann-Fassung nicht mehr zu sehen ist. Geile Sache!
Der Ton der deutschen Kinosynchro ist ebenfalls gelungen und bietet deutlich bekanntere und bessere Sprecher als die Videosynchro.
Die interessantesten Extras sind das Booklet von Heiko Hartmann und das sehr informative Featurette mit dem sympathischen Regisseur Sergio Martino, der ein bißchen aus dem Film-Nähkästchen plaudert…

FILMQUALITÄT: 9 /10

BILDQUALITÄT: 8 / 10

TON (KINOSYNCHRO): 7 / 10

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MY DEAR KILLER wird in den unendlichen Weiten des WWWs so zwischen ok bis gut eingeschätzt – ich dagegen halte ihn für einen der zehn, wenn nicht fünf besten Gialli, die jemals gedreht wurden! Und eins könnt ihr mir glauben: Ich habe schon mehr als fünf gesehen! 🙂
In MY DEAR KILLER stimmt einfach absolut alles! Das beginnt bei der imposanten Breitwand-Fotografie in sattesten Farben (tja, X-RATED haben leider keinen tollen Job gemacht – die Nase vorn hat die relativ neue DVD vom britischen Label SHAMELESS, denn von diesem Film habe ich ebenfalls vier oder fünf verschiedene Editionen (ja, ich bin ein crazy Sammler). Die Neuauflage von X-RATED namens TIME TO KILL, DARLING ist dieselbe wie die mit dem MY-DEAR-KILLER-Titel – nur mit dem wichtigen Unterschied, das X-RATED eine grauenvoll miserable deutsche Synchronisation haben machen lassen, die ich keine zwei Minuten ausgehalten habe! Das ist wirklich unter aller Kanone, was man da geboten bekommt…
Zu Beginn des Films fällt einem gleich der Lalalala-Kindsgesang auf, der jedoch nicht von einem Kind stammt, sondern von der ziemlich erwachsenden Edda dell’Orso (die erstaunlich viele Giallo-Scores mit ihrer facettenreichen Stimme veredelt hat)! Ich staunte nicht schlecht, als ich das Booklet der Soundtrack-CD las. Der Score von Ennio Morricone ist mit das Wundervollste, was ich je auf die Ohren bekam. Melancholisch und einfach zum Niederknien…
Die Story von MY DEAR KILLER ist natürlich komplex – doch am Schluß puzzelt Kommissar Peretti (George Hilton) alles zusammen und das Ganze ergibt durchaus einen perfiden Sinn…
Zu Beginn des Films sieht man, wie dem Detektiv Paradizi mit einer Baggerschaufel die Rübe abmontiert wird – eine exploitative Paradeszene, die einen gleich mal aufhorchen läßt. Nachdem der scheinbare Täter des Mordes selbst erhängt aufgefunden wird, betritt Kommissar Peretti die Szenerie. Und da staunt man zum zweiten Mal, denn George Hilton spielt keinen coolen Frauenhelden oder Amateur-Schnüffler wie sonst, sondern den ermittelnden Polizisten mit Eheproblemen! Also wenn das keine Überraschung ist, weiß ich auch nicht. Nicht nur deshalb erinnert mich seine Rolle an die des Kommissars in DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL, einem ebenfalls tollen Krimi, in dem der Polizist (auch mit privaten Sorgen) und eben kein Amateur-Schnüffler dem Killer auf den Fersen ist. Es gibt nicht viele Gialli, die diesen Weg beschreiten… Und in MY DEAR KILLER spielt George Hilton diese Rolle perfekt. Er findet heraus, das der zuerst Ermordete Paradizi ein Detektiv war, der dem Entführer eines Kindes so dicht auf den Pelz rückte, bis er im Auftrag des Killers mit der Baggerschaufel abgemurkst wurde.

