NICOLETTA „NIGHT CHILD“ ELMI: BIOGRAFIE, FILMOGRAFIE & BILDERGALERIE

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NICOLETTA

NIGHT CHILD

ELMI

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BIOGRAFIE,

FILMOGRAFIE

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BILDERGALERIE

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Ich hatte schon ein bißchen nachdenken müssen, ob ich wirklich eine kleine Biografie über Nicoletta Elmi schreiben soll, da sie meistens kleinere Nebenrollen hatte (man denke nur an den Miniauftritt in IM BLUTRAUSCH DES SATANS) und ich vor dem Problem stehen könnte, was ich denn über diese Winzrollen eigentlich schreiben soll. Nicoletta Elmi ist aber auf jeden Fall die Kinderdarstellerin, die in den meisten echten Kultfilmen mitgewirkt hat. Ich kenne wirklich kein anderes Kind, das so unheimlich und leicht schräge wirken konnte wie sie…

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1 MEZZANOTTE D’AMORE (1970)

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2 IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971)

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3 THE CHILD  (1972)

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4 BARON BLOOD (1972)

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5 VIER FRÖHLICHE RABAUKEN (1972)

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6 ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN (1973)

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7 PROFONDO ROSSO  (1975)

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8 LE ORME aka FOOTPRINTS ON THE MOON (1975)

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9 IL MEDAGLIONE INSANGUINATO aka NIGHT CHILD (1975)

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10 EIN BISSCHEN VERLIEBT (1984)

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11 DÄMONEN 2 (1985)

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Die hübsche und dennoch mit einem irgendwie seltsamen Gesicht ausgestattete Nicoletta Elmi wurde am 13. Februar 1964 in Rom geboren und hatte ihre ersten Auftritte als Statistin in Fernsehkomödien. Doch schon 1970 winkte der erste Kinofilm: MEZZANOTTE D’AMORE, den ich jedoch nicht kenne. Ich denke mal, daß das eine harmlose Liebeskomödie sein könnte. Ein Jahr danach bekam sie dann ihre erste klitzekleine Rolle, und das gleich in einem rabenschwarzen Kultgiallo: Mario Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS, der viel mehr ist als „nur“ das große Vorbild für den amerikanischen Teenie-Slasher ala FRIDAY THE 13TH…

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IM BLUTRAUSCH DES SATANS

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Mario Bavas Giallo/Slasher ist eine rabenschwarze Komödie über die maßlose Habgier, die in vielen Menschen steckt. Überall auf der Welt werden Leute abgemurkst, weil sich andere an ihren Moneten bereichern wollen. Und seien es ganz einfach die fiesen und fiktiven Erbschleicher, die in unzähligen Edgar-Wallace-Verfilmungen oder eben in IM BLUTRAUSCH DES SATANS fröhlich meucheln. Diese maßlose Gier im Menschen dürfte Mario Bava ein ziemlicher Greuel gewesen sein, denn die Damen und Herren des Films sind durch die Bank extrem unsympathisch gezeichnet. Es gibt keinen einzigen positiven Charakter in IM BLUTRAUSCH DES SATANS, im Gegenteil: einer ist schlimmer als der andere! Selbst die Kids werden da nicht verschont, was in einem diabolischen Schlußakt herrlich pointiert in Szene gesetzt wurde vom Herrn Bava Senior. Und da kam dann Nicoletta Elmi ins kindlich-böse Spiel. Vielleicht war es genau diese eine spezielle Sequenz, die sie auch für andere Regisseure interessant machte…