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Scheinbar steht Peretti unter Beobachtung – was jedoch nur anfangs einmal deutlich gezeigt wird, als der Sensenmann ihn und seine Frau (gespielt von Marilu Tolo) zu Hause durch ein Fenster beobachtet -, denn der Killer ist ihm stets einen Schritt, beziehungsweise einen Mord voraus. Peretti entdeckt dann eine wichtige Zeichnung des ehemals gekidnappten und ermordeten Kindes, das den Täter eventuell verraten könnte. Die Spur führt ihn in die Familie des Kindes, in dessen Umfeld es einen ganzen Haufen von roten Heringen gibt. Und spätestens ab dann wird die Handlung richtig brisant, denn da gibt es Pädophile (William Berger und Alfredo Mayo) und sämtliche sonstigen Psychopathen, die man sich nur vorstellen kann. Tonino Valerii ist es zu verdanken, daß das Ganze nicht in reine Exploitation ausartet – und da ist auch schon die nächste fette Überraschung: Tonino Valerii hat nämlich nur einen einzigen Krimi gedreht in seiner langen Karriere, und das ist halt MY DEAR KILLER! Ja, warum, zum Teufel nochmal, hat er sonst nur mittelmäßige Klamauk-Western und sonstigen belanglosen Kram gedreht? Ein Rätsel, das wohl niemand lösen kann… Die nächste Überraschung ist, daß es recht viele spanische Mimen zu sehen gibt. Die schon erwähnten Marilu Tolo und Alfredo Mayo(naise), Manolo Zarzo, die höllisch heiße Helga Line (die in fast allen Rollen, die sie gespielt hat, gekillt wird – egal ob im HORROR EXPRESS oder dem tollen BLUTMESSSE FÜR DEN TEUFEL) als Paradizis Witwe und noch ein paar andere. Auch die Produzenten kamen nicht nur aus Rom, sondern auch aus Madrid.

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Doch der Film bietet auch Italien pur, so z.B. die gialloesken Schwarze-Handschuh-Morde, bei dem besonders der blutige Kreissägenmord aus dem Rahmen fällt, denn er ist absolut grandios montiert worden und ziemlich blutig (diesmal musste Patty Shepard aus NACHT DER VAMPIRE mit dem lieben Paule dran glauben)…
Und wenn sich am Schluß sämtliche rote Heringe um Kommissar Peretti versammeln dürfen, erinnert das natürlich mehr als auffällig an die Agatha-Christie-Krimis mit Hercule Poiret in der Hauptrolle. Na und? Wundervoll, die Szene. Als ich MY DEAR KILLER zum ersten Mal sah, hat er mir wirklich die Schuhe ausgezogen, und das natürlich im absolut positiven Sinne!