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Jedenfalls ist IM BLUTRAUSCH DES SATANS (paßt schon der deutsche Titel, wenn auch ziemlich einfallslos) eine absolut bombige Mischung aus Giallo, Pre-Teenie-Slasher, Schwarze Komödie und blankem Horror, bei dem einem das Lachen definitiv im Halse stecken bleiben kann. Schon den Beginn des Films könnte man auf gut deutsch ungefähr so beschreiben: da legt einer eine um – und wird dann von einem Dritten selber umgelegt, was schließlich damit endet, daß der ebenfalls umgelegt wird!!! Ja, in IM BLUTRAUSCH DES SATANS wird umgelegt, abgezockt und abgestaubt, daß sich sämtliche Balken biegen. Jedenfalls ist der Bodycount enorm hoch, und die Morde sind extrem heftig und teilweise sehr blutig inszeniert. Und im besten Giallosinne wird der Zuschauer von einem Plot-Twist zum nächsten befördert – da vergeht einem wahrhaftig Hören und Sehen!
Und mitten im finsteren Treiben tauchen dann einige Teenies auf, die sich in einem einsamen Haus einnisten und fröhlich Party machen – und zwar so lange bis sie vom Sensenmann geholt und ins Jenseits befördert werden – zum Glück! Und genau diese Sequenzen wurden zum Markenzeichen des amerikanischen und kanadischen Teenie-Slasher-Genres. IM BLUTRAUSCH DES SATANS ist definitiv das Vorbild für miese Gurken wie FRIDAY THE 13TH, PROM NIGHT und Konsorten. Diese Slasher konnte ich als Kind schon nicht leiden – angeschaut habe ich sie mir damals natürlich trotzdem! Aber ok, zumindest BRENNENDE RACHE, AB IN DIE EWIGKEIT oder auch BLUTIGER VALENTINSTAG sind schon recht spannend und unterhaltsam.
Neben Nicoletta Elmi (am Schluß des Films) gibt es einige bekannte Mimen zu begutachten: den Charakterdarsteller Luigi Pistilli zum Beispiel, bei dessen Rolle man kurz darauf hoffen darf, ob man doch noch einen sympathischen Charakter vorfindet (doch nein, Mario Bava kennt diesmal keine Gnade)…

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IM BLUTRAUSCH DES SATANS ist jedenfalls Mario Bavas heftigster Streifen. Sein Bild vom gierigen Menschen, der für die Penunze wahrhaftig über Leichen geht, ist schon ein ziemlicher Tritt in die Magengrube.

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THE CHILD

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Franco (George Lazenby) bekommt in Venedig Besuch von seiner kleinen Tochter Roberta (Nicoletta Elmi), die eigentlich in London bei ihrer Mutter (Anita Strindberg) lebt. Noch am selben Abend verschwindet Roberta spurlos – Papa Franco hatte sich derweil mit seiner Geliebten ein Schäferstündchen gegönnt. Am nächsten Morgen wird Robertas Leiche im Kanal schwimmend entdeckt. Das Entsetzen ist groß.
Zur Beerdigung erscheint schließlich Robertas Mutter, die zusammen mit Franco trauert und bemerkt, daß ihr Ehemann wie besessen beginnt, nach dem irren Kindermörder zu fahnden. Vor einigen Jahren geschah nämlich schon ein Mord an einem rothaarigen Mädchen, dessen Vater aber nichts mehr vom Tod seiner Tochter wissen möchte. Doch Franco gibt nicht auf…
Im Gegensatz zum unglaublich banalen „deutschen“ Titel THE CHILD  macht der italienische Originaltitel durchaus mehr Sinn, denn er heißt übersetzt: Wer sah sie sterben? So auch der englische Filmtitel WHO SAW HER DIE? Den Text dazu singen die Kinder, die am Anfang des Films kreisend um Roberta herum tanzen. Ironie des Schicksals?
Jedenfalls ist THE CHILD ein weiterer intelligenter Psychothriller des italienischen Regisseurs Aldo Lado, der seine Filmkarriere mit MALASTRANA eindrucksvoll startete. Auch sein extrem heftiger Rape-and-Revenge-Schocker NIGHT TRAIN MURDERS von 1975, der genauso wie THE CHILD beim britischen Label SHAMELESS vor ein paar Monden erschien, geht an die Nieren. Denn Morde an Kindern sind eine sehr heikle Angelegenheit in einem Krimi. Doch Aldo Lados Werke sind ähnlich genial wie die eines Massimo Dallamano oder Luigi Bazzoni, denn genau wie diese beiden Vorzeigeregisseure, meistert Lado den schmalen Grat zwischen ernsthaftem Anspruch, Kunst und Exploitation mit Bravour! Doch darum geht es ja nun nicht, sondern um Nicoletta Elmi, und die spielt ausnahmsweise alles andere als eine unheimliche Rolle. In THE CHILD spielt sie ein ganz einfaches, nettes Mädel von nebenan – umso mehr setzt einem ihr Tod nach schon 30 Minuten zu. Auch wenn ich das natürlich schon wußte, bevor ich dieses Werk zum ersten Mal sah. Hat man selbst eine Tochter, kann man schon nachvollziehen, das Franco wirklich alle Hebel in Bewegung setzt, um den fiesen Meuchelmörder zur Strecke zu bringen… Überhaupt George Lazenby! Ich kenne ihn eigentlich hauptsächlich aus dem James-Bond-Streifen mit Onkel Donald (Pleasance), und in THE CHILD ist er kaum noch wiederzuerkennen. Mindestens 15 Kilo leichter und mit Pornobalken kommt er um die Ecke geschossen. Hätte ich nicht gewußt, daß George Lazenby die Rolle des Franco spielt – ich hätte ihn definitiv nicht erkannt.
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Dann wäre da als Robertas Mom die bildschöne, wirklich wundervoll anzuschauende Anita Strindberg mit den magischsten Wangenknochen, die ich jemals erblickte! Wow, die sieht einfach zum Anbeißen aus, wie sie da nackt im Bette liegt und traurig in die Leere schaut – die möchte man doch gerne tröstend in die Arme nehmen, oder? So schön wie in diesem Film sah sie niemals zuvor aus. Allein für ihren Anblick hätte ich mir den Streifen schon in den Schrank gestellt – ganz egal, ob er ein Schundfilm oder ein Gialloklassiker ist! Und um es zu verraten: ja, THE CHILD ist ein Spitzengiallo, wie er im Lehrbuch steht. Natürlich alles im ästhetisch-kunstvollen Rahmen eines Aldo Lado und mit der traumhaften Kulisse Venedigs.
In den unendlichen Weiten des WWWs lassen sich doch tatsächlich Volldeppen finden, die rumposaunen, das Aldo Lado reichlich von WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN geklaut hätte. Schade nur, das es genau andersrum ist, denn THE CHILD ist satte zwei Jahre vor den Gondeln entstanden!
Adolfo Celi taucht auch noch zwischendurch auf, jedoch nicht als Bösewicht – oder vielleicht doch???

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BARON BLOOD

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Dann hatte Nicoletta Elmi noch im selben Jahr (also 1972) gleich ihren nächsten Auftritt – diesmal in einem klassischen Horrorstreifen von Mario Bava. In knalligem Technicolor ging Maestro Bava nach dem extrem harten, modernen IM BLUTRAUSCH DES SATANS einen großen Schritt zurück zu seinen Gotik-Wurzeln ala DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU. BARON BLOOD zählt jedenfalls mit Sicherheit nicht zu Bavas größten Meisterwerken wie zum Beispiel DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, und dennoch ist er vergleichbaren Genre-Werken weit überlegen – besonders die erste Hälfte von BARON BLOOD hat viele spannende Gänsehautszenen und wundervolle Locations wie das unheimliche Schloß. Und da die Moneten für den Film aus Österreich kamen, konnte Alfred Leone (nicht verwandt mit Sergio Leone!) den sympathischen Bava davon überzeugen, sein geliebtes Italien ausnahmsweise mal zu verlassen. Alfred Leone besuchte zusammen mit Bava mehrere Schlösser bis sie schließlich das passende gefunden hatten.
„ES WAR EIN HERRLICHES SCHLOSS, ETWA 20 KILOMETER VON WIEN ENTFERNT, DAS DEN NAMEN KORNEBERG TRUG. ES WAR NICHT NUR ALS SETTING FABELHAFT GEEIGNET, SONDERN AUCH VON OBEN BIS UNTEN MIT ANTIQUITÄTEN VOLLGESTOPFT“, erinnerte sich Leone in einem Interview.
Zuerst versuchte der findige Produzent Leone Horrorkultstar Vincent Price an Bord zu holen, doch der hatte schon einen Flop mit Bava gedreht (DR. GOLDFOOT AND THE GIRLBOMBS) und sagte leider ab. Dann fragte man Ray Milland, der gewollt hätte, aber nicht verreisen konnte. Schließlich bekam man dann Joseph Cotton – schon leicht abgetakelt natürlich. Zumindest hatte er mit LADY FRANKENSTEIN schon in einem ziemlich ulkigen Italo-Horrortrasher von Mel Welles mitgemacht, in dem auch Herbert Fux seine seltsame Visage in die Kameras hielt. Jedenfalls wäre mir der göttliche Vincent Price lieber gewesen als Joseph Cotton – tja, bekanntlich kann man nicht alles haben… Dafür gibt es ja die bezaubernde Elke Sommer zu bestaunen, die wirklich sensationell sexy ausschaut in BARON BLOOD. Die ist schon ’ne Augenweide gewesen damals, die gute Elke!