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DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE (bei dem X-RATED amtliche Arbeit geleistet haben – nur die deutschen Uuntertitel sind teilweise schlampig übersetzt und alles andere als korrekt) ist keiner der besten, dafür jedoch einer der rasantesten Gialli, die ich je gesichtet habe. Von der ersten Sekunde an wird der Zuschauer in den Bann der unheimlichen Mordserie in einem riesigen Apartmentkomplex hineingesogen. Ich kann keine Szene, keinen Dialog entdecken, der nicht irgendwie mit den blutigen Geschehnissen im Zusammenhang steht – kaum zu glauben, aber wahr! Es gibt absolut null Leerlauf, kein Geplänkel, keine lange Anlaufzeit…
In besagtem Apartment, für das der erfolgreiche Architekt Andrea (George, wer sonst???) verantwortlich ist, werden innerhalb von wenigen Tagen zwei Frauenleichen entdeckt – eine wurde blutig im Fahrstuhl mit einem Rasiermesser (juchuh!) gekillt, die andere (die wunderschöne Carla Brait) in der Badewanne gefesselt und ertränkt. Und genau in das Apartment, in dem die Nachtclub-Männer-Verklopperin Carla ermordet wurde, zieht die hübsche Jennifer (Edwige Fenech), die Fotomodell von Beruf ist, mit ihrer besten Freundin ein. Dabei lernt sie Andrea kennen, der an einer Blutphobie leidet (oder tut er nur so???), und die beiden kommen sich ganz langsam näher. Inzwischen  ermittelt ein Kommissar die Morde, der sich auffällig oft mehr mit seiner Briefmarkensammlung (!) als mit den Verdächtigen beschäftigt – was ganz gewiß humorvoll gemeint ist und auch tatsächlich ziemlich witzig anzuschauen ist. Und die Polizeiarbeit bekommt einen großen Spielraum in dem Film, was deshalb ungewöhnlich ist, weil nicht der Held des Films, sondern ein Briefmarkensammler den Kommissar gibt. Die Szenen zwischen dem Kommissar und seinem Assistenten verleiten einen wirklich ständig zum Grinsen… Die beiden sind schon ziemlich ulkig, da gibt es nichts!
Jennifer wird wie Julie (beide Edwige Fenech) in DER KILLER VON WIEN von ihrem Ex-Freund und Ehemann verfolgt, der sie zurückgewinnen möchte, um die alten Gruppen-sexerlebnisse wieder zu beleben, die Jennifer jedoch niemals wirklich genießen konnte. Aber klar, was wäre das denn auch für eine seltsame Filmheldin in den Augen des Kinopublikums im katholischen Italien des Jahres 1972 gewesen?! Doch Jennifer wird nicht nur von ihrem Ex verfolgt, nein, auch der maskierte Schlitzer (der beinahe genauso ausschaut wie der Killer in Mario Bavas ultimativem Meisterwerk BLUTIGE SEIDE) hat es inzwischen auf sie abgesehen, und nur mit Glück kann sie seine Attacken zweimal abwehren – doch dann wird ihre Freundin und Mitbewohnerin auf der offenen Straße ermordet, und das mitten in den Armen von Andrea! Wem kann sie noch trauen???
Wow, also in diesem Apartment möchte ich nicht wohnen. Hmmm, oder vielleicht doch! Was da für Irre und Psychopathen hausen ist schon sensationell: Ein Professor (George Rigaud), der sich höchst verdächtig benimmt und immer die jeweiligen Leichen entdeckt, eine alte Tante, die ihren am ganzen Körper verbrannten Sohn in einem Geheimzimmer versteckt (eine extrem exploitative Idee und genau dasselbe wie ein Zwerg als Gehilfe eines fiesen Folterknechten im Horrorfilm – wie zum Beispiel in BLOODSUCKING FREAKS oder FRANKENSTEINS HORROR-KLINIK). Dann die seltsame und hübsche Tochter des Professors usw. Ja, eine ziemlich hohe Anzahl an roten Heringen, die einem von Ernesto Gastaldi und Giuliano Carnimeo aufgetischt werden, und doch fügen sich die Puzzleteile am Ende perfekt zusammen – wie meistens bei Gastaldis Skripts…
Luciano Pigozzi (der italienische Peter Lorre) taucht noch kurz als Nachtclubbesitzer auf, und der italienische Woody Allen als Fotograf (der den wirklichen Woody Allen in Italien synchronisiert) und einige andere bekannte Nasen…
Giuliano Carnimeos beste Werke findet man jedoch im Italowestern-Genre, und speziell die SARTANA-Knaller mit Gianni Garko sind wirklich toll gelungen und erstaunlich innovativ und ideenreich inszeniert worden. Man spürt deshalb auch, daß der Giallo eben nicht sein Fachgebiet ist, aber das gleicht er durch das hohe Tempo des Filmes und seine solide Handwerkskunst mehr als aus! Ich mag den Streifen jedenfalls sehr… Doch das Beste ist Bruno Nicolais Zauberscore – das Titelthema gehört mit zu den schönsten Ohrschmeichlern, die jemals komponiert wurden. Die Soundtrack-CD ist einfach irre und ein absolutes Muß für Italo-Fanatiker, die auch die Scores im Schrank stehen haben möchten…