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Elke Sommer und Mario Bava waren sich so sympathisch, daß sie noch einen weiteren Horrorhit drehen sollten: LISA UND DER TEUFEL (aka DER TEUFLISCHE), der wie BARON BLOOD beim Label e-m-s in der MARIO-BAVA-KOLLEKTION erschienen ist.
Unter den Darstellern fällt noch Rada Rassimov als Medium auf, die die leibliche Schwester von Ivan Rassimov ist, wenn mich nicht alles täuscht. Nicoletta Elmi hat dafür einen tollen Auftritt, als sie durch die labyrinthischen Gärten des Schlosses läuft. Eine wirklich fantastische und unheimliche Sequenz!
BARON BLOOD ist eigentlich ein Brückenschlag zwischen altmodischem Gotik-Horror und Vampirthematik und der bunten Gegenwart des Jahres 1972. Jedenfalls sorgt eine Papierrolle, die die heiße Elke verliest, für die Auferstehung des Blutbarons, der sich schnurstracks aufmacht, die Bewohner der Schloßumgebung zu meucheln. Doch bevor er das tut, geht er noch mal schnell zum Arzt, um sein verwestes Gesicht begutachten zu lassen! Naja, den Doktor legt er dann um. Danach sieht man den Telefonhörer des toten Arztes baumeln – ein Wink von Mario Bava auf seiner eigenen Horroranthologie namens DIE DREI GESICHTER DER FURCHT, denn in der ersten Geschichte TELEFON kann man ebenfalls einen Telefonhörer nach einem Mord baumeln sehen. Wer jetzt glaubt, daß ich von Mario Bavas Werken besessen bin, der hat vollkommen Recht!
Ich mag BARON BLOOD jedenfalls sehr, denn auch Luciano Pigozzi als Faktotum ist mit von der Gruselpartie. Der italienische Original-Score ist von Stelvio Cipriani und ziemlich jazzlastig – für den amerikanischen Markt wurde Lex Baxter beauftragt, einen mehr gespenstischen Score zu komponieren. Beides klingt passend, obwohl ich Cipriani dann doch bevorzugen würde, wenn ich mich entscheiden müsste…

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ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN

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Nach den VIER FRÖHLICHEN RABAUKEN mit Nicoletta Elmi von 1972, den ich nicht kenne (klingt jedoch irgendwie ulkig), kam dann ein Jahr danach einer der größten Horror-, Splatter- und Kultschocker aller Zeiten namens ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN in die Kinos, und das im 3D-Format! So hätte ich den Film anno dunnemals gerne mal in einem Lichtspieltheater gesehen – doch da ich damals erst ein Jährchen auf dem Buckel hatte, wollten sie mich nicht ins Bahnhofskino reinlassen!!
Und wie hieß der Werbespruch noch gleich? DAS BLUT SPRITZT BIS IN DIE LETZTE REIHE! Mehr als erstaunlich dabei ist, daß ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN ungeschnitten in den deutschen Kinos lief! Puh, auch wenn man den Film nicht wirklich ernst nehmen sollte, ist er dennoch ein extrem blutiger Sex- und Splatterschocker wie aus dem Lehrbuch des fidelen Grauens. Und nicht nur das: Die nekrophile Sexszene zwischen Udo Kier als Baron Frankenstein und Carla Mancini als tote Leiche dürfte damals so manchen Kinobesucher doch ziemlich geschockt haben in den noch frühen ’70ern!
 Herrschell Gordon Lewis‘ erste Gorestreifen gab es da zwar auch schon zehn Jahre, doch wirkt ein Filmchen wie BLOOD FEAST gegen diesen durchgeknallten FRANKENSTEIN einfach nur noch lachhaft.
Gab es zu diesem monströsen Schocker eigentlich etwas Vergleichbares im Jahre 1973? Der Film ist einfach alles: berauschendes Kunstwerk, Splatterschocker, irrwitzige Komödie inklusive perverser Sexeinlagen, einem schrägen Geschwisterpärchen, die durch Inzest (!) gezeugt wurden – Baron Frankenstein und seine Frau sind nämlich genau wie ihre beiden Kinder ein Geschwisterpaar… :shock: 
Da werden Narben mit bloßen Händen aufgerissen, Köpfe abgesäbelt, Hände abgeschlagen usw. Doch das Beste ist Udo Kiers grandioses Overacting, das man am besten im Originalton genießt, denn das ist Live-Sound-Recording pur! Sein Akzent ist da nur die Spitze des Eisberges. Jedenfalls ist sein Auftritt in ANDY WARHOL’S FRANKENSTEIN die größte Leistung, die er jemals in einem Film abgeliefert hat. Da können alle anderen Filmbösewichte einpacken – einschließlich Klaus Kinski, Luciano Rossi, Horst Frank, Adolfo Celi und Herbert Fux!

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Die Story ist eigentlich nicht weiter von Belangen (Baron Frankenstein möchte halt den perfekten Menschen erschaffen – in dem ein zusammengeflicktes Mann/Frau-Pärchen Sex hat, doch das klappt dann nicht, weil der Mann ein Mönch ist!), sondern allein die visuellen Schauwerte hauen einen aus den Latschen. Neben dem bombigen Udo Kier gibt es noch den unglaublich gutaussehenden Joe Dallesandro (wow, kein Wunder, das die Bi/Homosexuellen und die Ladies reihenweise auf den abgefahren sind – ich würde es auch tun!) und natürlich die kleine Elmi, die so unheimlich wie nie zuvor wirkt – geistern sie und ihr Bruder zu Beginn des Films noch ganz harmlos durch die Gemächer, so sorgen sie später für ein flaues Gefühl in der Magengegend. Sie sind auf jeden Fall für die unheimlichsten Elemente des gesamten Streifens verantwortlich, weil sie schon genauso pervers und krank sind wie ihre Eltern! Da gruselts jeden Papa!
Regisseur war offiziell Paul Morrissey, doch auch Antonio Margheriti ist für manche Sequenzen des Streifens verantwortlich gewesen. Jahrelang wußte anscheinend niemand außer den Beteiligten selbst, wer denn nun die Regie führte. Eines Tages tauchten Fotos vom Set FRANKENSTEINs auf, und da war eindeutig Antonio Margheriti zu sehen – das hatte Paul Morrissey bis dato nämlich abgestritten und einfach behauptet, daß er ganz allein an dem Film werkelte. Tja, so kanns kommen…
Die deutsche CMV-Glasbox-DVD ist optisch natürlich ’ne Schau, doch die Bild- und Tonqualität kann man dagegen vergessen. Die italienische DVD von RARO VIDEO bietet FRANKENSTEIN hervorragend restauriert und mit Originalton, ABER: das Format ist 4/3-Vollbild! Die US-DVD aus der edlen CRITERION COLLECTION besitzt ebenfalls eine sehr gute Bildqualität, ist jedoch seit Jahren ausverkauft (das Teil ist von 1998 und war damals eine meiner ersten DVDs!). Es gibt jedoch viele Neuauflagen – da müßte eigentlich für jeden das Richtige dabei sein…
Zwei Jahre danach kam dann der beste Giallo aller Zeiten in die Kinos: PROFONDO ROSSO (von Maestro Dario Argento. Weil zu diesem wundervollen Gemälde von einem Film bereits ALLES gesagt ist, spare ich mir den Film einfach…