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Zum Abschluß nochmal ein echtes Giallohighlight: DIE FARBEN DER NACHT, den Sergio Martino 1972 inszenierte, und zwar mit einem riesigen Aufgebot an Europloitation-Stars, die selbst die Darstellerriege von DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE noch übertrumpfen konnte! Zu sehen gibt es nämlich: George Hilton (ach nee!), Edwige Fenech, Ivan Rassimov, Marina Malfatti usw.
In DIE FARBEN DER NACHT kann man zum wiederholten Male das Traumpaar George Hilton und Edwige Fenech bewundern, und das kann einfach nicht langweilig sein, obwohl Edwiges Rollen meistens gleich angelegt sind: Sie wird von bösen Mördern, Stalkern und sonstigen Irren verfolgt und braucht dringend einen männlichen Helden, der sie beschützt. Es wird deshalb nicht langweilig, weil man nie weiß, ob die Helden auch wirklich Helden sind… So auch in DIE FARBEN DER NACHT, in dem Richard (George H.), der Ehemann von Jane (Edwige F.), durch eine Unachtsamkeit für den Tod ihres gemeinsamen ungeborenen Kindes verantwortlich ist. So ein Trauma kann eine Frau natürlich nicht so einfach wegstecken, und Jane gerät in einen mörderischen Strudel aus Fantasie, Realität, Alpträumen und Wahnvorstellungen – und der Zuschauer weiß eigentlich immer nur das, was Jane sieht und erlebt. Und genau da macht den Film unglaublich spannend bis zum Schluß.

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Regie führte zum wiederholten Male Sergio Martino, der mit DIE FARBEN DER NACHT aber keinen typischen Giallo schuf, sondern einen Hybriden aus Horrorfilm und Krimi Italiana. Horrorfilm deshalb, weil Jane durch ihre Nachbarin Mary (Marina Malfatti) in eine unheimliche Satanssekte eingeschleust wird, die ihre Alpträume erst noch intensivieren. Die Szenen mit der Sekte sind mit einem grandiosen Thema von Bruno Nicolai unterlegt, bei dem sich der Score-Maestro wirklich selbst übertroffen hat! Die Hauptmelodie spielt Allround-Genie Alessandro Alessandroni mit einer Sitar, die die schönsten Töne erzeugt, die man sich vorstellen kann. Die Soundtrack-CD bietet dieses sogenannte Sabbat-Thema in drei verschiedenen Versionen an, die einem eine Gänsehaut nach der anderen bescheren. Das Label DIGITMOVIES hat da wirklich zum x-ten Mal eine exzellente Arbeit abgeliefert, denn sie packen alles auf ihre CDs, was sie in den Archiven auf den Mastertapes entdecken – und alles ist restauriert und remastert. Und vieles ist in den jeweiligen Filmen nicht verwendet worden! Die CD ist jetzt schon ein kleines Sammlerstück, und man sollte sich ernsthaft beeilen, wenn man noch einen von diesen wundervollen Silbertellern unter 50 Euro bekommen möchte…

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DIE FARBEN DER NACHT ist ein sehr spannender, innovativer (für die damalige Zeit jedenfalls) Horrorgiallo, der natürlich auch seine deutlichen Vorbilder hat, besonders ROSEMARY’S BABY, weil Janes Angst- und Paranoiazustände schon an die Klassiker von Roman Polanski erinnern. Dafür war Martinos DIE SÄGE DES TEUFELS – neben IM BLUTRAUSCH DES SATANS von Mario Bava – das große Vorbild für den amerikanischen und kanadischen Teenie-Slasher! Und etwas wirklich Neues läßt sich eh kaum noch erfinden…
Es gibt eine Menge DVDs von DIE FARBEN DER NACHT, und ja, ganz genau, auch von denen habe ich verschiedene Editionen – am besten gefallen mir die Ami- und die Franzmann-DVD.

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Ach ja, was mir an den Edwige Fenech-Gialli auffällt, ist, daß ihre Filmnamen allesamt mit dem Buchstaben J beginnen: Julie, Jennifer, Jane. Zufall???
Noch erwähnenswert ist natürlich THE KILLER MUST KILL AGAIN von 1975 (weil: auch mit George Hilton), den Luigi Cozzi inszenierte, der nicht gerade zu den dollsten Regisseuren des italienischen Kinos zählt, aber dennoch einige Knaller rausgehauen hat: ASTARON zum Beispiel!
Fazit: Ich verdanke George Hilton unzählige Stunden mit seinen Filmen, von denen mir persönlich die Krimi Italiana am Besten gefallen, und von denen finde ich wiederum diejenigen am Schönsten, in denen Edwige Fenech mitspielte und Sergio Martino die Regie führte. Ausnahme: DER SCHWANZ DES SKORPIONS, den ich absolut genial finde, obwohl Edwige Fenech nicht mit dabei ist – dafür ist Anita Strindberg mit an Bord, und das ist ja auch was, oder?!

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