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PROFONDO ROSSO

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FOOTPRINTS ON THE MOON

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Ebenfalls von 1975 ist Luigi Bazzonis wundervoller Mysterykrimi und Paranoiathriller FOOTPRINTS ON THE MOON. Für mich liefert Nicoletta Elmi hier ihr absolutes Bravourstück in Sachen Schauspiel ab, und ich frage mich, warum sie Jahre danach keine wirklich „große“ Schauspielerin geworden ist?! Sie ist nämlich einfach wunderbar als kom-plett undurchschaubares Inselkind. Da mußte anscheinend selbst die bildschöne Brasilianerin Florinda Bolkan aufpassen, daß die kleine Elmi ihr nicht die Schau stiehlt!
In FOOTPRINTS sehen wir Florinda Bolkan, bekannt aus vielen italienischen Genrestreifen wie zum Beispiel Lucio Fulcis A LIZARD IN A WOMAN’S SKIN, als Alice (im Wunderland???) eines schönen Morgens auf dem Weg zur Arbeit, wo ihre Chefin sie schließlich erstaunt fragt, warum sie die letzten drei Tage nicht zur Arbeit erschienen ist. Es dauert einige Zeit bis ihr klar wird, daß die letzten drei Tage aus ihrem Gedächtnis verschwunden sind. Amnesie? Außerdem quält sie seit langem derselbe unheimliche Alptraum: ein Mann wird von der Besatzung eines Raumschiffs auf dem Mond ausgesetzt und dort seinem Schickal überlassen. Sie beginnt nachzuforschen, was in den verlorenen Tagen vor sich ging und reist nach Garma, einem türkischen Inselparadies – wo sie von dessen Bewohnern als eine gewisse Nicole identifiziert wird. Doch wer ist Nicole? Nicole soll langes rotes Haar getragen haben, sie dagegen hat kurzes braunes Haar. Eines Tages findet sie am Strand eine rote Perücke…
FOOTPRINTS ist ein Mysterykrimi, eine Studie über Schizophrenie, ein raffiniertes Verwirrspiel und ein psychologisches Meisterwerk im Stile von Alfred Hitchcock und Roman Polanski zu ihren Glanzzeiten. Nachdem Luigi Bazzoni schon mit dem Edelgiallo DER SCHWARZE TAG DES WIDDERS mit Franco Nero in der Hauptrolle ein Jahrhundertwerk inszenierte, gelingt ihm vier Jahre danach ein leicht komplexer, hochspannender Paranoia-Thriller, der seinesgleichen sucht. Mit Luigi Bazzoni ist das auch so eine Sache, denn warum gab es nach FOOTPRINTS keine weiteren Werke von diesem wirklich enorm talentierten Regisseur? Fragen, Fragen, Fragen…

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Und Nicoletta Elmi ist ganz fantastisch! Auch wenn FOOTPRINTS zu 90% auf Florinda Bolkan zugeschnitten ist, kann man nur staunen, wie sehr sie mit ihr konkurrieren kann bei den gemeinsamen Szenen. Klaus Kinski als „Blackman“ ist auch mit von der ominösen Partie, und zwar als finsterer Chef der Astronauten-Agenten, die den Mondmann aus Alice‘ Träumen zurückließen…
FOOTPRINT ist ein sehr behutsam und langsam erzählter Psychothriller, dessen Auflösung am Schluß mich dann wirklich schockiert hat (für sensiblere Seelen wirklich ein niederschmetterndes Ende). Unvergeßlich jedenfalls die Szene am Strand!
Und die SHAMELESS SCREEN ENTERTAINTMENT-DVD zeigt den Film top restauriert und als Director’s Cut. Sehr schönes Teil jedenfalls! Und die wirklich bezaubernde Musik ist von Nicola Piovani und gibt es nicht auf CD… Bitte, seit gnädig, ich muß diese wunderbare Musik auf CD haben!

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NIGHT CHILD

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Dann kam ebenfalls 1975 (welch ein Jahr für die kleine Elmi!) der nur leicht an DER EXORZIST erinnernde und eigene Wege beschreitende THE NIGHT CHILD  (IL MEDAGLIONE INSANGUINATO) von Regisseur Massimo Dallamano (DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER ist jedenfalls wahrhaftig Kult und gehört zu den zwanzig besten Filmen, die jemals gedreht wurden) in die Kinos.
Manches in MEDAGLIONE erinnert an WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, denn die Atmosphäre ist ähnlich beklemmend und fast schon depressiv wie in besagtem Krimi mit Donald Sutherland. Jedenfalls polarisiert (oder wie auch immer dieses Wort heißt) Massimo Dallamanos Werk die Filmfans, denn die Meinungen zu diesem Horror/Mystery-Krimi sind erstaunlich unterschiedlich. Da ist in Reviews und Kritiken wirklich alles dabei: brillant, langweilig, durchschnittlich, toll usw. Ich fand ihn nach der ersten Sichtung nicht viel mehr als ok. Doch jetzt habe ich ihn inzwischen an die zehn Mal gesehen und liebe ihn sehr. Richard Johnson und Nicoletta Elmi sind einfach fantastisch! Und da sind Suspense-Szenen, die einem tief unter die Haut gehen. Zum Beispiel die Szene mit dem brennenden Arm, der aus dem Fenster „winkt“… Und wenn ich so recht überlege, müsste dies Nicoletta Elmis einzige echte Hauptrolle gewesen sein. Sehr seltsam, daß sie danach aus dem Filmbusiness verschwand, denn ihre Leistung als Night Child ist absolut fabelhaft!

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Michael Williams (Richard Johnson) arbeitet für das englische Fernsehen an einer Doku über die dunkle Seite des Lebens in der italienischen Malerei und Mythologie. Um sein Werk zu beenden reist er mitsamt Tochter Emily (Elmi!) und Nanny Jill (die wundervolle Ida Galli) nach einem finsteren Ort namens Spoleto. Doch Emily überkommen mehrmals Angstattacken, die durch ihr Trauma (= schrecklicher Feuertod ihrer geliebten Mutter) ausgelöst werden. Nachdem Michael schließlich ein schreckliches Gemälde entdeckt, das an seine Familie erinnert, brechen bei Emily die letzten Dämme – sie stürzt Nanny Jill einfach von einer Klippe in die tosenden Fluten…
Nun, eigentlich lebt der Streifen komplett von seiner düsteren Atmosphäre, denn ereignen tut sich speziell in den ersten 60 Minuten kaum etwas. Doch für Leute, die einen behutsamen Spannungsaufbau zu schätzen wissen und Actionorgien meiden (wie ich z.B.), werden großen Gefallen an IL MEDAGLIONE INSANGUINATO finden. Nicoletta Elmi ist eine Wucht als dämonisches Kind, und das ohne viel Effekte wie im EXORZISTEN-Epos von William Friedkin. Auch Exploitation wie in EXORCISM mit Paule Nasch(y)bär, L’ANTICRISTO von Alberto de Martino oder WER BIST DU? von Assonitis gibt es beim guten Dallamano eindeutig nicht, denn wie in seinen anderen Streifen auch, balancierte er exakt zwischen dem schmalen Grat wirklichen Anspruchs und Exploitation. Kein wildes An-der-Decke-schweben, keine obszönen Flüche, kein lauter Hokuspokus. Eigentlich könnte MEDAGLIONE sogar ab 12 Jahren freigegeben sein, denn Blut und Titten gibts keine… :cry:
Wirklich ein Rätsel ist, daß Nicoletta Elmi optisch ein bißchen jünger wirkt als in PROFONDO ROSSO und FOOTPRINTS ON THE MOON. Vielleicht ist das Entstehungsjahr 1975 deshalb auch nicht korrekt – solche seltsamen Ominösitäten (gibt es dieses Wort?) liebe ich einfach. Man braucht sich nur ihre Filme der mittigen ’70er Jahre anzuschauen und schon steht man vor einem Rätsel, das es lohnt, erforscht zu werden. Vielleicht schreibe ich sie einfach mal über ihre Homepage an.
Auch interessant ist Elmis Aussage, daß die Dreharbeiten mit Dario Argento zu PROFONDO ROSSO und Massimo Dallamano zu ihren schönsten Erlebnissen gehörten, die sie in ihrer Schauspielkarriere jemals erlebt hatte…

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Und dann gab es erst 1984 ein neues Kinowerk mit Nicoletta Elmi namens EIN BISSCHEN VERLIEBT, den ich jedoch nicht kenne. Ihren letzten größeren Auftritt hatte sie dann in DÄMONEN 2 von Lamberto Bava, mit dem ich jedoch nicht allzu viel anfangen kann. In Lamberto Bavas gesamten Filmschaffen gibt es für mich nichts wirklich Dolles zu entdecken – einzig sein Debüt MACABRO, DIE KÜSSE DER JANE BAXTER ist da eine sleazige Ausnahme…
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 Fazit: Nicoletta Elmi ist für mich die Kinderdarstellerin überhaupt im gesamten Kultfilmkino! Auffällig ist, daß sie in wenigen Filmen fast ausschließlich mit Meisterregisseuren zusammenarbeitete: Mario Bava, Aldo Lado, Dario Argento, Luigi Bazzoni… Und Antonio Margheriti nicht zu vergessen! Das reicht für ein komplettes Schauspielerleben…

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